Wissenschaftliche Meldungen
Asteroidencrash im Nachbarsternsystem: Hubble liefert direkte Spuren einer kosmischen Kollision
4.1.26, 11:22
Astronomie, Raumfahrt

Ein Lichtpunkt, der keiner war
Zum ersten Mal haben Forschende den Nachhall einer heftigen Asteroidenkollision außerhalb unseres Sonnensystems so direkt verfolgt, dass er in Teleskopbildern als eigenständige Lichtquelle sichtbar wird. Im Fokus steht der helle Stern Fomalhaut, nur rund 25 Lichtjahre von der Erde entfernt. Dort tauchte in Aufnahmen des Hubble Space Telescope ein punktförmiges Objekt auf, das zunächst wie ein Exoplanet wirkte – und später wieder verschwand. Neue Auswertungen zeigen nun, dass es sich sehr wahrscheinlich nicht um einen Planeten handelte, sondern um eine Staubwolke, die beim Zusammenstoß zweier großer Asteroiden entstanden ist.
Was Hubble tatsächlich gesehen hat
Fomalhaut ist von einer ausgedehnten Trümmerscheibe aus Staub und Gesteinsbrocken umgeben, vergleichbar mit einem stark vergrößerten Kuipergürtel. In dieser Scheibe erschien bereits in den 2000er-Jahren ein heller Punkt, der als „Fomalhaut b“ bekannt wurde und zunächst als Exoplanet galt. Über Jahre hinweg veränderte sich jedoch seine Helligkeit und Struktur so stark, dass diese Interpretation zunehmend zweifelhaft erschien.
In neueren Beobachtungen tauchte ein weiterer Lichtpunkt an der inneren Kante der Staubscheibe auf, während das frühere Objekt nicht mehr klar nachweisbar war. Genau dieses zeitliche Verhalten – plötzliches Erscheinen, allmähliche Veränderung und schließliches Verblassen – passt gut zu expandierenden Staubwolken, wie sie nach gewaltigen Kollisionen entstehen. Die Forschenden gehen daher davon aus, dass es sich um zwei getrennte Zusammenstöße handelt, die etwa zwei Jahrzehnte auseinanderliegen.
Warum eine Staubwolke wie ein Planet wirken kann
Direkte Abbildungen von Exoplaneten gehören zu den schwierigsten Aufgaben der Astronomie. Planeten sind im Vergleich zu ihren Sternen extrem lichtschwach, weshalb selbst kleine Staubansammlungen in der Umgebung leicht als punktförmige Objekte erscheinen können. Eine frisch entstandene Staubwolke reflektiert besonders viel Sternlicht und kann so den Eindruck eines kompakten Körpers erwecken. Erst mit der Zeit dehnt sie sich aus, wird diffuser und verliert ihre scheinbare Ähnlichkeit mit einem Planeten.
Der Fall Fomalhaut zeigt exemplarisch, wie vorsichtig solche Beobachtungen interpretiert werden müssen. Einzelne Lichtpunkte liefern noch keinen sicheren Beweis für einen Exoplaneten, solange keine stabilen Bahnen, Spektren oder zeitlich konsistenten Eigenschaften nachgewiesen sind.
Ein seltener Blick auf planetare Baustellen
Kollisionen zwischen sogenannten Planetesimalen – also kilometer- bis dutzendkilometergroßen Vorläuferkörpern von Planeten – gelten als normaler Bestandteil der frühen Entwicklung von Planetensystemen. Auch im jungen Sonnensystem dürften solche Zusammenstöße häufig gewesen sein. Neu ist jedoch, dass ein solches Ereignis außerhalb unseres Systems offenbar direkt beobachtet werden kann.
Schätzungen zufolge hatten die kollidierenden Körper Durchmesser von mehreren Dutzend Kilometern. Solche Zusammenstöße setzen enorme Energiemengen frei und erzeugen Staubwolken, die über Jahre hinweg sichtbar bleiben können. Interessant ist, dass innerhalb relativ kurzer Zeit gleich zwei solche Ereignisse im selben System beobachtet wurden. Das könnte darauf hindeuten, dass Kollisionen in Trümmerscheiben häufiger auftreten als bislang angenommen – oder dass wir dank empfindlicher Instrumente nun erstmals in der Lage sind, sie systematisch zu entdecken.
Wie die Beobachtungen weitergehen sollen
Um diese Interpretation weiter zu überprüfen, wollen Astronominnen und Astronomen die Region um Fomalhaut weiterhin beobachten. Entscheidend ist, ob sich die Staubwolke weiter ausdehnt und wie sich ihre Helligkeit verändert. Ergänzende Messungen im Infraroten könnten helfen, Staub eindeutig von planetarem Licht zu unterscheiden und die physikalischen Eigenschaften der Trümmer genauer zu bestimmen.
Der Fund markiert damit nicht nur eine spektakuläre Einzelbeobachtung, sondern auch einen methodischen Fortschritt: Er zeigt, dass sich dynamische Prozesse der Planetenentstehung in anderen Sternsystemen heute direkt verfolgen lassen.
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