Wissenschaftliche Meldungen
Sonnenforschung im Dauerblick: Warum extreme Magnetfelder gefährlich werden können
14.1.26, 14:52
Astronomie, Raumfahrt

Ein seltener Blick auf die Dynamik der Sonne
Die Sonne wirkt aus der Ferne ruhig und konstant, doch unter ihrer Oberfläche brodelt ein hochdynamisches System aus Magnetfeldern und Plasma. Forschende haben nun eine aktive Region auf der Sonne so lange und so lückenlos beobachtet wie nie zuvor. Die neuen Daten liefern entscheidende Hinweise darauf, wie besonders starke Sonnenstürme entstehen – Ereignisse, die auf der Erde technische Systeme empfindlich stören können.
Drei Monate ohne Unterbrechung
Erstmals gelang es, eine einzelne aktive Region über 94 Tage hinweg nahezu kontinuierlich zu verfolgen. Normalerweise verschwinden solche Regionen nach rund zwei Wochen aus dem Blickfeld, weil sich die Sonne um ihre eigene Achse dreht. In diesem Fall kombinierten die Forschenden Beobachtungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln: Während eine Sonde die Sonne aus der Nähe der Erde beobachtete, lieferte die Mission Solar Orbiter Daten aus einer seitlich versetzten Position im All. So ließ sich der vollständige Lebenszyklus der Region rekonstruieren.
Wenn Magnetfelder außer Kontrolle geraten
Die untersuchte Sonnenregion entwickelte im Laufe der Zeit eine extrem komplexe Struktur aus miteinander verflochtenen Magnetfeldern. Solche Konfigurationen gelten als besonders instabil. Je stärker sich die Magnetfeldlinien verspannen, desto größer ist die gespeicherte Energie. Wird sie plötzlich freigesetzt, kommt es zu gewaltigen Eruptionen, bei denen Strahlung und geladene Teilchen ins All geschleudert werden.
Genau solche Prozesse gelten als Auslöser starker Sonnenstürme. Treffen sie auf die Erde, können sie das Magnetfeld des Planeten erheblich stören und sogenannte geomagnetische Stürme auslösen.
Folgen für Technik und Infrastruktur
Sonnenstürme sind kein rein astronomisches Phänomen. Sie können Satelliten beschädigen, Navigations- und Kommunikationssysteme beeinträchtigen und im Extremfall sogar Stromnetze belasten. Besonders starke Ereignisse können zudem Polarlichter weit außerhalb der üblichen Polarregionen sichtbar machen. Die Beobachtungen zeigen, dass nicht einzelne Ausbrüche entscheidend sind, sondern die langfristige Entwicklung der Magnetfelder, die sich über Wochen hinweg aufbauen kann.
Warum diese Daten ein Durchbruch sind
Bislang basierten viele Modelle der Sonnenaktivität auf kurzen Beobachtungsfenstern. Die neue Langzeitbeobachtung schließt diese Lücke und erlaubt es erstmals, Entstehung, Reifung und Zerfall einer extrem aktiven Region als zusammenhängenden Prozess zu analysieren. Das hilft dabei, besser zu verstehen, welche magnetischen Muster besonders gefährlich sind – und welche eher harmlos bleiben.
Ausblick: Frühwarnung bleibt schwierig
Trotz der Fortschritte bleibt die präzise Vorhersage von Sonnenstürmen eine große Herausforderung. Noch ist nicht eindeutig bestimmbar, wann genau eine instabile Region tatsächlich ausbricht. Künftige Missionen sollen hier Abhilfe schaffen. Geplant ist unter anderem eine europäische Weltraumwetter-Sonde namens Vigil, die ab den 2030er-Jahren die Sonne dauerhaft aus einer festen Position im All beobachten soll. Ziel ist es, frühzeitig vor gefährlichen Eruptionen warnen zu können.
Einordnung
Die neue Studie zeigt eindrucksvoll, dass extreme Sonnenstürme keine plötzlichen Zufallsereignisse sind, sondern das Ergebnis langer, komplexer Entwicklungen im Magnetfeld der Sonne. Ob sich dieses Wissen künftig in verlässliche Warnsysteme übersetzen lässt, ist noch offen. Klar ist jedoch: Je besser die Prozesse verstanden werden, desto größer sind die Chancen, unsere zunehmend technologieabhängige Gesellschaft besser zu schützen.
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