Wissenschaftliche Meldungen
U-Boot verschwindet unter antarktischem Eis – rätselhafte Strukturen entdeckt
26.12.25, 14:18
Klima & Umwelt

Ein internationales Forschungsteam hat unter dem Dotson-Eisschelf bislang unbekannte Strukturen entdeckt – mithilfe eines autonomen Unterseeboots namens Ran. Kurz nach Abschluss eines besonders tiefen Erkundungstauchgangs brach jedoch der Kontakt zu dem Fahrzeug ab. Der Verlust ist wissenschaftlich wie logistisch ein Rückschlag, die zuvor gesammelten Daten gelten jedoch als hochbrisant für das Verständnis der antarktischen Eisdynamik.
Unerwartete Formationen unter dem Eis
Ran war darauf ausgelegt, mehrere hundert Meter unter dem Eisschelf zu navigieren und mit Sonar sowie hochauflösenden Sensoren die Unterseite des Eises zu kartieren. In den letzten übertragenen Datensätzen identifizierten die Forschenden ungewöhnlich geformte Rinnen, Terrassen und kanalförmige Strukturen. Solche Formationen deuten darauf hin, dass warmes Ozeanwasser das Eis von unten angreift – nicht gleichmäßig, sondern stark lokalisiert.
Diese Muster passen zu neueren Hypothesen, wonach der Eisverlust in der Westantarktis weniger durch flächiges Abschmelzen, sondern durch gezielte Unterspülung an Schwachstellen vorangetrieben wird. Genau diese Prozesse sind bisher nur unzureichend beobachtet, da sie sich der direkten Messung weitgehend entziehen.
Warum der Dotson-Eisschelf besonders wichtig ist
Der Dotson-Eisschelf wirkt wie ein Bremsklotz für das dahinterliegende Inlandeis der Westantarktis. Wird ein solcher Schelf von unten ausgedünnt oder destabilisiert, können die angeschlossenen Gletscher schneller ins Meer fließen. Das wiederum hat unmittelbare Folgen für den globalen Meeresspiegelanstieg.
Die nun entdeckten Strukturen liefern Hinweise darauf, wie Meerwasserströmungen unter dem Eis gelenkt werden – und warum manche Bereiche besonders anfällig für rasches Abschmelzen sind. Klimamodelle könnten dadurch präziser werden, insbesondere bei regionalen Prognosen für die Antarktis.
Das verschwundene U-Boot
Der Kontaktabbruch zu Ran ereignete sich nach Angaben des Teams während eines routinemäßigen Rückkehrmanövers. Ob technische Probleme, Kollisionen mit Eisstrukturen oder Navigationsfehler die Ursache waren, ist unklar. Eine Bergung gilt aufgrund der extremen Bedingungen unter dem Eisschelf als nahezu ausgeschlossen.
Für die Forschenden ist der Verlust dennoch kein vollständiger Fehlschlag: Ein Großteil der Messdaten war bereits übertragen worden. Diese Daten werden nun detailliert ausgewertet und mit Satellitenbeobachtungen sowie ozeanografischen Modellen abgeglichen.
Bedeutung für die Klimaforschung
Der Fall zeigt exemplarisch, wie schwierig, aber auch wie entscheidend direkte Messungen in der Antarktis sind. Satelliten können Veränderungen an der Eisoberfläche erfassen, die Prozesse darunter bleiben jedoch meist verborgen. Autonome Unterwasserfahrzeuge wie Ran schließen diese Lücke – auch wenn ihr Einsatz mit hohen Risiken verbunden ist.
Sollten sich die Hinweise auf stark kanalisiertes Abschmelzen bestätigen, hätte das Konsequenzen für die Einschätzung der Stabilität großer Teile des westantarktischen Eisschilds. In der Klimaforschung gilt die Region als einer der größten Unsicherheitsfaktoren für zukünftige Meeresspiegelprognosen.
Ausblick
Die aktuellen Ergebnisse werden als Grundlage für neue Expeditionen dienen – mit robusterer Technik und verbesserter Navigation. Langfristig hoffen die Forschenden, ein Netzwerk autonomer Systeme einsetzen zu können, um die verborgene Schnittstelle zwischen Ozean und Eis kontinuierlich zu überwachen.
Der Verlust von Ran unterstreicht dabei eine zentrale Erkenntnis: Die Antarktis gibt ihre Geheimnisse nur widerwillig preis – doch jedes neue Datensignal kann entscheidend sein, um die Dynamik des Erdsystems besser zu verstehen.
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