Wissenschaftliche Meldungen
Ab 35 geht es bergab – aber Bewegung wirkt ein Leben lang
18.1.26, 14:36
Medizin

Was eine 47-jährige Langzeitstudie über Fitness, Kraft und das Altern wirklich zeigt
Eine außergewöhnlich lange Forschungsarbeit aus Schweden hat erstmals systematisch aufgezeigt, wann körperliche Leistungsfähigkeit im Erwachsenenleben ihren Höhepunkt erreicht und wie sie sich im weiteren Verlauf verändert. Die Ergebnisse einer fast fünf Jahrzehnte umfassenden Langzeitstudie liefern einen seltenen, datenstarken Blick auf den Alterungsprozess des Körpers – und räumen mit verbreiteten Vorstellungen über Fitness im Alter auf. Zwar beginnt der körperliche Leistungsabfall früher als viele erwarten, doch die positive Wirkung von Bewegung bleibt ein Leben lang erhalten.
Der besondere Wert langfristiger Beobachtung
Viele frühere Studien zum Zusammenhang zwischen Alter und körperlicher Leistungsfähigkeit beruhen auf Querschnittsuntersuchungen, bei denen Menschen unterschiedlichen Alters zu einem Zeitpunkt verglichen werden. Solche Ansätze erlauben jedoch nur begrenzte Aussagen darüber, wie sich einzelne Personen tatsächlich im Laufe ihres Lebens verändern. Die schwedische Studie verfolgt einen deutlich aufwendigeren Ansatz: Über einen Zeitraum von 47 Jahren wurden dieselben Personen immer wieder untersucht. Mehrere hundert zufällig ausgewählte Frauen und Männer aus ganz Schweden nahmen ab dem Jugendalter regelmäßig an Leistungstests teil. Dadurch lassen sich individuelle Entwicklungs- und Alterungsprozesse deutlich zuverlässiger erfassen.
Der Wendepunkt liegt früher als gedacht
Die Auswertungen zeigen ein klares Muster: Kardiorespiratorische Fitness, Muskelkraft und muskuläre Ausdauer erreichen ihren durchschnittlichen Höhepunkt bereits im Alter von Mitte bis Ende 30. Ab etwa 35 Jahren setzt ein langsamer, aber kontinuierlicher Rückgang ein. Dieser Trend zeigte sich unabhängig davon, wie sportlich oder trainiert die Teilnehmenden zuvor waren. Mit zunehmendem Alter beschleunigt sich dieser Abbau, was mit altersbedingten Veränderungen in Muskulatur, Stoffwechsel und Herz-Kreislauf-System zusammenhängt.
Warum dieser Wendepunkt vergleichsweise früh im Erwachsenenleben liegt, ist bislang nicht abschließend geklärt. Die Forschenden vermuten eine Kombination aus biologischen Alterungsprozessen und langfristigen Veränderungen in der Muskelstruktur, wollen diesen Fragen aber in zukünftigen Analysen gezielt nachgehen.
Bewegung bleibt wirksam – auch bei spätem Einstieg
Trotz der nüchternen Erkenntnis, dass körperliche Leistungsfähigkeit im Durchschnitt schon ab dem vierten Lebensjahrzehnt nachlässt, ist die zentrale Botschaft der Studie ausgesprochen ermutigend. Personen, die erst im Erwachsenenalter oder sogar später begannen, regelmäßig körperlich aktiv zu sein, konnten ihre Leistungsfähigkeit dennoch deutlich steigern. Im Mittel lagen diese Verbesserungen bei fünf bis zehn Prozent im Vergleich zu früherer Inaktivität.
Das bedeutet: Auch wenn Bewegung den biologischen Alterungsprozess nicht vollständig aufhalten kann, ist sie sehr wohl in der Lage, den Funktionsverlust zu bremsen und körperliche Leistungsreserven wieder aufzubauen. Selbst ein später Einstieg bringt messbare Vorteile.
Bedeutung für Gesundheit und Alltag
Die Ergebnisse verdeutlichen zweierlei. Erstens ist der Rückgang von Fitness und Muskelkraft ein normaler Bestandteil des Alterns und kein persönliches Versagen. Zweitens zeigen die Daten klar, dass körperliche Aktivität in jedem Lebensalter einen Unterschied macht. Training dient nicht nur dem Erhalt vorhandener Fähigkeiten, sondern kann auch im späteren Leben zu realen Verbesserungen führen.
Für Prävention, Gesundheitsförderung und individuelle Lebensplanung bedeutet das: Bewegung sollte nicht als zeitlich begrenztes Projekt der Jugend verstanden werden, sondern als langfristige Investition in körperliche Selbstständigkeit, Lebensqualität und Gesundheit.
Ausblick
Die Langzeitstudie wird fortgesetzt. Weitere Untersuchungen sind geplant, wenn die Teilnehmenden ihre späten 60er erreichen. Diese nächste Phase soll helfen, noch besser zu verstehen, wie sich körperliche Leistungsfähigkeit im höheren Alter entwickelt und welche Rolle Lebensstil, Training und biologische Faktoren dabei zusammenspielen.
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