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Wissenschaftliche Meldungen

Arktis im Wandel: Warum Rekordtemperaturen, Atlantifizierung und Permafrost-Tau globale Folgen haben

29.12.25, 14:56

Klima & Umwelt, Ökologie, Ozeanografie

Dramatische Collage zur Arktis-Erwärmung: schmelzender Gletscher und Eisbär auf treibender Eisscholle, aufgewühltes Meer, rostrot verfärbter Fluss in brennender Landschaft. Großes Warn-Headline im Bild: „Alarm in der Arktis – Extreme Erwärmung & Rekord-Verluste. Der Schock-Bericht 2025“.

Arktis im Rekordmodus: Der „Arctic Report Card 2025“ zeigt eine Region im rasanten Umbau


Die Arktis verändert sich nicht nur weiter, sie tut es schneller und mit weitreichenderen Folgen als noch vor zwei Jahrzehnten erwartet. Das ist der zentrale Befund des „Arctic Report Card 2025“, an dem internationale Forschungsteams und indigene Partner beteiligt waren. Für das Wasserjahr von Oktober 2024 bis September 2025 werden die höchsten arktischen Lufttemperaturen seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen vor rund 125 Jahren gemeldet. Besonders auffällig ist, dass Herbst, Winter und Sommer jeweils zu den wärmsten je gemessenen Jahreszeiten zählen. Der Bericht bestätigt damit erneut, dass sich die Arktis deutlich schneller erwärmt als der globale Durchschnitt.


Ein beschleunigter Wasserkreislauf verändert Landschaften und Ökosysteme


Mit der Erwärmung intensiviert sich der arktische Wasserkreislauf. Der Report beschreibt eine insgesamt „nassere“ Arktis, in der wärmere Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Für das Berichtsjahr werden außergewöhnlich hohe Niederschlagsmengen genannt, teilweise mit saisonalen Rekorden. Eine wichtige Rolle spielen dabei großräumige Wetterlagen, die feuchte Luftmassen aus südlicheren Breiten in die Polarregion transportieren. Die Folgen reichen von veränderten Abflussmustern in Flüssen bis hin zu instabileren Böden und zunehmender Erosion, insbesondere dort, wo Permafrost taut.


Schnee- und Meereisrückgang verstärken die Erwärmung


Ein zentrales Thema des Reports ist der fortschreitende Verlust von Schnee und Meereis. Die arktische Schneebedeckung im Frühsommer hat sich im Vergleich zu den 1960er Jahren etwa halbiert. Dieser Rückgang verstärkt die Erwärmung zusätzlich, weil dunklere Oberflächen mehr Sonnenenergie aufnehmen als helle, schneebedeckte Flächen. Auch beim Meereis werden neue Negativrekorde beschrieben. Das maximale Meereis im Frühjahr 2025 lag auf dem niedrigsten Stand der Satellitenzeitreihe, während das sommerliche Minimum erneut zu den niedrigsten jemals beobachteten Werten zählte. Besonders stark ist der Verlust von altem, dickem Eis, das bislang als stabilisierender Faktor galt.


Wärmere Ozeane und „Atlantifizierung“ des Arktischen Ozeans


Parallel zum Eisverlust erwärmt sich der Arktische Ozean deutlich. In mehreren Regionen lagen die Oberflächentemperaturen im Sommer 2025 klar über den langjährigen Mittelwerten. Der Report beschreibt zudem die fortschreitende sogenannte Atlantifizierung: Warmes, salzhaltiges Atlantikwasser dringt weiter nach Norden vor und verändert die Schichtung des Ozeans. Dadurch gelangt mehr Wärme in obere Wasserschichten, was das Meereis zusätzlich schwächt und marine Ökosysteme nachhaltig beeinflusst.


„Rostende Flüsse“ als sichtbares Zeichen des tauenden Permafrosts


Besonders eindrücklich sind die Beobachtungen zu den sogenannten „rostenden Flüssen“ in arktischem Alaska. In hunderten Einzugsgebieten haben sich ehemals klare Gewässer orange verfärbt. Ursache ist das Auftauen von Permafrostböden, wodurch Eisen und andere Stoffe freigesetzt werden. Diese chemischen Veränderungen gehen mit einer Versauerung des Wassers und erhöhten Konzentrationen von Spurenelementen einher. Der Report weist darauf hin, dass dies nicht nur ökologische Folgen hat, sondern auch Risiken für Trinkwasserquellen und die traditionelle Nutzung von Flüssen und Seen durch lokale Gemeinschaften birgt.


Ökosysteme zwischen Anpassung und Überforderung


Die ökologischen Folgen des schnellen Wandels sind vielschichtig. In den Ozeanen breiten sich zunehmend südlichere, boreale Arten aus, während typische arktische Arten regional unter Druck geraten. An Land zeigen Satellitendaten in vielen Regionen ein „Grünerwerden“ der Tundra durch längere Vegetationsperioden. Gleichzeitig betont der Report, dass diese Entwicklung nicht einheitlich ist: Brände, extreme Wetterereignisse oder Bodeninstabilität können lokal auch zu einem Rückgang der Vegetation führen.


Beobachtung, Wissen und Anpassung


Der „Arctic Report Card 2025“ unterstreicht schließlich die Bedeutung langfristiger Beobachtungssysteme. Angesichts der Geschwindigkeit der Veränderungen werden kontinuierliche Messungen immer wichtiger, um Risiken frühzeitig zu erkennen. Gleichzeitig hebt der Bericht die Rolle indigener Wissenssysteme hervor, die Veränderungen in Eis, Wetter und Ökosystemen seit Generationen dokumentieren. Die Verbindung von moderner Wissenschaft und lokalem Erfahrungswissen gilt als entscheidend, um Anpassungsstrategien in einer sich rasch wandelnden Arktis zu entwickeln.

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