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Wissenschaftliche Meldungen

Daten, Jobs, Institute: Warum Trumps Einschnitte die Klimaforschung in den USA dauerhaft verändern könnten

30.12.25, 07:38

Klima & Umwelt, Politik

Dramatisches Titelbild zur Klimaforschung: Ein verlassenes Forschungsschiff mit rotem „Cancelled“-Stempel im Sturm, ein Wissenschaftler mit Karton voller Unterlagen wendet sich ab, zerfallende Messbojen und ein abstürzender Satellit im Hintergrund. Im Vordergrund liegen verstreute Dokumente mit der Aufschrift „Data lost“. Großes Text-Overlay: „Klimaforschung in Gefahr! Was bricht jetzt alles weg?“ sowie Warnhinweise zu gestrichenen Forschungsschiffen, abwandernden Experten und verschwindenden Daten.

Forschungsschiffe, Messdaten, Personal: Was gerade gleichzeitig wegbricht


Die Klimaforschung in den USA lebt von einer Infrastruktur, die man im Alltag selten wahrnimmt: Forschungsschiffe, Messbojen im Ozean, Satelliten, Datenportale und spezialisierte Teams in Behörden, die aus Rohdaten Vorhersagen, Risikokarten und Langzeitreihen erstellen. Seit Beginn von Donald Trumps zweiter Amtszeit wird diese Infrastruktur jedoch an mehreren Stellen gleichzeitig geschwächt – mit Folgen, die weit über einzelne Projekte hinausreichen und ganze Forschungszweige betreffen könnten.


Besonders deutlich zeigt sich das bei der ozeanographischen Forschung. Das Netzwerk der US-Forschungsschiffe, das monatelange Expeditionen ermöglicht, verzeichnet Projektverschiebungen und deutlich weniger geplante Einsätze. Auffällig ist, dass selbst für das kommende Jahr ungewöhnlich wenige Missionen fest terminiert sind. In der Forschung gilt das als Warnsignal: Langfristige Projekte lassen sich nicht kurzfristig improvisieren, fehlende Planung bedeutet in der Praxis oft den Verlust ganzer Messkampagnen.


Behördenabbau und Wissensverlust: Wenn Spezialisten gehen


Die Einschnitte sind nicht nur eine Frage der Finanzierung, sondern vor allem des Personals. Kündigungen, Rücktritte und Frühverrentungen haben zahlreiche hochspezialisierte Fachkräfte aus Bundesbehörden verdrängt. Betroffen sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die an Klimamodellen, Hitzewellenprognosen oder langfristigen Beobachtungsprogrammen arbeiteten. Mit ihnen verschwindet nicht nur Arbeitskraft, sondern auch institutionelles Wissen, das sich nicht schnell ersetzen lässt.


Ein besonders sensibles Feld ist das Monitoring von Meeressäugern. Programme zur akustischen Überwachung bedrohter Walarten liefern Daten, die genutzt werden, um Schifffahrtsrouten oder Fischereiaktivitäten zeitweise anzupassen. Der Wegfall zuständiger Experten bedeutet hier nicht nur weniger Forschung, sondern auch schlechtere Entscheidungsgrundlagen für den Artenschutz – gerade in einer Phase, in der sich Tierwanderungen durch den Klimawandel verändern.


Klimadaten im Umbruch: Weniger öffentlich, stärker fragmentiert


Parallel zum Personalabbau verändert sich der Umgang mit Klimadaten. Inhalte und Werkzeuge verschwinden aus staatlichen Onlineportalen oder werden eingeschränkt zugänglich gemacht. Teilweise springen zivilgesellschaftliche Organisationen oder private Initiativen ein, um Informationen weiterhin bereitzustellen. Doch auch sie sind auf staatliche Rohdaten angewiesen und müssen Prioritäten setzen – oft nach finanziellen Möglichkeiten statt nach gesellschaftlichem Bedarf.


Diese Entwicklung birgt ein strukturelles Risiko: Klimadaten entfalten ihren Wert erst durch kontinuierliche Pflege, Kontextualisierung und öffentliche Verfügbarkeit. Werden diese Aufgaben ausgelagert oder unterbrochen, drohen Datenlücken und eine zunehmende Fragmentierung des Wissens, selbst wenn einzelne Datensätze formal weiter existieren.


Ein Institut als Symbol: Der politische Umbau der Klimaforschung


Besonders symbolträchtig ist die Ankündigung der Regierung, ein zentrales US-Forschungszentrum für Atmosphären- und Klimawissenschaften massiv umzustrukturieren oder aufzulösen. Begründet wird dies mit dem Vorwurf eines angeblichen „Klimaalarmismus“. Zugleich sind weitreichende Kürzungen bei Forschungsprogrammen angekündigt, die für Wetter- und Klimamodelle von zentraler Bedeutung sind.


Dabei sind Wetter- und Klimaforschung eng miteinander verknüpft. Kurzfristige Wettervorhersagen benötigen langfristige Klimadaten, und Risikomodelle für Extremereignisse basieren auf jahrzehntelangen Messreihen. Zwar ist davon auszugehen, dass wirtschaftlich relevante Daten weiterhin erhoben werden, doch ohne die entsprechenden Fachstellen leidet deren Qualität, Einordnung und langfristige Vergleichbarkeit.


Internationale Folgen: Rückzug mit Langzeitwirkung


Langfristig könnte sich der politische Kurs auch international auswirken. Klimaforschung ist ein global vernetztes Feld, in dem Daten, Modelle und Standards gemeinsam entwickelt werden. Wenn die USA ihren Beitrag reduzieren, verlieren sie nicht nur wissenschaftliche Kapazitäten, sondern auch Einfluss auf internationale Forschungsagenden.


Besonders problematisch sind dabei Unterbrechungen von Zeitreihen und der Verlust einer ganzen Forschergeneration. Solche Lücken lassen sich später kaum schließen. Selbst wenn Programme in Zukunft wieder aufgebaut würden, blieben fehlende Datenjahre dauerhaft ein Unsicherheitsfaktor in Modellen und Bewertungen.


Gesichert ist, dass politische Entscheidungen bereits jetzt Projekte verzögern, Personal vertreiben und Forschungsstrukturen schwächen. Offen bleibt, wie stark Parlamente künftige Budgetkürzungen noch abmildern können. In der Klimaforschung gilt jedoch ein grundlegendes Prinzip: Verlorene Zeit und verlorene Daten lassen sich nicht nachholen – ihre Abwesenheit prägt wissenschaftliche Erkenntnisse für Jahrzehnte.

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