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Begleitstern formt Betelgeuse: Neue Erklärung für das rätselhafte Verhalten des Riesen
6.1.26, 16:07
Astronomie

Unerwartete Spur im Gas des Überriesen
Der rote Überriese Betelgeuse gehört zu den am besten untersuchten Sternen am Nachthimmel – und doch gibt er der Astronomie immer neue Rätsel auf. Nach Jahren ungewöhnlicher Helligkeitsschwankungen und massiver Gasauswürfe liefert nun eine neue Studie einen möglichen Schlüssel: Ein naher Begleitstern scheint durch Betelgeuses ausgedehnte Atmosphäre zu pflügen und dabei eine dichte Gasspur zu hinterlassen, eine Art kosmisches Kielwasser.
Die Beobachtungen deuten darauf hin, dass dieser Begleiter – mit dem Namen Siwarha – die Struktur und Dynamik der riesigen Sternhülle wesentlich beeinflusst. Damit rückt erstmals ein konkreter physikalischer Mechanismus in den Fokus, der mehrere bislang schwer erklärbare Phänomene miteinander verbindet.
Präzise Beobachtungen mit Hubble und Bodenteleskopen
Grundlage der Analyse sind hochaufgelöste Daten des Hubble Space Telescope sowie ergänzende Messungen großer erdgebundener Observatorien. Die Forschenden identifizierten in der äußeren Atmosphäre Betelgeuses eine verdichtete Region aus Gas, die sich nicht durch konvektive Strömungen oder reine Sternwinde erklären lässt.
Stattdessen passt ihre Form und Lage gut zu einer Spur, wie sie entstehen würde, wenn ein kompakterer Stern auf einer engen Umlaufbahn durch das aufgeblähte Atmosphärenmaterial des Riesen zieht. Solche Wechselwirkungen sind in Doppelsternsystemen theoretisch bekannt, wurden aber bei einem roten Überriesen in dieser Klarheit bislang nicht beobachtet.
Erklärung für das „seltsame Verhalten“ von Betelgeuse
Betelgeuse hatte in den vergangenen Jahren immer wieder für Schlagzeilen gesorgt, insbesondere durch eine drastische Abschwächung seiner Helligkeit. Damals stand sogar eine unmittelbar bevorstehende Supernova im Raum – ein Szenario, das sich nicht bestätigte. Die neue Studie ordnet diese Ereignisse nun vorsichtiger ein.
Die Gasspur des Begleitsterns könnte lokal die Dichte und Temperatur in der Atmosphäre verändern. Das wiederum beeinflusst, wie viel Licht der Stern abstrahlt und wie effektiv Materie ins All abgestoßen wird. Die unregelmäßigen Helligkeitsschwankungen wären demnach kein Vorbote einer Explosion, sondern das Ergebnis komplexer Wechselwirkungen in einem dynamischen Doppelsternsystem.
Noch kein endgültiger Beweis
Trotz der überzeugenden Indizien bleibt eine wichtige Einschränkung: Der Begleitstern selbst konnte bislang nicht direkt abgebildet werden. Seine Existenz wird aus der Struktur des umgebenden Gases und aus Modellen abgeleitet. Alternative Erklärungen – etwa ungewöhnlich starke lokale Konvektionszellen – lassen sich nicht vollständig ausschließen.
Die Autorinnen und Autoren betonen daher, dass weitere Beobachtungen nötig sind, insbesondere mit zukünftigen Teleskopen, die im Infrarotbereich noch feinere Details auflösen können. Erst dann lässt sich klären, ob Siwarha tatsächlich der „unsichtbare Mitspieler“ ist, der Betelgeuses Verhalten prägt.
Ein neues Bild von roten Überriesen
Unabhängig vom endgültigen Nachweis hat die Arbeit weitreichende Konsequenzen. Rote Überriesen galten lange als weitgehend isolierte Einzelsterne. Die neuen Ergebnisse legen nahe, dass enge Begleiter ihre Entwicklung, ihren Massenverlust und möglicherweise sogar den Zeitpunkt ihrer Supernova-Explosion stärker beeinflussen könnten als bisher angenommen.
Betelgeuse wird damit erneut zu einem Schlüsselobjekt der Astrophysik – nicht als unmittelbar explodierender Stern, sondern als Labor für das Zusammenspiel von Gravitation, Gasdynamik und Sternentwicklung.
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