Wissenschaftliche Meldungen
Leuchtende Reviere: Neue Studie entdeckt visuelle Signale bei Hirschen
26.12.25, 21:30
Biologie, Ökologie

Neue Studie entdeckt bislang unbekannten Sinneskanal bei Wildtieren
Hirsche hinterlassen im Wald nicht nur Duftspuren, sondern offenbar auch sichtbare Signale, die selbst bei schwachem Licht wahrnehmbar sind. Eine neue Studie, veröffentlicht über Phys.org und basierend auf biologischer Feldforschung in Nordamerika, zeigt: Urin- und Rindenmarkierungen von Weißwedelhirschen reflektieren ultraviolettes Licht so stark, dass sie für Artgenossen regelrecht „aufleuchten“. Damit erweitert sich das bisherige Verständnis der Tierkommunikation um eine visuelle Dimension, die bislang übersehen wurde.
Fluoreszierender Urin statt bloßer Duftmarke
Markierungen mit Urin gelten bei vielen Säugetieren als klassische chemische Signale. Sie transportieren Informationen über Reviergrenzen, Fortpflanzungsstatus oder individuelle Identität. Das Forschungsteam um Verhaltensbiologen der University of Georgia stellte nun fest, dass Hirschurin zusätzlich fluoreszierende Eigenschaften besitzt. Unter UV-Licht reflektieren bestimmte Abbauprodukte – darunter porphyrinähnliche Moleküle – besonders stark.
Für Menschen ist dieser Effekt unsichtbar. Hirsche jedoch verfügen über einen Sehapparat, der kurzwellige Lichtanteile besser wahrnimmt als das menschliche Auge. Gerade in der Dämmerung oder bei Mondlicht könnten diese Markierungen daher deutlich erkennbar sein – als helle Kontraste auf dunklem Waldboden.
Auch Baumrinde wird zum Signalträger
Nicht nur Urin, auch sogenannte „Rubbing Trees“ spielen eine Rolle. Dabei reiben männliche Hirsche während der Brunft ihr Geweih an Baumstämmen, um Rinde zu entfernen. Die freigelegte, verletzte Rinde reflektiert ebenfalls UV-Licht stärker als die Umgebung. Laut den Forschenden entsteht so eine kombinierte Duft- und Lichtmarke, die länger sichtbar bleibt als ein rein chemisches Signal.
Diese visuelle Komponente könnte besonders in dicht bewaldeten Habitaten wichtig sein, wo Sichtlinien kurz sind und Gerüche durch Wind oder Regen schnell verfälscht werden.
Evolutionärer Vorteil durch Mehrkanal-Kommunikation
Die Studie ordnet die Entdeckung in einen größeren biologischen Kontext ein. In der Evolutionsbiologie gilt es als Vorteil, wenn Signale über mehrere Sinneskanäle übertragen werden. Fällt ein Kanal aus – etwa durch Witterungseinflüsse – bleibt ein anderer wirksam. Für Hirsche bedeutet das: Selbst wenn Duftstoffe verblassen, bleibt die visuelle Spur bestehen.
Ähnliche Mechanismen sind bislang vor allem aus der Insektenwelt bekannt, etwa bei Schmetterlingen oder Käfern mit UV-reflektierenden Flügelmustern. Dass große Säugetiere diese Strategie ebenfalls nutzen, gilt als überraschend.
Noch offene Fragen und vorsichtige Einordnung
Die Forschenden betonen, dass es sich um eine Beobachtungs- und Laborstudie handelt. Ob Hirsche diese leuchtenden Markierungen aktiv „lesen“ oder ob der Effekt ein evolutionärer Nebeneffekt ist, bleibt offen. Gezielte Verhaltensversuche im Freiland stehen noch aus.
Zudem ist unklar, wie weit verbreitet dieses Phänomen bei anderen Huftieren ist. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass auch Elche und Rehe ähnliche Effekte zeigen könnten, belastbare Daten fehlen jedoch.
Bedeutung für Ökologie und Wildmanagement
Sollte sich die visuelle Nutzung von Markierungen bestätigen, hätte dies auch praktische Konsequenzen. Wildkameras, Forstbeleuchtung oder künstliche UV-Quellen könnten das Verhalten von Tieren unbeabsichtigt beeinflussen. Für das Wildmanagement und den Naturschutz eröffnet die Studie damit einen neuen Blick auf bislang unterschätzte Umweltfaktoren.
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