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Kosmologie: Neue Analyse zeigt, wie sich das Universum über Milliarden Jahre ausgedehnt hat
27.1.26, 16:19
Kosmologie, Astronomie

Ein präziser Blick in die kosmische Vergangenheit
Eine internationale Forschungskooperation hat eine der bislang umfassendsten Analysen zur Expansion des Universums vorgelegt. Grundlage ist der Dark Energy Survey, ein groß angelegtes Beobachtungsprogramm, das über sechs Jahre hinweg den Südhimmel systematisch vermessen hat. Die neue Auswertung rekonstruiert die Entwicklung des Kosmos über rund sechs Milliarden Jahre und liefert damit einen ungewöhnlich detaillierten Blick auf eine Phase, in der sich die Expansion des Universums deutlich beschleunigte.
Die Ergebnisse wurden in einer begutachteten Fachzeitschrift veröffentlicht und beruhen auf der gemeinsamen Arbeit von mehreren hundert Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus zahlreichen Forschungseinrichtungen weltweit. Ziel war es, nicht nur einzelne Messungen zu verfeinern, sondern verschiedene kosmologische Beobachtungsmethoden erstmals konsequent zusammenzuführen.
Wie man die Expansion des Universums misst
Für die Analyse nutzte das Team Daten der Dark Energy Camera, einer Hochleistungskamera am Víctor-M.-Blanco-Teleskop in Chile. Sie erfasste die Positionen und Eigenschaften von hunderten Millionen Galaxien auf einem großen Himmelsareal. Aus diesen Beobachtungen lassen sich Rückschlüsse darauf ziehen, wie Materie im Universum verteilt ist und wie sich diese Verteilung im Laufe der Zeit verändert hat.
Entscheidend ist die Kombination mehrerer Messansätze. Dazu gehören schwache Gravitationslinsen, bei denen die Schwerkraft großer Materiestrukturen das Licht entfernter Galaxien minimal verzerrt, ebenso wie statistische Muster in der räumlichen Verteilung von Galaxien. Ergänzt werden diese Informationen durch kosmologische Standardkerzen wie Supernovae vom Typ Ia sowie durch sogenannte baryonische akustische Oszillationen, feine Strukturen, die auf Schallwellen aus der Frühzeit des Universums zurückgehen. Zusammengenommen erlauben diese Methoden eine deutlich robustere Rekonstruktion der kosmischen Entwicklung als einzelne Messungen für sich allein.
Bestätigung – und kleine Spannungen
Das zentrale Ergebnis: Die Daten sind insgesamt gut mit dem etablierten kosmologischen Standardmodell vereinbar. Dieses Modell beschreibt ein Universum, das überwiegend aus dunkler Materie und dunkler Energie besteht, wobei Letztere die beschleunigte Expansion antreibt. Innerhalb der Messgenauigkeit passen die neuen Beobachtungen zu der Annahme, dass diese dunkle Energie zeitlich konstant ist.
Gleichzeitig zeigen sich jedoch subtile Abweichungen. Insbesondere die Stärke, mit der Materie im Universum zu großräumigen Strukturen verklumpt, liegt etwas unter den Erwartungen früherer Messungen. Solche Spannungen sind in der Kosmologie nicht neu, gewinnen aber mit jeder präziseren Datenauswertung an Bedeutung. Noch ist unklar, ob sie auf bislang unterschätzte systematische Effekte zurückgehen oder auf neue physikalische Prozesse hindeuten, die im Standardmodell nicht enthalten sind.
Warum diese Ergebnisse relevant sind
Die beschleunigte Expansion des Universums zählt zu den größten Rätseln der modernen Physik. Seit ihrer Entdeckung vor gut 25 Jahren ist klar, dass ein Großteil des Energieinhalts des Kosmos in einer bislang unbekannten Form vorliegt. Jede Verbesserung der Messgenauigkeit hilft dabei, theoretische Modelle einzugrenzen oder neue Ansätze zu entwickeln.
Die nun vorgelegte Analyse ist deshalb ein wichtiger Zwischenschritt. Sie zeigt, dass das Standardmodell weiterhin erstaunlich gut funktioniert, lässt aber zugleich Raum für neue Fragen. Künftige Observatorien und Missionen werden an diese Arbeit anknüpfen und mit noch größeren Datensätzen prüfen, ob sich die beobachteten Spannungen bestätigen oder auflösen lassen.
Einordnung
Die Studie liefert keine spektakuläre Revolution der Kosmologie, aber genau darin liegt ihre Stärke. Sie macht transparent, wie stabil unser derzeitiges Weltbild ist – und wo seine Grenzen liegen. In der Forschung zur dunklen Energie gilt das als Fortschritt: Nicht jede Abweichung ist sofort ein Durchbruch, doch jede präzise Messung bringt uns dem Verständnis des Universums ein Stück näher.
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