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Wissenschaftliche Meldungen

Sieben Millionen Jahre alt: Fossil liefert neue Indizien für frühen aufrechten Gang

4.1.26, 15:03

Biologie, Archäologie

Titelbild zur menschlichen Evolution: Links ein fossiler Schädel von Sahelanthropus tchadensis, in der Mitte rekonstruierte Hüft- und Oberschenkelknochen, rechts die Silhouette eines frühen Hominiden, der aufrecht durch eine savannenartige Landschaft bei Sonnenuntergang geht. Großer Text im Bild thematisiert neue Hinweise darauf, dass dieser Urmensch bereits vor rund sieben Millionen Jahren zweibeinig gegangen sein könnte.

Neue anatomische Hinweise auf Bipedalismus bei Sahelanthropus tchadensis


Eine Anfang Januar 2026 veröffentlichte Studie liefert neue anatomische Hinweise darauf, dass Sahelanthropus tchadensis – ein etwa sieben Millionen Jahre alter Hominide aus dem heutigen Tschad – bereits auf zwei Beinen gegangen sein könnte. Sollte sich diese Interpretation bestätigen, würde der Ursprung des aufrechten Gangs deutlich weiter in die Vergangenheit rücken als bislang angenommen und zeitlich nahe an die evolutionäre Trennung von Menschen und Schimpansen heranreichen.


Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen detaillierte Analysen fossiler Knochen, insbesondere eines Oberschenkelknochens. Mithilfe hochauflösender 3D-Modelle verglichen die Forschenden dessen Struktur mit der von heute lebenden Menschenaffen, modernen Menschen und anderen frühen Homininen. Dabei identifizierten sie mehrere Merkmale, die typisch für zweibeinige Fortbewegung sind. Dazu gehört eine ausgeprägte Ansatzstelle für das iliofemorale Band, das beim Menschen eine zentrale Rolle für stabiles, aufrechtes Stehen spielt. Auch die natürliche Drehung des Oberschenkelknochens deutet darauf hin, dass das Bein nach vorn ausgerichtet war – eine wichtige Voraussetzung für effizientes Gehen auf zwei Beinen.


Darüber hinaus lassen Rekonstruktionen der Muskelansätze im Hüft- und Oberschenkelbereich auf eine Belastung schließen, wie sie beim regelmäßigen aufrechten Gang entsteht. Die Proportionen der erhaltenen Knochen weichen zudem von denen heutiger Schimpansen ab und zeigen in einzelnen Punkten Ähnlichkeiten mit späteren frühen Menschenformen wie Australopithecus. Zusammengenommen sprechen diese Befunde dafür, dass Sahelanthropus zumindest zeitweise zweibeinig unterwegs war.


Bedeutung für das Verständnis der Menschwerdung


Der aufrechte Gang gilt als eines der zentralen Merkmale der menschlichen Evolution. Er veränderte die Körperstatik, machte die Hände frei und schuf langfristig Voraussetzungen für weitere Entwicklungen wie Werkzeuggebrauch und Gehirnvergrößerung. Nach bisher verbreiteten Modellen entwickelte sich ein stabiler, regelmäßiger Zweibeinlauf erst mehrere Millionen Jahre nach der Trennung der menschlichen Linie von der der Schimpansen.


Die neuen Ergebnisse stellen dieses Bild infrage. Wenn bereits ein so früher Vertreter wie Sahelanthropus tchadensis über anatomische Anpassungen an den aufrechten Gang verfügte, könnte Bipedalismus eines der ersten Merkmale gewesen sein, das die menschliche Entwicklungslinie kennzeichnete – möglicherweise sogar noch vor deutlichen Veränderungen an Zähnen oder Schädel.


Vorsichtige Einordnung und offene Fragen


Trotz der weitreichenden Implikationen mahnen Fachleute zur Zurückhaltung. Die untersuchten Fossilien sind unvollständig und teilweise beschädigt, insbesondere der Oberschenkelknochen ist nicht vollständig erhalten. Kritiker weisen darauf hin, dass einzelne anatomische Merkmale auch bei nicht zweibeinig gehenden Primaten auftreten können und daher nicht zwangsläufig regelmäßigen Bipedalismus belegen.


Zudem bleibt offen, wie häufig und in welchem Kontext sich Sahelanthropus tatsächlich auf zwei Beinen bewegte. Möglich ist, dass der aufrechte Gang nur gelegentlich genutzt wurde, etwa beim Zurücklegen kurzer Strecken, während Fortbewegung in Bäumen weiterhin eine große Rolle spielte. Ein solcher Mischmodus würde sich deutlich von dem späteren, dauerhaft zweibeinigen Gang der Gattung Homo unterscheiden.


Ein Fund mit großem Einfluss, aber ohne endgültige Antwort


Sahelanthropus tchadensis wurde Anfang der 2000er-Jahre in der Djurab-Wüste im heutigen Tschad entdeckt und zählt zu den ältesten bekannten Kandidaten für einen frühen Vertreter der menschlichen Linie. Seit seiner Entdeckung ist umstritten, ob er tatsächlich ein direkter Vorfahr des Menschen oder eher eine Seitenlinie der frühen Homininen war. Die neuen Analysen liefern nun zusätzliche, messbare Argumente für eine frühe Anpassung an den aufrechten Gang, beenden die Debatte jedoch nicht.


Klarheit könnten nur weitere Fossilfunde bringen, insbesondere vollständigere Bein- und Beckenknochen. Sie würden erlauben, die Fortbewegungsweise dieses frühen Hominiden präziser zu rekonstruieren. Bis dahin bleibt Sahelanthropus tchadensis ein Schlüsselfossil mit großem Interpretationsspielraum – und ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie fragmentarisch unser Wissen über die frühesten Kapitel der Menschheitsgeschichte noch immer ist.

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