Wissenschaftliche Meldungen
Warum manche Menschen gleiche Fehler wiederholen
26.12.25, 20:22
Psychologie, Medizin

Wenn der Alltag „mitentscheidet“
Ein Neon-Schild, ein bestimmtes Geräusch, der Anblick eines vertrauten Ortes: Solche scheinbar nebensächlichen Eindrücke können unser Verhalten stärker beeinflussen, als wir bewusst wahrnehmen. Eine neue psychologische Studie zeigt, dass sich Menschen deutlich darin unterscheiden, wie stark visuelle und akustische Umweltreize ihre Entscheidungen lenken. Bei einem Teil der Teilnehmenden wurden diese Reize zu besonders dominanten Orientierungspunkten – mit der Folge, dass Entscheidungen zunehmend automatisch und weniger flexibel ausfallen.
Assoziatives Lernen: Nützlich – bis es kippt
Grundlage dieses Effekts ist ein gut erforschtes Prinzip des Lernens. Das Gehirn verknüpft wiederkehrende Signale aus der Umgebung mit späteren Konsequenzen. Was oft mit einer Belohnung einhergeht, wird attraktiver; was regelmäßig negative Folgen hat, wird gemieden. Dieses sogenannte assoziative Lernen spart kognitive Ressourcen und ist im Alltag meist sinnvoll.
Die aktuelle Studie macht jedoch deutlich, dass dieser Mechanismus problematisch werden kann. Bei manchen Menschen gewinnen bestimmte Hinweisreize eine übermäßige Bedeutung. Sie ziehen Entscheidungen an sich oder stoßen sie ab – selbst dann, wenn die tatsächlichen Konsequenzen längst nicht mehr zu den gelernten Erwartungen passen.
Warum manche Gehirne schlechter „umlernen“
Entscheidend ist nach Einschätzung der Forschenden weniger die Existenz dieser Reiz-Verknüpfungen als vielmehr die Fähigkeit, sie zu aktualisieren. Wenn ein vertrauter Hinweis plötzlich nicht mehr zu positiven Ergebnissen führt, müsste das Gehirn seine Erwartungen anpassen. Genau hier zeigte sich bei stark reizgesteuerten Personen eine Schwäche: Alte Bedeutungen wurden langsamer oder unvollständig überschrieben.
Das Ergebnis ist ein stabiles Fehlermuster. Betroffene treffen immer wieder Entscheidungen, die objektiv ungünstig sind, obwohl sie die negativen Folgen erleben. Das Verhalten wirkt dann irrational, folgt aber einer inneren Logik, die auf veralteten Lernsignalen beruht.
Einordnung: Relevanz für Sucht, Zwang und Angst – mit klaren Grenzen
Die Autorinnen und Autoren ordnen ihre Ergebnisse in einen größeren klinischen Zusammenhang ein. Bei Suchterkrankungen, Zwangsstörungen oder Angststörungen spielen gelernte Hinweisreize eine zentrale Rolle. Sie können Verlangen auslösen, Vermeidung verstärken oder Rückfälle begünstigen. Die Studie liefert einen möglichen Mechanismus, wie sich solche Muster festigen: durch eine Kombination aus hoher Sensibilität für Reize und eingeschränkter Anpassungsfähigkeit des Lernsystems.
Gleichzeitig betonen die Forschenden die Grenzen ihrer Arbeit. Die Ergebnisse stammen aus kontrollierten Experimenten und erlauben noch keine direkten Rückschlüsse auf Diagnose oder Therapie. Ob und in welchem Ausmaß sich die Effekte in klinischen Gruppen zeigen, müssen weitere Studien klären.
Was sich daraus ableiten lässt
Die Untersuchung unterstreicht, dass wiederholte Fehlentscheidungen nicht zwangsläufig Ausdruck mangelnder Einsicht oder Willenskraft sind. Sie können aus Lernmechanismen entstehen, die grundsätzlich sinnvoll sind, unter bestimmten Bedingungen aber in eine Sackgasse führen. Wer besonders stark auf Signale aus der Umgebung reagiert, könnte anfälliger dafür sein, an überholten Entscheidungsmustern festzuhalten – selbst dann, wenn die Realität längst andere Konsequenzen zeigt.
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