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WTF-Fragen
 

Wie gelangten Menschen vor 65.000 Jahren auf einen Kontinent, der von Wasser umgeben war?

 

Kategorie:

Archäologie

Der kurze TEASER:

Die Besiedlung Australiens war eine der größten menschlichen Migrationsleistungen der Steinzeit, lange bevor Seefahrt im modernen Sinne existierte. Es ist ein Beweis für unglaubliche Navigationsfähigkeiten und den Überlebenswillen unserer Vorfahren.

Die ausführliche Antwort:

Stell dir vor, du lebst in einer Welt, die du fast vollständig zu Fuß erkundest. Die größten Entfernungen, die du zurücklegst, sind die, die deine Füße tragen können. Und dann, aus dem Nichts, steht eine Herausforderung vor dir, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt: Ein riesiger Kontinent, reich an Ressourcen, aber unerreichbar, da er von weitem, offenem Meer umgeben ist. Die Rede ist von Australien und der unglaublichen Reise, die unsere Vorfahren vor über 65.000 Jahren unternahmen, um ihn zu besiedeln. Das ist eine Zeit, in der die Landkarte der Welt noch ganz anders aussah und unsere Spezies gerade erst begann, die Welt zu erobern. Für lange Zeit dachte man, die Besiedlung Australiens hätte vor etwa 40.000 bis 50.000 Jahren stattgefunden. Doch neuere archäologische Funde, insbesondere in der Madjedbebe-Höhle im Norden Australiens, haben diese Zeitlinie massiv nach hinten verschoben. Bis zu 65.000 Jahre sind es! Das macht die Ankunft der ersten Menschen in Australien zu einer der ältesten und beeindruckendsten Seereisen der Menschheitsgeschichte. Zum Vergleich: Das ist über 20.000 Jahre, bevor der moderne Mensch in Europa ankam, und zehntausende von Jahren vor der Entwicklung der Landwirtschaft oder des Schiffsbaus, wie wir ihn heute kennen. Aber wie gelangten sie dorthin? Selbst während der Eiszeiten, als der Meeresspiegel deutlich niedriger war und große Landbrücken existierten, war der Weg nach Australien – damals noch Teil des Großkontinents Sahul, der Australien und Neuguinea umfasste – nie vollständig landverbunden. Es gab immer mindestens 70 Kilometer offenes Meer zu überwinden, und das nicht nur einmal. Es waren mehrere Inselketten, die überquert werden mussten, und dies erforderte nicht nur die Fähigkeit, ein Wasserfahrzeug zu bauen, sondern auch zu navigieren und genug Proviant für die Reise mitzunehmen. Die Boote waren wahrscheinlich keine hochseetüchtigen Schiffe im modernen Sinne. Man geht davon aus, dass es sich um robuste Flöße oder einfache Kanus handelte, möglicherweise aus Bambus oder Baumstämmen gefertigt. Doch selbst diese rudimentären Fahrzeuge mussten in der Lage sein, eine Gruppe von Menschen – Männer, Frauen und Kinder – und vielleicht auch einige domestizierte Tiere oder Werkzeuge sicher über das Meer zu tragen. Das erforderte nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch eine erstaunliche Vorstellungskraft und den Mut, sich auf das Unbekannte zu wagen, weitab von jeder sichtbaren Küste. Sie konnten sich nicht einfach von Insel zu Insel 'hangeln'. Dies war echte Hochseeschifffahrt, wenn auch in kleinem Maßstab. Diese frühen Pioniere waren die wahren 'Voyager' der Steinzeit. Ihre Nachkommen sind die australischen Aborigines, deren Kultur als die älteste durchgängige Kultur der Welt gilt. Ihre Sprache, ihre Geschichten, ihre Kunst – all das zeugt von einer tiefen Verbindung zu dem Land, das ihre Vorfahren vor so langer Zeit in einer beispiellosen Leistung des menschlichen Mutes und Erfindungsgeistes erreichten. Die Besiedlung Australiens ist ein leuchtendes Beispiel dafür, dass der Mensch schon in frühester Zeit zu erstaunlichen Entdeckungsreisen und Anpassungsleistungen fähig war, die uns auch heute noch Ehrfurcht einflößen.
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