Wissenschaftliche Meldungen
Studie: Syphilis-Verwandte existierten schon vor 5 500 Jahren
24.1.26, 23:21
Archäologie, Medizin

Alte Krankheit mit überraschend tiefer Geschichte
Eine Krankheit, die heute vor allem als sexuell übertragbare Infektion bekannt ist, begleitet den Menschen offenbar schon seit Jahrtausenden. Ein internationales Forschungsteam hat genetische Spuren eines Erregers nachgewiesen, der eng mit dem heutigen Syphilis-Bakterium verwandt ist – und zwar in menschlichen Überresten, die rund 5 500 Jahre alt sind. Damit verschiebt sich der bislang früheste direkte Beleg für solche Krankheitserreger weit in die Vorgeschichte.
DNA aus einem uralten Skelett
Untersucht wurden Knochen aus der Region der heutigen Sabana de Bogotá in Kolumbien. Die Überreste stammen aus einer Zeit lange vor der Entwicklung komplexer Staaten oder dichter landwirtschaftlicher Gesellschaften. Den Forschenden gelang es, aus einem Schienbein winzige Fragmente sogenannter alter DNA zu isolieren. Diese Methode gilt als besonders anspruchsvoll, weil genetisches Material über Jahrtausende hinweg stark zerfällt und leicht durch moderne DNA verunreinigt werden kann.
Die Analyse zeigte jedoch eindeutig: Das Erbgut gehört zu einem Bakterium aus derselben Familie wie der heutige Syphilis-Erreger. Es handelt sich dabei nicht um exakt denselben Stamm, sondern um eine sehr frühe, bislang unbekannte Linie, die sich evolutionär nahe an der Wurzel dieser Bakteriengruppe befindet.
Keine moderne Syphilis – aber ein enger Verwandter
Wichtig ist die Einordnung: Die gefundene Bakterienlinie ist nicht identisch mit dem Erreger, der heute Syphilis auslöst. Sie gehört zu einer Gruppe sogenannter treponemaler Erkrankungen, zu denen auch andere chronische Infektionen zählen, die Haut, Knochen und Organe betreffen können. Welche Symptome die infizierten Menschen damals genau hatten, lässt sich nicht mehr sicher rekonstruieren.
Die genetischen Daten zeigen aber klar, dass diese Erreger schon lange existierten, bevor Syphilis in historischen Quellen erstmals beschrieben wurde. Bislang datierten die ältesten genetischen Nachweise solcher Bakterien auf etwa 2 000 bis 2 500 Jahre vor heute. Der neue Fund erweitert diesen Zeitraum um rund 3 000 Jahre.
Neue Perspektive auf eine alte Debatte
Seit Jahrzehnten streiten Fachleute darüber, woher Syphilis ursprünglich stammt. Eine bekannte These besagt, die Krankheit sei erst nach der Ankunft europäischer Seefahrer aus Amerika nach Europa gelangt. Andere vermuten, dass sie bereits zuvor weltweit verbreitet war, aber nicht eindeutig erkannt wurde.
Die neue Studie löst diese Debatte nicht endgültig, liefert aber einen wichtigen Baustein: Sie zeigt, dass enge Verwandte des Syphilis-Erregers bereits vor Jahrtausenden in Amerika existierten. Das macht deutlich, dass die evolutionäre Geschichte dieser Bakterien deutlich komplexer ist als lange angenommen.
Was gesichert ist – und was offen bleibt
Als gesichert gilt, dass der Nachweis auf genetischen Daten beruht und nicht allein auf Knochenveränderungen, die leicht fehlinterpretiert werden können. Die Qualität der DNA-Sequenzen erlaubt eine relativ präzise Einordnung im Stammbaum der Erreger. Offen bleibt hingegen, wie verbreitet solche Infektionen damals waren und auf welchen Wegen sich die verschiedenen Linien weltweit ausbreiteten.
Die Forschenden betonen zudem, dass man aus einem einzelnen Skelett keine direkten Rückschlüsse auf das Sexualverhalten oder die gesellschaftlichen Strukturen jener Zeit ziehen kann. Die Studie zeigt lediglich, dass Krankheitserreger, die wir heute mit modernen Gesellschaften verbinden, tief in der Menschheitsgeschichte verwurzelt sind.
Warum das heute relevant ist
Die Ergebnisse machen deutlich, dass Infektionskrankheiten keine rein „modernen“ Phänomene sind. Sie begleiten den Menschen seit Jahrtausenden und haben sich immer wieder an neue Lebensweisen angepasst. Ein besseres Verständnis ihrer langen Evolution kann helfen, heutige Krankheitserreger realistischer einzuordnen – nicht als Ausnahme, sondern als Teil einer sehr alten Beziehung zwischen Mensch und Mikroorganismus.
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