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Antibiotikaresistenz ist älter als der Mensch – Neue Studie zeigt uralten Ursprung
27.12.25, 07:47
Medizin, Biologie

Antibiotische Resistenz – ein uraltes, globales Problem der Mikroben
Neue Forschungsergebnisse zeigen deutlich: Antibiotische Resistenz ist kein Produkt der modernen Medizin, sondern ein grundlegendes, sehr altes Merkmal mikrobiellen Lebens. Genetische Analysen aus unterschiedlichsten Umweltproben belegen, dass Resistenzgene bereits lange vor dem gezielten Einsatz von Antibiotika durch den Menschen existierten. Damit rückt ein zentrales Missverständnis in den Fokus: Antibiotikaresistenz ist nicht erst durch Krankenhäuser oder Massentierhaltung entstanden, sondern tief in der Evolution von Mikroorganismen verankert.
Was die Studie zeigt
Die untersuchte Forschungsarbeit wertete umfangreiche Genomdaten von Bakterien aus natürlichen, teils extrem abgelegenen Lebensräumen aus. Dazu zählen Böden, Sedimente und alte Umweltproben, die über lange Zeiträume kaum oder gar nicht vom Menschen beeinflusst wurden. In diesen Proben fanden die Wissenschaftler zahlreiche Gene, die heute als klassische Antibiotikaresistenzgene bekannt sind.
Bemerkenswert ist dabei, dass diese Gene nicht isoliert auftreten, sondern in funktionale Stoffwechselprozesse eingebettet sind. Sie erfüllen also nicht ausschließlich die Aufgabe, Antibiotika abzuwehren, sondern spielen häufig auch eine Rolle bei allgemeinen Anpassungs- und Überlebensstrategien der Bakterien.
Warum das wissenschaftlich relevant ist
Die Ergebnisse stützen das Konzept des sogenannten Resistoms – der Gesamtheit aller Resistenzgene in der Umwelt. Dieses Resistom ist allgegenwärtig und bildet ein genetisches Reservoir, aus dem sich Krankheitserreger bedienen können. Schon frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass selbst in jahrtausendealten Permafrostproben Resistenzmechanismen existieren, die funktional heutigen Varianten ähneln.
Solche Gene wirken unter anderem durch den Abbau antibiotischer Substanzen, durch das aktive Herauspumpen von Wirkstoffen aus der Zelle oder durch Veränderungen an molekularen Angriffspunkten, an denen Antibiotika normalerweise ansetzen.
Evolutionärer Ursprung der Resistenz
Antibiotika sind ursprünglich natürliche Stoffe, die von Mikroorganismen produziert werden, um sich im Konkurrenzkampf gegen andere Keime durchzusetzen. Diese chemischen Waffen existieren seit Hunderten Millionen Jahren. Gleichzeitig entwickelten andere Mikroorganismen Schutzmechanismen, um diesen Substanzen zu widerstehen.
Dieser evolutionäre Wettlauf führte zu einer enormen Vielfalt an Resistenzgenen, lange bevor der Mensch begann, Antibiotika gezielt als Medikamente einzusetzen. Die moderne Medizin greift damit in ein bereits bestehendes biologisches System ein – mit weitreichenden Folgen.
Bedeutung für die heutige Medizin
Der uralte Ursprung der Resistenz bedeutet nicht, dass der menschliche Einfluss unbedeutend wäre. Im Gegenteil: Der intensive und oft unsachgemäße Einsatz von Antibiotika in Medizin, Tierhaltung und Landwirtschaft beschleunigt die Verbreitung vorhandener Resistenzgene massiv. Besonders problematisch ist dabei der horizontale Gentransfer, bei dem Bakterien genetisches Material direkt untereinander austauschen können – auch über Artgrenzen hinweg.
So entstehen zunehmend Erreger, die gegen mehrere Antibiotikaklassen gleichzeitig resistent sind. Diese Entwicklung stellt eines der größten aktuellen Risiken für die globale Gesundheitsversorgung dar.
Einordnung
Antibiotikaresistenz ist kein neues Phänomen, sondern ein natürlicher Bestandteil mikrobieller Evolution. Neu ist jedoch die Geschwindigkeit, mit der sich resistente Keime heute ausbreiten. Die Erkenntnis über den uralten Ursprung der Resistenz unterstreicht, wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang mit Antibiotika ist – und dass zukünftige Strategien stärker auf Prävention, neue Wirkprinzipien und ein besseres Verständnis mikrobieller Ökosysteme setzen müssen.
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