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Schlafapnoe-Risiko und Psyche: Studie findet deutlich mehr Depression und Belastung bei Über-45-Jährigen
1.1.26, 13:08
Medizin

Ein verbreitetes, oft übersehenes Problem
Obstruktive Schlafapnoe entsteht, wenn sich die oberen Atemwege im Schlaf wiederholt verengen. Die Folge sind Atemaussetzer, fragmentierter Schlaf und wiederkehrende Phasen mit reduziertem Sauerstoffgehalt im Blut. Diese Mechanismen gelten seit Langem als mögliche Verbindung zur psychischen Gesundheit: Chronischer Schlafmangel und nächtlicher Stress belasten Körper und Gehirn, fördern Entzündungsprozesse und können emotionale Stabilität beeinträchtigen. Umgekehrt können psychische Erkrankungen Schlafprobleme verstärken. Wie eng diese Zusammenhänge tatsächlich sind, war bislang jedoch nur begrenzt durch große Langzeitstudien belegt.
Was die Forschenden untersucht haben
Ein Forschungsteam aus Kanada wertete Daten der Canadian Longitudinal Study on Aging aus. In die Analyse flossen Angaben von mehr als 30.000 Personen im Alter zwischen 45 und 85 Jahren ein; für den Großteil lagen Nachbeobachtungsdaten nach durchschnittlich knapp drei Jahren vor. Das Risiko für Schlafapnoe wurde nicht durch Schlaflaboruntersuchungen bestimmt, sondern mithilfe des etablierten STOP-Fragebogens. Dieser erfasst vier typische Hinweise: lautes Schnarchen, ausgeprägte Tagesmüdigkeit, beobachtete Atemaussetzer im Schlaf und Bluthochdruck. Wer mindestens zwei dieser Kriterien erfüllte, wurde als Person mit hohem Schlafapnoe-Risiko eingestuft.
Deutlich höhere Wahrscheinlichkeit für psychische Belastung
Als Maß für die mentale Gesundheit nutzten die Forschenden einen kombinierten Endpunkt. Er galt als erfüllt, wenn mindestens eines von vier Kriterien vorlag: relevante Depressionssymptome, hohe allgemeine psychische Belastung, eine ärztlich diagnostizierte psychische Erkrankung oder die Einnahme von Antidepressiva. Zu Beginn der Studie wiesen rund 23 Prozent der Teilnehmenden ein hohes Schlafapnoe-Risiko auf; im späteren Verlauf stieg dieser Anteil auf etwa 27 Prozent. Hinweise auf eingeschränkte mentale Gesundheit fanden sich bei rund einem Drittel der Befragten.
Nach statistischer Anpassung für Alter, Geschlecht und weitere Einflussfaktoren zeigte sich ein klarer Zusammenhang: Personen mit hohem Schlafapnoe-Risiko hatten sowohl zu Beginn als auch im weiteren Verlauf eine rund 40 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, psychische Beschwerden zu berichten als Personen ohne dieses Risiko. Dieser Effekt blieb auch dann bestehen, wenn mehrere Messzeitpunkte gemeinsam ausgewertet wurden.
Erhöhtes Risiko für neue psychische Probleme
Besonders aufschlussreich ist der Blick auf jene Teilnehmenden, die zu Beginn der Studie noch keine Hinweise auf psychische Belastung zeigten. In dieser Gruppe war ein hohes Schlafapnoe-Risiko mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit verbunden, im Verlauf neu psychische Beschwerden zu entwickeln. Auch hier zeigte sich also ein Zusammenhang, der über eine reine Momentaufnahme hinausgeht.
Einordnung und Grenzen der Ergebnisse
Die Studie stützt die Annahme, dass Schlafapnoe in der zweiten Lebenshälfte nicht nur Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigt, sondern auch eng mit der psychischen Gesundheit verknüpft ist. Gleichzeitig betonen die Autorinnen und Autoren die Grenzen der Untersuchung. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen beweisen kann. Zudem basiert die Einschätzung des Schlafapnoe-Risikos auf Fragebogendaten und nicht auf objektiven Messungen im Schlaflabor. Auch die Angaben zur mentalen Gesundheit beruhen teilweise auf Selbstauskünften und Medikamentenangaben.
Bedeutung für Prävention und Versorgung
Trotz dieser Einschränkungen hat die Studie praktische Konsequenzen. Sie spricht dafür, bei Menschen über 45 Jahren mit Hinweisen auf Schlafapnoe auch systematisch nach psychischer Belastung zu fragen. Umgekehrt sollte bei anhaltenden depressiven Symptomen oder erhöhter psychischer Belastung auch an schlafbezogene Atmungsstörungen gedacht werden. Eine frühzeitige Erkennung in beiden Bereichen könnte dazu beitragen, Therapien gezielter einzusetzen und die Lebensqualität Betroffener spürbar zu verbessern.
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