Wissenschaftliche Meldungen
D11 bei Jaroměř–Trutnov: Sensationsfund von Kriegsgräbern legt zwei europäische Konflikte frei
27.12.25, 17:27
Archäologie, Geschichte

Ein Fund unter Asphaltplänen
Wo künftig Fahrzeuge über die Autobahn D11 rollen sollen, ist zunächst Geschichte freigelegt worden. Entlang der geplanten Trasse zwischen Jaroměř und Trutnov haben Archäologinnen und Archäologen mehrere militärische Massengräber entdeckt. Die Bestattungen stammen aus zwei verschiedenen Kriegen, die zeitlich mehr als ein Jahrhundert auseinanderliegen, aber in derselben Region ausgetragen wurden. Die Funde wurden im Zuge einer archäologischen Rettungsgrabung gemacht, die vor Beginn der Bauarbeiten vorgeschrieben ist.
Zwei Kriege, ein Schauplatz
Nach Angaben der beteiligten Fachstellen lassen sich die Gräber zwei Konflikten zuordnen. Ein Massengrab geht auf das Jahr 1745 zurück und steht im Zusammenhang mit der Schlacht bei Žďár während des Zweiten Schlesischen Kriegs. Drei weitere Gräber datieren in das Jahr 1866 und werden den Kämpfen bei Nový Rokytník im Austro-Preußischen Krieg zugeschrieben. Damit vereint der Fundort Spuren zweier europäischer Kriege, die jeweils für unterschiedliche Phasen der Militär- und Technikgeschichte stehen.
Tote Soldaten und Spuren von Gewalt
Im älteren Grab aus dem 18. Jahrhundert wurden die Überreste von zwölf Menschen dokumentiert. In den drei Gräbern von 1866 fanden die Archäologen mehr als vierzig Skelette. Anthropologische Untersuchungen zeigen bei mehreren Individuen deutliche Hinweise auf schwere Gewalteinwirkung, darunter Schussverletzungen. Solche Befunde erlauben vorsichtige Rückschlüsse auf die Umstände des Todes, machen aber zugleich deutlich, wie brutal und chaotisch die Kämpfe in dieser Region gewesen sein müssen.
Persönliche Gegenstände aus dem Krieg
Besonders bemerkenswert ist der Erhaltungszustand einiger Beigaben. Neben Knochenresten kamen Textilfragmente von Uniformen, Münzen, Ringe und sogar eine Taschenuhr zum Vorschein. Auch einzelne wertvolle Münzen wurden erwähnt. Diese Objekte sind für die Forschung von großer Bedeutung, weil sie nicht nur zur Datierung beitragen, sondern auch Einblicke in den Alltag der Soldaten geben. Sie zeigen, dass viele der Toten mit persönlichen Gegenständen bestattet wurden oder diese zumindest bei sich trugen, als sie fielen.
Warum der Fund außergewöhnlich ist
Militärische Massengräber aus dem 18. Jahrhundert sind in Mitteleuropa selten eindeutig nachweisbar. Oft wurden Gefallene verstreut bestattet, später umgebettet oder ihre Grablagen gingen durch landwirtschaftliche Nutzung verloren. Dass hier ein Grab aus dem Jahr 1745 zusammen mit mehreren Gräbern aus dem 19. Jahrhundert in einem klaren archäologischen Kontext erhalten blieb, gilt unter Fachleuten als außergewöhnlich. Der Fund erlaubt es, unterschiedliche Kriegsereignisse in einer Landschaft direkt miteinander zu vergleichen.
Nächste Schritte der Forschung
Die geborgenen Überreste und Fundstücke werden nun weiter wissenschaftlich untersucht. Dazu gehören detaillierte anthropologische Analysen, konservatorische Arbeiten an Textilien und Metallen sowie eine historische Einordnung der Funde. Langfristig ist eine würdige Wiederbestattung der sterblichen Überreste vorgesehen. Ausgewählte Objekte könnten später in regionalen Museen gezeigt werden, um die Geschichte der Kämpfe und ihrer Opfer einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Einordnung der Berichterstattung
International verbreitete Medienberichte haben den Fund teilweise sehr zugespitzt dargestellt. Für die sachliche Bewertung sind jedoch vor allem die Angaben der beteiligten Archäologinnen und Archäologen maßgeblich. Details wie exakte Opferzahlen, die eindeutige Zuordnung einzelner Soldaten zu Armeen oder der symbolische Wert einzelner Fundstücke werden erst durch die laufenden wissenschaftlichen Auswertungen gesichert geklärt werden können.
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