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Käse, Sahne und Demenz: Unerwartete Ergebnisse aus einer großen Langzeitstudie
5.2.26, 17:24
Ernährung, Medizin

Eine der längsten Studien zu Ernährung und Gehirngesundheit
Wie stark beeinflusst unsere Ernährung das Risiko, im Alter an Demenz zu erkranken? Diese Frage beschäftigt die Forschung seit Jahrzehnten. Eine neue schwedische Langzeitstudie liefert nun überraschende Hinweise: Der regelmäßige Verzehr bestimmter fettreicher Milchprodukte könnte mit einem geringeren Demenzrisiko verbunden sein.
Untersucht wurden über einen Zeitraum von 25 Jahren die Ernährungsgewohnheiten von rund 27 700 Erwachsenen. Zu Beginn der Studie gaben die Teilnehmenden detailliert an, wie häufig und in welchen Mengen sie verschiedene Milchprodukte konsumierten. Diese Angaben wurden später mit medizinischen Diagnosen aus nationalen Gesundheitsregistern abgeglichen, darunter Alzheimer-Demenz und andere Demenzformen.
Fettreicher Käse mit auffälligem Zusammenhang
Besonders auffällig war der Zusammenhang beim Konsum von fettreichem Käse. Personen, die täglich größere Mengen davon zu sich nahmen – etwa mehr als 50 Gramm – erkrankten im Beobachtungszeitraum seltener an Alzheimer-Demenz als Menschen mit sehr geringem Käsekonsum. Der Unterschied lag je nach Berechnung bei etwa 13 bis 17 Prozent.
Dieser Effekt zeigte sich jedoch nicht bei allen Menschen gleichermaßen. Er war vor allem bei jenen zu beobachten, die keine bekannte genetische Risikovariante für Alzheimer trugen. Bei Personen mit erhöhtem genetischem Risiko ließ sich kein vergleichbarer Zusammenhang erkennen.
Auch fettreiche Sahne war in der Analyse mit einem niedrigeren allgemeinen Demenzrisiko verbunden. Andere Milchprodukte wie fettarme Varianten, Butter, Milch oder fermentierte Produkte zeigten hingegen keinen statistisch messbaren Effekt.
Kein Beweis für Schutz – nur eine statistische Verbindung
So überraschend die Ergebnisse klingen: Die Studie beweist nicht, dass Käse oder Sahne vor Demenz schützen. Es handelt sich um eine sogenannte Beobachtungsstudie. Sie kann Zusammenhänge aufzeigen, aber keine Ursache-Wirkung-Beziehungen belegen.
Menschen, die regelmäßig Käse konsumierten, unterschieden sich in mehreren Punkten von Personen mit niedrigem Konsum. Sie hatten im Durchschnitt weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen, seltener Diabetes und teilweise auch andere Lebensgewohnheiten, die das Demenzrisiko unabhängig beeinflussen können. Trotz statistischer Korrekturen lassen sich solche Faktoren nie vollständig ausschließen.
Warum gerade fettreiche Produkte?
Fettreicher Käse enthält neben gesättigten Fettsäuren auch eine Reihe von Mikronährstoffen, darunter Vitamin B12, Vitamin K2 sowie fettlösliche Vitamine. Diese spielen eine Rolle für den Stoffwechsel, das Nervensystem und möglicherweise auch für die Gehirngesundheit. Ob sie den beobachteten Zusammenhang erklären können, bleibt jedoch offen.
Gleichzeitig sind gesättigte Fette seit Langem mit erhöhten Cholesterinwerten und einem gesteigerten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Diese gelten wiederum als wichtiger Risikofaktor für vaskuläre Demenz. Ein potenzieller Vorteil für das Gehirn müsste daher gegen mögliche Nachteile für das Herz-Kreislauf-System abgewogen werden.
Einordnung im Kontext bisheriger Forschung
In der Ernährungsforschung zeigt sich immer wieder, dass einzelne Lebensmittel selten isoliert wirken. Viel entscheidender sind langfristige Ernährungsmuster, etwa mediterrane oder pflanzenbetonte Kostformen, die bereits in mehreren Studien mit einem geringeren Demenzrisiko in Verbindung gebracht wurden.
Die neuen Ergebnisse stellen frühere Empfehlungen nicht grundsätzlich infrage, erweitern aber das Bild. Sie legen nahe, dass die pauschale Unterscheidung zwischen „fettarm gleich gut“ und „fettreich gleich schlecht“ zu kurz greifen könnte – zumindest im Hinblick auf die Gehirngesundheit.
Fazit
Die schwedische Langzeitstudie liefert neue Hinweise darauf, dass der regelmäßige Konsum von fettreichem Käse und Sahne mit einem geringeren Demenzrisiko assoziiert sein kann, insbesondere bei Menschen ohne genetische Alzheimer-Vorbelastung. Beweisen lässt sich daraus jedoch keine Schutzwirkung. Für konkrete Ernährungsempfehlungen reicht die Datenlage nicht aus. Die Ergebnisse sollten vielmehr als Ausgangspunkt für weitere, gezieltere Forschung verstanden werden.





