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Studie zeigt: Ungleiche Nähewünsche können Partnerschaften unter Druck setzen
28.12.25, 15:01
Psychologie

Neue psychologische Studie zeigt Zusammenhang zwischen Berührungswünschen, Zufriedenheit und emotionalem Stress
Eine aktuelle Studie aus der Beziehungspsychologie zeigt, dass unterschiedliche Bedürfnisse nach körperlicher Nähe in romantischen Partnerschaften spürbare Auswirkungen auf Wohlbefinden und Beziehungszufriedenheit haben können. Besonders problematisch wird es, wenn sich Partnerinnen und Partner dauerhaft darin unterscheiden, wie viel körperliche Zuwendung sie sich wünschen – etwa Umarmungen, Händchenhalten oder andere Formen nicht-sexueller Berührung.
Die Untersuchung wurde von einem Forschungsteam aus den USA durchgeführt und kürzlich bei PsyPost zusammengefasst. Grundlage sind Befragungsdaten von Erwachsenen in festen Partnerschaften, die sowohl ihre eigenen Bedürfnisse als auch ihre wahrgenommene Situation in der Beziehung bewerteten.
Nähe als psychologisches Grundbedürfnis
Körperliche Berührung erfüllt in engen Beziehungen mehrere Funktionen. Sie stärkt das Gefühl emotionaler Verbundenheit, kann Stress reduzieren und wirkt sich positiv auf Vertrauen und Bindung aus. Die Studie zeigt nun, dass nicht allein die Häufigkeit von Berührungen entscheidend ist, sondern vor allem, ob beide Partner ähnliche Erwartungen und Wünsche haben.
Personen, deren Bedürfnis nach körperlicher Nähe deutlich höher oder niedriger war als das ihres Partners, berichteten häufiger von Frustration, emotionaler Distanz und geringerer Beziehungszufriedenheit. Besonders stark betroffen waren diejenigen, die sich weniger Nähe erhielten, als sie sich wünschten. Bei ihnen traten häufiger negative Emotionen wie Zurückweisung oder Einsamkeit auf.
Asymmetrie wirkt stärker als absolute Nähe
Ein zentrales Ergebnis der Studie: Selbst Paare mit insgesamt wenig körperlicher Zuwendung können zufrieden sein, wenn beide ähnliche Vorstellungen davon haben. Umgekehrt können auch körperlich sehr nahe Paare unter Spannungen leiden, wenn ein Partner deutlich mehr Nähe einfordert als der andere bereit ist zu geben.
Die Forschenden sprechen hier von einer Diskrepanz im Nähebedürfnis, die unabhängig vom tatsächlichen Verhalten wirkt. Entscheidend sei also weniger, wie oft Paare sich berühren, sondern ob beide das Gefühl haben, dass ihre Bedürfnisse ernst genommen und erfüllt werden.
Kommunikation als möglicher Schutzfaktor
Die Autorinnen und Autoren der Studie betonen, dass unterschiedliche Nähebedürfnisse nicht zwangsläufig das Ende einer Beziehung bedeuten. Vielmehr komme es darauf an, ob Paare offen über ihre Erwartungen sprechen und gemeinsam Wege finden, mit diesen Unterschieden umzugehen. Frühzeitige Kommunikation könne helfen, Fehlinterpretationen zu vermeiden – etwa die Annahme, geringere körperliche Nähe bedeute automatisch geringere Zuneigung.
Gleichzeitig weisen die Forschenden darauf hin, dass ihre Ergebnisse auf Selbstauskünften beruhen. Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge lassen sich daraus nur eingeschränkt ableiten. Langzeitstudien könnten künftig klären, ob Nähe-Diskrepanzen langfristig Beziehungen destabilisieren oder ob sich Paare im Laufe der Zeit aneinander anpassen.
Einordnung
Die Studie fügt sich in eine wachsende Zahl psychologischer Arbeiten ein, die zeigen, wie stark alltägliche, oft beiläufige Verhaltensweisen das emotionale Klima in Partnerschaften prägen. Körperliche Nähe ist demnach kein bloßes „Extra“, sondern ein zentraler Bestandteil emotionaler Kommunikation – allerdings nur dann, wenn beide Partner ähnliche Signale senden und empfangen wollen.
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