Wissenschaftliche Meldungen
Warum weniger Rindfleisch fürs 2-Grad-Ziel so entscheidend sein könnte
29.12.25, 20:27
Ernährung, Klima & Umwelt, Gesellschaft

Wenn das Abendessen zum Klimafaktor wird
Was täglich auf dem Teller landet, hat weitreichendere Folgen für das Klima als vielen bewusst ist. Eine neue Analyse aus Kanada zeigt, dass große Teile der Weltbevölkerung mit ihrer heutigen Ernährung ein Emissionsniveau verursachen, das mit dem internationalen Zwei-Grad-Ziel kaum vereinbar ist. Besonders deutlich wird das am Beispiel wohlhabender Industrienationen, doch auch global betrachtet ist das Problem deutlich größer als bislang angenommen.
Ein globales „Emissionsbudget“ für Ernährung
Im Zentrum der Untersuchung steht das Konzept eines sogenannten Food Emissions Budget. Gemeint ist eine rechnerische Obergrenze an Treibhausgasen, die pro Kopf durch Ernährung entstehen dürfte, wenn die Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius begrenzt werden soll. Die Forschenden werteten dafür Konsum- und Emissionsdaten aus 112 Ländern aus, die nahezu die gesamten weltweiten ernährungsbedingten Emissionen abdecken. Berücksichtigt wurden Emissionen entlang der gesamten Lebensmittelkette – von der landwirtschaftlichen Produktion über Verarbeitung und Transport bis hin zum Konsum.
Das Ergebnis ist ernüchternd: Rund 44 Prozent der Weltbevölkerung liegen bereits heute über diesem Budget. Nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren handelt es sich dabei eher um eine vorsichtige Schätzung, da die zugrunde liegenden Daten aus dem Jahr 2012 stammen und sowohl Bevölkerungszahl als auch Emissionen seitdem weiter gestiegen sind. Blickt man in die Zukunft, könnte sich das Problem weiter zuspitzen. Für das Jahr 2050 gehen die Forschenden davon aus, dass bis zu 90 Prozent der Menschen ihre Ernährungsgewohnheiten anpassen müssten, um das Klimaziel nicht zu verfehlen.
Ungleichheit spielt eine Rolle – erklärt aber nicht alles
Die Studie bestätigt zwar, dass wohlhabende Bevölkerungsgruppen einen überproportional großen Anteil an den ernährungsbedingten Emissionen haben, sie relativiert aber zugleich eine zu einfache Schuldzuweisung. Das emissionsintensivste Fünftel der Weltbevölkerung verursacht rund 30 Prozent aller Food-Emissionen – etwa so viel wie die gesamte ärmere Hälfte der Menschheit zusammen. Gleichzeitig ist die Zahl der Menschen, die über dem klimaverträglichen Budget liegen, so hoch, dass es sich nicht nur um ein Problem einer kleinen Elite handelt.
In den globalen Kontext eingeordnet wird deutlich, warum Ernährung politisch zunehmend an Bedeutung gewinnt. Das weltweite Ernährungssystem ist für mehr als ein Drittel der menschengemachten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Damit liegt sein Einfluss in einer Größenordnung, die sonst eher mit Energieversorgung, Verkehr oder Industrie verbunden wird.
Kanada als Fallbeispiel: Der große Hebel Rindfleisch
Besonders anschaulich wird die Dynamik am Beispiel Kanada. Dort überschreiten laut Analyse alle Einkommensgruppen das klimaverträgliche Ernährungsbudget. Ein einzelnes Produkt trägt dabei besonders stark zu den Emissionen bei: Rindfleisch. Rund 43 Prozent der ernährungsbedingten Treibhausgase in Kanada gehen demnach allein auf den Konsum von Rindfleisch zurück. Damit identifiziert die Studie eine sehr konkrete Stellschraube, an der Veränderungen besonders wirksam wären.
Die Autorinnen und Autoren betonen jedoch, dass es nicht um pauschale Verbote geht. Vielmehr zeige das Beispiel, wie stark bestimmte Konsumgewohnheiten ins Gewicht fallen und wie groß das Einsparpotenzial wäre, wenn sich diese ändern.
Alltägliche Entscheidungen mit globaler Wirkung
Als praktikable Ansatzpunkte nennt das Forschungsteam vor allem drei Bereiche: kleinere Portionsgrößen, weniger Lebensmittelverschwendung und eine Reduktion besonders emissionsintensiver Produkte wie Rindfleisch. Ernährung wird dabei nicht als Ersatz für andere Klimaschutzmaßnahmen verstanden, sondern als zusätzlicher, bislang unterschätzter Hebel. Während Flugreisen oder Autoverkehr oft im Fokus stehen, betreffen Essgewohnheiten praktisch jeden Menschen – täglich und mehrfach.
Die Studie macht deutlich, dass das Zwei-Grad-Ziel ohne Veränderungen im globalen Ernährungssystem kaum erreichbar sein dürfte. Gleichzeitig zeigt sie, dass Klimaschutz nicht nur auf politischer oder technologischer Ebene stattfindet, sondern auch im Alltag beginnt – bei Entscheidungen, die auf den ersten Blick banal wirken, in ihrer Summe aber globale Folgen haben.
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