Wissenschaftliche Meldungen
Cannabis bei chronischen Schmerzen: Mäßige Linderung, deutliche Nebenwirkungen
1.1.26, 14:43
Medizin

THC kann Schmerzen lindern – aber nur begrenzt und nicht risikofrei
Cannabis-basierte Produkte werden vielfach als natürliche Alternative bei chronischen Schmerzen angepriesen. Eine aktuelle Übersichtsstudie unter Federführung des American College of Physicians hat nun die bisher verfügbaren klinischen Studien zusammengefasst und systematisch ausgewertet. Die zentrale Erkenntnis: Cannabisprodukte mit hohem THC-Gehalt können bei einigen Formen chronischer Schmerzen leichte, aber nur kurzfristige Erleichterung bringen – gleichzeitig sind Nebenwirkungen jedoch deutlich häufiger als bei Placebo oder Nicht-Behandlung. Produkte mit nahezu ausschließlich CBD-Inhalt zeigten in den untersuchten Studien keinen klaren Nutzen.
Wissenschaftlicher Hintergrund: THC vs. CBD
Cannabis enthält zahlreiche chemische Verbindungen, darunter THC (Tetrahydrocannabinol), das für psychoaktive Effekte verantwortlich ist, und CBD (Cannabidiol), das nicht psychoaktiv wirkt und vielfach für medizinische Vorteile beworben wird. Die analysierten klinischen Studien mit mehr als 2 300 Patientinnen und Patienten ordneten Produkte nach ihrem THC-/CBD-Verhältnis und untersuchten deren Effektivität bei verschiedenen chronischen Schmerzformen, einschließlich neuropathischer Schmerzen. THC-reichere Präparate zeigten zwar modest positive Effekte auf Schmerzwahrnehmung und körperliche Funktion, diese Effekte waren jedoch klein und überwiegend kurzfristig. Produkte mit hohem CBD-Anteil allein konnten diese positiven Effekte nicht bestätigen.
Risiken und Nebenwirkungen im Blick
Ein zentrales Ergebnis der Übersichtsarbeit war, dass neben den geringfügigen Schmerzlinderungen auch Nebenwirkungen gehäuft auftraten. Dazu gehörten Symptome wie Schwindel, Müdigkeit, Übelkeit oder sedierende Effekte. Diese Begleiterscheinungen können bei unpassender Dosierung oder längerer Anwendung die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen. Die Nebenwirkungen traten besonders häufig bei THC-dominanten Präparaten auf.
Methodische Einordnung und Grenzen der Studienlage
Die ausgewerteten Studien waren überwiegend kurzfristige, placebokontrollierte Untersuchungen, was die Aussagekraft der Ergebnisse stärkt. Dennoch bleiben wesentliche Wissenslücken, insbesondere im Hinblick auf Langzeitwirkungen, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und den Nutzen für spezifische Patientengruppen. Viele heute frei verfügbare oder medizinisch eingesetzte Cannabisprodukte wurden bislang nicht in hochwertigen klinischen Studien geprüft. Die Autorinnen und Autoren der Übersichtsarbeit betonen daher, dass belastbare Aussagen zur langfristigen Sicherheit derzeit nicht möglich sind.
Kontext: Chronische Schmerzen als medizinische Herausforderung
Chronische Schmerzen zählen zu den komplexesten medizinischen Problemen, da sie häufig mehrere Ursachen haben und sich nur schwer medikamentös kontrollieren lassen. Viele Betroffene suchen deshalb nach ergänzenden oder alternativen Therapieansätzen. Die aktuelle Analyse trägt dazu bei, überhöhte Erwartungen zu korrigieren: Cannabis kann einzelnen Patientinnen und Patienten kurzfristig helfen, stellt jedoch keine universelle, risikofreie Lösung dar.
Fazit
Die verfügbare wissenschaftliche Evidenz zeigt, dass THC-haltige Cannabisprodukte chronische Schmerzen in bestimmten Fällen geringfügig lindern können, jedoch mit einem erhöhten Risiko für Nebenwirkungen verbunden sind. Für CBD-dominierte Präparate ohne THC ließ sich kein klarer therapeutischer Nutzen nachweisen. Die Ergebnisse unterstreichen den dringenden Bedarf an langfristigen, differenzierten klinischen Studien, um den medizinischen Stellenwert von Cannabis in der Schmerztherapie verlässlich zu bestimmen.
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