Wissenschaftliche Meldungen
Schwarze Löcher in Bewegung: Forschende wollen erstmals 3D-Filme erzeugen
1.1.26, 20:43
Astronomie, Raumfahrt

Vom Standbild zum dynamischen Raum-Zeit-Porträt
Die ersten Bilder Schwarzer Löcher gingen um die Welt: leuchtende Ringe aus heißem Gas, eingefroren in einem einzigen Moment. Doch diese ikonischen Aufnahmen zeigen nur einen Bruchteil dessen, was in der extremen Umgebung eines Schwarzen Lochs tatsächlich passiert. Ein internationales Forschungsteam arbeitet nun daran, Schwarze Löcher nicht mehr nur als zweidimensionale Standbilder, sondern als dreidimensionale, zeitlich aufgelöste „Filme“ darzustellen. Ziel ist es, die Dynamik von Materie, Magnetfeldern und Raumzeit erstmals direkt sichtbar zu machen.
Grenzen der bisherigen Beobachtungen
Die bekannten Bilder der Schwarzen Löcher im Zentrum der Galaxie Messier 87 und der Milchstraße wurden mit dem Event Horizon Telescope aufgenommen. Dieses weltweite Netzwerk aus Radioteleskopen erreicht eine Auflösung, die ausreicht, um Strukturen in der unmittelbaren Nähe des Ereignishorizonts sichtbar zu machen. Dennoch handelt es sich bislang um Momentaufnahmen, die aus Daten zusammengesetzt wurden, die über mehrere Stunden hinweg gesammelt wurden. Schnelle Veränderungen im Gasfluss oder im Magnetfeld bleiben dabei weitgehend verborgen.
Warum 3D-Filme wissenschaftlich so wichtig sind
Rund um ein Schwarzes Loch bewegt sich Materie mit nahezu Lichtgeschwindigkeit. Heiße Plasmaströme wirbeln, verdichten sich, werden beschleunigt oder verschwinden hinter dem Ereignishorizont. Diese Prozesse laufen nicht nur extrem schnell ab, sondern sind auch räumlich komplex. Ein dreidimensionaler Film könnte zeigen, wie sich Gas tatsächlich spiralförmig nach innen bewegt, wie Stoßfronten entstehen oder wie Magnetfelder Materie bündeln und lenken. Solche Beobachtungen wären ein direkter Test der Allgemeinen Relativitätstheorie unter extremen Bedingungen.
Neue Technik für neue Einblicke
Um diese Filme zu ermöglichen, müssen mehrere technische Hürden überwunden werden. Zum einen braucht es noch empfindlichere Radioteleskope und eine dichtere zeitliche Abtastung der Daten. Zum anderen entwickeln Forschende neue Rekonstruktionsmethoden, die es erlauben, aus den verteilten Messungen eines globalen Teleskopnetzwerks nicht nur Bilder, sondern zeitlich konsistente Sequenzen zu erzeugen. Auch Künstliche Intelligenz spielt dabei eine Rolle, etwa um typische Bewegungsmuster im Plasma von Messrauschen zu unterscheiden.
Erste Zielobjekte: bekannte Schwarze Löcher
Im Fokus stehen zunächst die beiden bereits bekannten Objekte: das extrem massereiche Schwarze Loch im Zentrum von Messier 87 sowie das zentrale Schwarze Loch unserer Milchstraße, bekannt als Sagittarius A*. Letzteres ist besonders herausfordernd, weil sich die Materie dort sehr schnell verändert. Genau das macht es aber auch zu einem idealen Testfall für zeitaufgelöste Beobachtungen. Langfristig könnten auch weitere Galaxienkerne ins Visier genommen werden, darunter das Schwarze Loch M87* selbst mit noch höherer Detailtiefe.
Einordnung und Ausblick
Noch handelt es sich um ein ambitioniertes Ziel, nicht um ein fertiges Produkt. Die Forschenden sprechen von einem Wettlauf mit der Zeit – und mit den technischen Grenzen der aktuellen Instrumente. Doch die Richtung ist klar: Weg vom statischen Bild, hin zu einer Art „Naturfilm“ über die extremsten Objekte des Universums. Gelingt dieses Vorhaben, würde sich unser Verständnis Schwarzer Löcher grundlegend verändern. Statt theoretischer Simulationen allein könnten ihre Vorhersagen erstmals direkt mit beobachteter Dynamik verglichen werden.
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