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Wissenschaftliche Meldungen

Afrikas älteste Feuerbestattung: Eine Gemeinschaft am Scheiterhaufen vor 9.500 Jahren

2.1.26, 18:36

Archäologie

Realistische Illustration einer prähistorischen Feuerbestattung in Afrika: verbrannte menschliche Knochen auf einem Scheiterhaufen unter einem Felsüberhang, umgeben von Flammen und glühenden Steinen, mit dramatischer Überschrift „Älteste Feuerbestattung Afrikas – 9.500 Jahre alt“.

Bedeutender Fund auf dem afrikanischen Kontinent


Archäologen haben im heutigen Malawi eine außergewöhnliche Entdeckung gemacht: In einem Felsüberhang am Fuß eines markanten Granitbergs wurde die bislang älteste bekannte Feuerbestattung Afrikas nachgewiesen. Die Überreste stammen von einer erwachsenen Person und sind rund 9.500 Jahre alt. Der Fund liefert erstmals eindeutige archäologische Belege dafür, dass bereits Jäger-und-Sammler-Gruppen im tropischen Afrika komplexe und arbeitsintensive Bestattungsrituale praktizierten.


Die Ergebnisse gehen auf eine aktuelle Studie zurück, die in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht wurde. Beteiligt waren unter anderem Forschende des Cleveland Museum of Natural History sowie mehrerer US-amerikanischer Universitäten.


Der Fundort Hora 1 in Malawi


Der Fund stammt aus der Fundstelle Hora 1, einem Felsüberhang im Norden von Malawi. Der Ort war bereits seit Jahrzehnten als prähistorische Begräbnisstätte bekannt. Neue, detaillierte Ausgrabungen und Analysen zeigten nun, dass dieser Platz über einen Zeitraum von mehr als 10.000 Jahren immer wieder für Bestattungen genutzt wurde – von etwa 21.000 bis 8.000 Jahre vor heute.


Die entdeckte Feuerbestattung stellt dabei ein singuläres Ereignis dar. Sie unterscheidet sich deutlich von den sonst üblichen Erd- und Grubenbestattungen an diesem Ort und hebt sich auch zeitlich klar von anderen Bestattungsphasen ab.


Die Verstorbene und der Scheiterhaufen


Die verbrannten Knochenreste konnten einer erwachsenen Frau zugeordnet werden. Ihr genaues Alter lässt sich nicht bestimmen, dürfte aber zwischen frühem Erwachsenenalter und mittlerem Lebensalter gelegen haben. Die Forschenden identifizierten mehr als 170 Knochenfragmente, vor allem aus Armen und Beinen, die starke Hitzeeinwirkung zeigen. Die Verbrennungstemperaturen lagen Schätzungen zufolge bei über 500 Grad Celsius.


Auffällig ist, dass Schädel- und Zahnreste vollständig fehlen. Da diese Knochen normalerweise besonders widerstandsfähig gegenüber Feuer sind, gehen die Forschenden davon aus, dass der Kopf bewusst vor der Verbrennung entfernt wurde. Hinweise auf Gewalt oder Zerstückelung im Zusammenhang mit einem Konflikt fanden sich jedoch nicht. Vielmehr deutet alles auf eine gezielte rituelle Handlung hin.


Um einen solchen Scheiterhaufen zu errichten, war ein erheblicher organisatorischer Aufwand nötig. Wahrscheinlich sammelte die Gemeinschaft über mehrere Tage hinweg große Mengen an Brennmaterial, um ein gleichmäßiges und lang anhaltendes Feuer zu erzeugen.


Hinweise auf rituelle Bedeutung


Im direkten Umfeld der verbrannten Knochen fanden Archäologen auch Steinwerkzeuge, die nicht zufällig in den Pyre-Bereich gelangt sein dürften. Sie könnten als Grabbeigaben oder symbolische Objekte Teil des Bestattungsrituals gewesen sein. Zudem zeigen die Bodenschichten über und unter dem Scheiterhaufen Spuren weiterer Feuer, die teils mehrere hundert Jahre vor und nach der eigentlichen Feuerbestattung entzündet wurden.


Diese wiederholten Brandereignisse deuten darauf hin, dass der Ort über Generationen hinweg eine besondere soziale oder symbolische Bedeutung hatte. Möglich ist, dass spätere Gruppen gezielt an diesen Platz zurückkehrten, um zu gedenken oder bestehende Erinnerungen an bedeutende Verstorbene wachzuhalten.


Neue Perspektiven auf frühe Jäger-und-Sammler-Gesellschaften


Der Fund stellt bisherige Annahmen über die soziale Organisation früher Jäger-und-Sammler-Gruppen infrage. Aufwendige Bestattungsrituale galten lange Zeit als Merkmal sesshafter Gesellschaften mit Landwirtschaft und komplexen Hierarchien. Die Feuerbestattung von Hora 1 zeigt nun, dass auch mobile Gemeinschaften ohne Ackerbau in der Lage waren, kollektive Rituale mit hohem materiellem und zeitlichem Aufwand zu organisieren.


Die Forschenden interpretieren dies als Hinweis auf ausgeprägte soziale Bindungen, gemeinschaftliche Entscheidungsprozesse und ein symbolisches Verständnis von Tod und Erinnerung. Zwar bleibt offen, welche genaue Bedeutung die Feuerbestattung für die damalige Gemeinschaft hatte, doch der Fund erweitert das Bild früher menschlicher Kulturen in Afrika erheblich.


Ein Meilenstein der afrikanischen Archäologie


Mit der Entdeckung von Hora 1 liegt erstmals ein gesicherter Nachweis für eine so frühe, intentional durchgeführte Feuerbestattung eines Erwachsenen in Afrika vor. Sie zeigt, dass komplexe Rituale und symbolische Praktiken tief in der Menschheitsgeschichte verwurzelt sind – deutlich früher, als es lange Zeit angenommen wurde.

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