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Superkilonova: Haben Astronomen erstmals eine doppelte Sternexplosion beobachtet?
26.12.25, 10:35
Astronomie, Kosmologie, Physik

Am 18. August 2025 registrierten die Gravitationswellen-Detektoren LIGO, Virgo und KAGRA ein schwaches, sogenanntes sub-threshold-Signal. Es deutete auf die mögliche Verschmelzung zweier kompakter Objekte hin, war statistisch aber nicht stark genug, um als gesicherte Gravitationswellen-Entdeckung zu gelten. Kurz darauf fanden Forschende der Zwicky Transient Facility in derselben Himmelsregion eine auffällige neue Lichtquelle: ZTF25abjmnps, auch AT2025ulz genannt.
In den ersten Tagen zeigte das Objekt genau jene Eigenschaften, die Astronominnen und Astronomen von einer Kilonova erwarten – einem kurzen, intensiven Aufleuchten, das entsteht, wenn zwei Neutronensterne kollidieren. Doch dann nahm das Ereignis eine unerwartete Wendung.
Ein Signal, das nicht ins Schema passt
Statt wie eine typische Kilonova rasch zu verblassen, entwickelte AT2025ulz später Merkmale, die eher zu einer Supernova passen. In den Spektren tauchten Hinweise auf Wasserstoff auf – ein Element, das bei klassischen Kilonovae normalerweise keine Rolle spielt. Diese ungewöhnliche Kombination brachte ein internationales Forschungsteam zu einer provokanten Hypothese: AT2025ulz könnte der erste beobachtete Kandidat einer sogenannten „Superkilonova“ sein.
Der Begriff beschreibt ein bislang theoretisches Zwei-Stufen-Szenario. Zunächst explodiert ein massereicher Stern als Supernova. In seinem kollabierenden Kern könnten dabei zwei extrem dicht beieinanderliegende Neutronensterne entstehen. Verschmelzen diese kurz darauf, folgt eine zweite Explosion – eine Kilonova –, die sich zeitlich und räumlich mit dem Supernova-Auswurf überlagert.
Zwei Explosionen in einem Ereignis?
Eine solche Abfolge hätte deutliche Folgen für das beobachtete Lichtsignal. Je nach Geometrie und Menge des ausgestoßenen Materials könnten sich kilonova-typische und supernova-typische Merkmale mischen. Genau das scheint bei AT2025ulz der Fall zu sein: ein früher, schneller Helligkeitsverlauf wie bei einer Kilonova, gefolgt von einer Entwicklung, die eher an eine junge Supernova erinnert.
Besonders auffällig ist dabei der mögliche Zusammenhang mit dem schwachen Gravitationswellen-Hinweis. Sollte dieses Signal tatsächlich astrophysikalischen Ursprungs gewesen sein, deutet es auf eine ungewöhnlich geringe Masse der beteiligten Objekte hin. Das wäre für Neutronensterne überraschend und würde neue Entstehungsszenarien nahelegen, etwa Fragmentationsprozesse im kollabierenden Sternkern.
Skepsis bleibt angebracht
Die Forschenden betonen jedoch ausdrücklich, dass alternative Erklärungen möglich sind. Denkbar ist etwa, dass es sich um eine ungewöhnliche Supernova handelt, die in einer sehr frühen Phase eine sogenannte Shock-Cooling-Signatur zeigt. Dabei leuchtet das frisch ausgeworfene Material kurzzeitig besonders hell auf, bevor es abkühlt – ein Effekt, der eine Kilonova imitieren kann.
Auch eine zufällige zeitliche und räumliche Nähe zwischen einem echten Gravitationswellen-Ereignis und einer unabhängigen Supernova lässt sich bislang nicht ausschließen. Genau deshalb gilt AT2025ulz nicht als Beweis, sondern als spannender Grenzfall.
Warum eine bestätigte Superkilonova so wichtig wäre
Sollte sich das Konzept der Superkilonova bestätigen, hätte das weitreichende Konsequenzen:
Es gäbe eine neue Klasse kosmischer Explosionen, die Licht- und Gravitationswellensignale nahezu gleichzeitig erzeugt.
Modelle zur Massenverteilung von Neutronensternen müssten überdacht werden.
Auch die Frage nach der Entstehung schwerer Elemente wie Gold oder Platin könnte neu bewertet werden, da Kilonovae als wichtige Produktionsstätten gelten.
Der nächste Schritt
Ein einzelnes Objekt reicht nicht aus, um eine neue astrophysikalische Kategorie zu etablieren. Entscheidend werden weitere Beobachtungen sein – idealerweise Ereignisse mit klaren Gravitationswellensignalen und dichter zeitlicher Abdeckung über viele Wellenlängen. Künftige Himmelsdurchmusterungen könnten solche seltenen Transienten häufiger aufspüren.
Bis dahin bleibt AT2025ulz ein faszinierendes Beispiel dafür, wie wenig wir über die extremsten Explosionen im Universum noch wissen – und wie nahe Theorie und Beobachtung manchmal beieinanderliegen.
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