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Leben auf frischer Lava: Mikroben besiedeln Islands Vulkan schneller als erwartet
27.12.25, 06:14
Klima & Umwelt, Geowissenschaften

Forscher entdecken extrem frühe Besiedlung erstarrter Lava am Vulkan Fagradalsfjall
Noch vor wenigen Jahren galt frisch erstarrte Lava als nahezu lebensfeindlich. Extreme Hitze, fehlende organische Nährstoffe und hohe chemische Reaktivität schienen biologische Prozesse für lange Zeit unmöglich zu machen. Eine aktuelle Studie aus Island stellt diese Annahme nun grundlegend infrage. Am Vulkan Fagradalsfjall konnten Forschende nachweisen, dass mikrobielles Leben bereits wenige Stunden nach dem Abkühlen der Lava einsetzt.
Die Ergebnisse, über die das Wissenschaftsportal Noticias Ambientales berichtet, zeigen, dass bestimmte Mikroorganismen deutlich widerstandsfähiger sind als bislang angenommen. Die Lavafelder des Vulkans, der in den vergangenen Jahren wiederholt aktiv war, boten dabei ein ideales natürliches Labor, um frühe Besiedlungsprozesse unter extremen Bedingungen zu beobachten.
Überraschend schnelle Rückkehr des Lebens
Die Wissenschaftler untersuchten frisch erstarrte Lavaoberflächen unmittelbar nach Eruptionen und fanden dort bereits Spuren mikrobieller Aktivität. Dabei handelt es sich vor allem um Bakterien und Archaeen, die Energie aus anorganischen chemischen Reaktionen gewinnen können. Diese sogenannten chemolithoautotrophen Mikroorganismen benötigen weder Sonnenlicht noch organisches Material, um zu überleben.
Bislang ging die Forschung davon aus, dass solche Lebensformen erst nach Wochen oder Monaten auftreten, wenn Verwitterung einsetzt und erste Nährstoffe verfügbar werden. Die neuen Beobachtungen zeigen jedoch, dass mikrobielle Pioniere nahezu sofort geeignete ökologische Nischen nutzen.
Bedeutung für Erd- und Astrobiologie
Die Entdeckung hat weitreichende Konsequenzen für das Verständnis der frühen Erde. Vulkanische Landschaften dominierten den jungen Planeten über Millionen von Jahren. Dass Leben sich unter solchen Bedingungen schneller etablieren kann als gedacht, stützt die Hypothese, dass biologische Prozesse sehr früh in der Erdgeschichte eingesetzt haben könnten.
Darüber hinaus ist die Studie auch für die Astrobiologie von Bedeutung. Lavaähnliche Gesteinsformationen existieren etwa auf dem Mars oder auf Jupiters Mond Io. Wenn Mikroorganismen auf der Erde in der Lage sind, frisch erkaltete Lava nahezu sofort zu besiedeln, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit, dass auch auf anderen Himmelskörpern primitive Lebensformen entstehen oder überdauern könnten.
Vorsichtige Einordnung der Ergebnisse
Die Forschenden betonen jedoch, dass es sich um erste Beobachtungen handelt. Ob sich aus diesen frühen mikrobiellen Gemeinschaften langfristig stabile Ökosysteme entwickeln, ist noch offen. Ebenso ist unklar, wie verbreitet dieses Phänomen in anderen vulkanischen Regionen der Erde ist.
Dennoch zeigt die Untersuchung eindrucksvoll, wie anpassungsfähig Leben sein kann – selbst unter Bedingungen, die lange Zeit als nahezu unbewohnbar galten.
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