Wissenschaftliche Meldungen
Wie Borkenkäfer Baumabwehr in Waffen verwandeln – und Pilze zurückschlagen
1.1.26, 20:39
Biologie, Zoologie, Ökologie

Ein fein austariertes chemisches Wettrüsten
Bäume sind ihren Feinden nicht schutzlos ausgeliefert. Viele Arten produzieren giftige oder zumindest abschreckende chemische Abwehrstoffe, vor allem Harze und spezielle Terpene, die Insekten fernhalten oder töten sollen. Eine neue Studie zeigt nun jedoch, dass bestimmte Borkenkäfer diese Verteidigung nicht nur überwinden, sondern aktiv für sich nutzen können. Gleichzeitig machen die Ergebnisse deutlich: Die Käfer stehen damit keineswegs an der Spitze der Nahrungskette, denn Pilze haben Gegenstrategien entwickelt.
Wie Käfer Baumgifte für sich umwandeln
Im Zentrum der Untersuchung steht die Frage, was passiert, wenn Borkenkäfer in die Rinde und das Holz eines Baumes eindringen. Dabei kommen sie zwangsläufig mit den Abwehrstoffen des Wirts in Kontakt. Die Forschenden zeigen, dass die Käfer diese Substanzen chemisch umwandeln können. Aus ursprünglich giftigen oder abschreckenden Molekülen entstehen neue Verbindungen, die den Käfern Vorteile verschaffen – etwa indem sie als Lockstoffe für Artgenossen dienen oder Konkurrenten fernhalten.
Auf diese Weise werden die Abwehrstoffe des Baumes gewissermaßen „recycelt“: Was den Eindringling eigentlich stoppen soll, wird zu einem Werkzeug, das den Befall sogar erleichtert. Das erklärt, warum Massenbefall durch Borkenkäfer so effektiv sein kann, selbst bei Bäumen mit eigentlich leistungsfähiger chemischer Verteidigung.
Die Rolle der Pilze: unsichtbare Gegenspieler
Doch die Geschichte endet nicht bei Käfer und Baum. Viele Borkenkäfer leben in enger Gemeinschaft mit Pilzen, die sie beim Eindringen in den Baum mitbringen oder dort vorfinden. Diese Pilze reagieren empfindlich auf die chemischen Veränderungen, die durch Käfer und Baum ausgelöst werden. Die Studie zeigt, dass bestimmte Pilzarten in der Lage sind, die von den Käfern erzeugten Stoffe weiter abzubauen oder zu neutralisieren.
Für die Käfer ist das problematisch: Einige der umgewandelten Substanzen, die ihnen Vorteile verschaffen, verlieren durch den Pilzabbau ihre Wirkung oder werden sogar schädlich. Damit entsteht ein dreiseitiges Wechselspiel, in dem kein Akteur dauerhaft die Oberhand hat.
Mehr als ein Zwei-Parteien-Konflikt
Die Ergebnisse unterstreichen, dass Waldökosysteme nicht aus einfachen Gegensätzen bestehen. Der klassische Blick auf „Baum gegen Schädling“ greift zu kurz. Stattdessen handelt es sich um ein komplexes Netzwerk aus Pflanzen, Insekten und Mikroorganismen, die sich gegenseitig beeinflussen. Chemische Abwehr ist dabei kein statisches Schutzschild, sondern Teil eines dynamischen Systems, das ständig angepasst wird.
Bedeutung für Wälder im Klimawandel
Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels sind diese Erkenntnisse relevant. Steigende Temperaturen und Trockenstress schwächen viele Bäume und begünstigen Borkenkäferpopulationen. Wenn Käfer Baumabwehrstoffe gezielt für sich nutzen können, erklärt das, warum geschwächte Wälder besonders anfällig für großflächige Schäden sind. Gleichzeitig zeigen die Pilze als Gegenspieler, dass ökologische Gleichgewichte auch auf mikroskopischer Ebene eine Rolle spielen.
Einordnung und offene Fragen
Einordnung und offene Fragen
Die Studie liefert detaillierte Einblicke in chemische Prozesse, die lange unterschätzt wurden. Offen bleibt jedoch, wie stark diese Mechanismen unter natürlichen Bedingungen variieren und welche Rolle unterschiedliche Baumarten, Käferarten und Pilzgemeinschaften spielen. Klar ist aber: Die Interaktionen zwischen Baum, Käfer und Pilz sind entscheidend dafür, ob ein Befall eskaliert oder begrenzt bleibt.
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