Wissenschaftliche Meldungen
Wie das perfekte Steak entsteht: Wissenschaft entschlüsselt die DNA hinter der legendären Marmorierung von Wagyu-Rindern
12.1.26, 10:42
Biologie, Zoologie, Ernährung

Was macht Wagyu-Fleisch so besonders?
Die dichte Fettmarmorierung von Wagyu-Rindfleisch – oft als „Butter im Mund“ beschrieben – gilt als eines der begehrtesten Qualitätsmerkmale in der internationalen Fleischwirtschaft. Sie beeinflusst Geschmack, Zartheit und Marktwert erheblich und ist stark genetisch geprägt. Trotz intensiver Forschung war jedoch lange unklar, welche genetischen Faktoren diese außergewöhnliche Fettverteilung tatsächlich steuern. Eine neue genomische Studie liefert nun einen deutlich umfassenderen Einblick in das Erbgut dieser Tiere.
Ein vollständigeres Rindergenom als Schlüssel zur Marmorierung
Ein internationales Forschungsteam hat erstmals einen besonders vollständigen Genomdatensatz eines Wagyu-Rinds erstellt. Dieses neue Referenzgenom ist rund 16 Prozent umfangreicher als bisherige Vergleichssequenzen. Der Zuwachs ist kein bloßer technischer Detailfortschritt, sondern eröffnet den Blick auf zahlreiche genetische Abschnitte, die bislang nicht erfasst waren – darunter Gene und genetische Varianten, die für ökonomisch relevante Eigenschaften eine Rolle spielen könnten.
Durch die verbesserte Sequenzierung lassen sich Unterschiede zwischen einzelnen Tieren und Rassen wesentlich präziser analysieren. Besonders im Fokus stehen dabei sogenannte strukturelle Varianten, also größere Veränderungen im Aufbau der Chromosomen. Solche Varianten waren in früheren Referenzgenomen oft nicht sichtbar, da diese genetisch fragmentiert oder unvollständig rekonstruiert waren.
Neue Einsichten in Fettverteilung und Fleischqualität
Die Forschenden zeigen, dass gerade diese strukturellen Varianten eine wichtige Rolle bei der Ausbildung der intramuskulären Fettmarmorierung spielen könnten. Statt einzelner Gene rücken nun komplexe genetische Regionen in den Vordergrund, die mehrere Funktionen zugleich beeinflussen – etwa Fettstoffwechsel, Muskelentwicklung und Zellwachstum. Damit verschiebt sich das Verständnis von Fleischqualität weg von einfachen Ursache-Wirkungs-Modellen hin zu einem vielschichtigen genetischen Zusammenspiel.
Bedeutung für Zucht und Landwirtschaft
Die neuen genomischen Daten sind nicht nur für die Wagyu-Zucht relevant. Auch für andere Rinderrassen bietet das erweiterte Referenzgenom eine wichtige Grundlage. Züchterinnen und Züchter könnten künftig gezielter Tiere auswählen, die bestimmte gewünschte Eigenschaften aufweisen – sei es Fleischqualität, Fruchtbarkeit oder Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten. Langfristig könnte dies zu effizienteren und planbareren Zuchtstrategien führen.
Gleichzeitig betonen die Autorinnen und Autoren, dass genetisches Wissen allein keine Garantie für Qualität ist. Umweltfaktoren wie Fütterung, Haltung und Tierwohl bleiben entscheidende Einflussgrößen, die sich nicht aus dem Erbgut allein ableiten lassen.
Ausblick – Vom Referenzgenom zum Pangenom
Trotz der Fortschritte ist das Projekt noch nicht abgeschlossen. Zwar konnten bereits mehrere Chromosomen vollständig rekonstruiert werden, doch weitere sollen folgen. Ziel ist der Aufbau eines sogenannten Pangenoms, das die genetische Vielfalt ganzer Rinderpopulationen abbildet, anstatt nur eine einzelne Referenzsequenz zu nutzen. Ein solches Modell könnte genetische Unterschiede zwischen Rassen und Zuchtlinien deutlich besser erfassen und neue Forschungsfragen ermöglichen.
Einordnung
Die Studie zeigt exemplarisch, wie moderne Genomforschung klassische Landwirtschaft verändert. Sie verbindet Grundlagenforschung mit konkreten Anwendungen und macht deutlich, dass Eigenschaften wie Fleischqualität das Ergebnis komplexer biologischer Systeme sind. Gleichzeitig wirft sie Fragen nach verantwortungsvoller Nutzung genetischer Informationen auf – ein Thema, das angesichts wachsender technologischer Möglichkeiten weiter an Bedeutung gewinnen dürfte.
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