Wissenschaftliche Meldungen
Käse für das Gehirn? Studie verknüpft fettreiche Milchprodukte mit geringerem Demenzrisiko
28.12.25, 11:28
Medizin, Ernährung

Worum es geht
Kann ausgerechnet fettreicher Käse dem Gehirn guttun? Eine neue Auswertung aus Schweden berichtet über einen statistischen Zusammenhang zwischen dem regelmäßigen Konsum bestimmter fettreicher Milchprodukte und einem geringeren Demenzrisiko. Die Ergebnisse wurden in der neurologischen Fachliteratur veröffentlicht und anschließend journalistisch aufgegriffen. Sie fügen sich in eine wachsende Zahl von Studien ein, die zeigen, dass die gesundheitlichen Effekte von Lebensmitteln nicht allein vom Fettgehalt abhängen.
Wie die Studie aufgebaut war
Grundlage ist die sogenannte Malmö Diet and Cancer-Kohorte. In die Analyse gingen 27.670 Erwachsene ein, die zu Beginn der Untersuchung keine Demenz hatten. Die Teilnehmenden wurden im Mittel rund 25 Jahre lang beobachtet; in diesem Zeitraum traten 3.208 Demenzfälle auf. Zu Studienbeginn wurde die Ernährung detailliert erfasst, unter anderem mit Ernährungsprotokollen, Fragebögen und Interviews zu langfristigen Essgewohnheiten.
Was genau gefunden wurde
Am deutlichsten zeigte sich der Zusammenhang bei Käse und Sahne mit hohem Fettgehalt. Personen, die täglich mindestens 50 Gramm fettreichen Käse konsumierten, hatten im Vergleich zu Menschen mit sehr niedrigem Konsum ein um etwa 13 Prozent geringeres Risiko, im Verlauf der Studie an Demenz zu erkranken. Für vaskuläre Demenz, also eine Form der Erkrankung, die mit Durchblutungsstörungen im Gehirn zusammenhängt, lag der Unterschied sogar bei rund 29 Prozent.
Auch für fettreiche Sahne ergab sich ein Zusammenhang: Wer täglich etwa 20 Gramm verzehrte, wies ein um rund 16 Prozent niedrigeres Demenzrisiko auf. Für fettarme Milchprodukte, Milch, Butter oder fermentierte Produkte wie Joghurt oder Kefir fanden die Forschenden keinen vergleichbaren Effekt.
Mögliche Erklärungen – und offene Fragen
Warum ausgerechnet fettreicher Käse in den Daten „günstig“ abschneidet, ist unklar. Diskutiert werden Unterschiede in der sogenannten Lebensmittelmatrix: Käse ist fermentiert, enthält Eiweiß, Calcium und fettlösliche Vitamine und bindet Fett anders als Butter oder Milch. Auch Zubereitungsgewohnheiten könnten eine Rolle spielen, da Käse in Schweden meist ungekocht verzehrt wird. All das sind plausible Hypothesen – bewiesen sind sie nicht.
Die wichtigste Einschränkung
Entscheidend ist: Die Studie zeigt keinen Ursache-Wirkungs-Nachweis. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die Zusammenhänge, aber keine direkten Effekte belegen kann. Denkbar ist, dass Käsekonsum ein Marker für andere Faktoren ist, etwa Lebensstil, Bildungsniveau oder allgemeine Ernährungsqualität, die das Demenzrisiko ebenfalls beeinflussen. Zudem wurde die Ernährung nicht über den gesamten Zeitraum hinweg kontinuierlich neu erfasst, obwohl sich Essgewohnheiten über Jahrzehnte verändern können.
Einordnung
Die Ergebnisse stellen gängige Vorstellungen infrage, nach denen fettreiche Lebensmittel grundsätzlich als ungünstig gelten. Sie liefern jedoch keine Empfehlung, gezielt mehr Käse oder Sahne zu essen, um Demenz vorzubeugen. Für die Prävention sind andere Faktoren deutlich besser belegt, darunter Bewegung, Blutdruckkontrolle, Nichtrauchen, ein gesundes Körpergewicht und die Behandlung kardiovaskulärer Risiken. Die Studie liefert vor allem Hinweise darauf, welche Ernährungsaspekte in zukünftigen, strengeren Studien weiter untersucht werden sollten.
Mehr Science-News unter wissenschaftswelle.de/nachrichten/.
Weitere aktuelle Meldungen findest du hier:
- 2Seite 2










