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Wissenschaftliche Meldungen

Wenn Roboter zurückzucken wie Menschen: Elektronische Haut erkennt Schmerz und Verletzungen in Echtzeit

1.1.26, 13:02

Technologie, Künstliche Intelligenz

„Geteiltes Titelbild: Links ein humanoider Roboter mit erschrockenem Gesichtsausdruck, der zu spät von einer heißen, funken­sprühenden Oberfläche zurückzieht, mit Warnhinweisen ‚Zu spät‘ und ‚Langsam & gefährlich‘. Rechts eine moderne Roboterhand mit leuchtenden, blauen Energieeffekten, die blitzschnell zurückweicht, beschriftet mit ‚Blitzschnell reagieren‘ und ‚Reaktion wie ein Instinkt‘. Darüber die große Überschrift: ‚Warum sind Roboter so langsam?‘“

Warum Roboter heute noch zu langsam reagieren


Wenn Menschen etwas Gefährliches berühren, etwa eine heiße Oberfläche, reagiert der Körper oft schneller, als wir bewusst nachdenken können. Sensorische Nerven leiten Signale in Rückenmark-Schaltkreise, die reflexartig eine Schutzbewegung auslösen. Bei humanoiden Robotern läuft das bislang meist anders: Tastsensoren liefern Daten an eine zentrale Recheneinheit, dort wird die Situation bewertet, anschließend erhalten Motoren einen Bewegungsbefehl. Selbst kurze Verzögerungen können reichen, damit empfindliche Bauteile beschädigt werden, etwa wenn ein Roboter mit scharfen Kanten, Hitze oder Quetschkräften in Kontakt kommt. Vor allem dort, wo Roboter nicht nur in abgeschirmten Fabriken, sondern in Wohnungen, Kliniken oder im direkten Umgang mit Menschen arbeiten sollen, wird eine schnellere, „instinktivere“ Reaktion zum Sicherheitsfaktor.


Eine Haut, die wie ein Nervensystem arbeitet


Ein Forschungsteam in China hat nun eine neuromorphe elektronische Haut vorgestellt, die sich am Aufbau biologischer Nervensysteme orientiert. Der Ansatz: Nicht jede Berührung soll erst durch die zentrale Recheneinheit „gedacht“ werden müssen. Stattdessen übernimmt die Haut einen Teil der Verarbeitung selbst. Das System ist mehrschichtig aufgebaut, mit einer schützenden Deckschicht und darunterliegenden Sensor- und Schaltkreiselementen, die die Rolle von Nervenbahnen nachbilden sollen. Damit rückt die Rechenlogik näher an den Ort des Geschehens – dorthin, wo die Berührung tatsächlich stattfindet.


Normaler Kontakt, Schmerzsignal und Reflex: drei Stufen der Reaktion


Die Haut unterscheidet zwischen gewöhnlichem Tastsinn und potenziell schädlichem Kontakt. Bei normalen Berührungen erzeugt sie Signale, die zur zentralen Steuerung gehen und dem Roboter helfen, Druck und Kontakt zu interpretieren. Kritisch wird es, wenn die einwirkende Kraft eine festgelegte Schwelle überschreitet. Dann sendet die Haut laut Bericht ein starkes Signal direkt an die Motoren – an der zentralen Recheneinheit vorbei. So soll ein Rückzugsreflex ausgelöst werden, der schneller greift, als wenn erst ein komplettes Auswerteprogramm laufen müsste. Entscheidend ist dabei: „Schmerz“ bedeutet hier nicht Empfinden im menschlichen Sinn, sondern eine technische Schutzfunktion, die gefährliche Belastungen erkennt und eine sofortige Ausweichbewegung anstößt.


Verletzungen erkennen – auch ohne Berührung


Neben dem Reflexprinzip zielt das Konzept auch auf Schadensdiagnose. Die Haut verschickt in regelmäßigen Abständen Testimpulse als eine Art Funktionscheck. Bleibt dieses Signal aus, kann das System daraus schließen, dass ein Bereich beschädigt wurde, und die Stelle lokalisieren. Das wäre in der Praxis hilfreich, weil Roboterskins oft großen Flächen ausgesetzt sind und kleine Risse oder Schnitte sonst unbemerkt bleiben könnten, bis Folgeschäden auftreten.


Reparieren wie ein Bausteinsystem


Ein weiterer Schwerpunkt ist Wartungsfreundlichkeit. Die elektronische Haut ist modular gedacht: Beschädigte Abschnitte sollen sich schnell abnehmen und ersetzen lassen. Im Bericht wird eine Konstruktion beschrieben, bei der magnetische, patchartige Elemente genutzt werden, sodass defekte Teile ohne aufwendige Demontage ausgetauscht werden können. Das adressiert ein bekanntes Problem robuster Robotersensorik: Je dichter und großflächiger eine Roboterhaut wird, desto wichtiger werden Reparatur und Austausch im Alltag.


Was noch offen ist


So vielversprechend das Prinzip klingt, bleiben Fragen. Eine zentrale Herausforderung wird sein, die Empfindlichkeit und Auflösung so zu steigern, dass mehrere gleichzeitige Kontakte sauber getrennt werden können, ohne Fehlalarme auszulösen. Außerdem ist für den praktischen Einsatz entscheidend, wie zuverlässig die Schwellenwerte für „Schmerz“ kalibriert werden können, wenn Roboter in sehr unterschiedlichen Umgebungen arbeiten – von weichen Materialien in der Pflege bis zu harten Kanten im industriellen Umfeld. Auch Langzeitstabilität, Robustheit gegen Feuchtigkeit, Abrieb und Temperaturschwankungen sowie die Kosten werden mitentscheiden, ob sich das System durchsetzt.

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