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mRNA-Impfstoffe und Myokarditis: Stanford-Studie liefert neue Erklärungen
28.12.25, 08:43
Medizin

Seltene Nebenwirkung mit bislang ungeklärter Ursache
Seit Beginn der weltweiten COVID-19-Impfkampagnen ist bekannt, dass mRNA-Impfstoffe in sehr seltenen Fällen mit einer Herzmuskelentzündung, medizinisch Myokarditis, in Verbindung stehen können. Besonders betroffen sind junge Männer, meist wenige Tage nach der zweiten Impfdosis. Trotz intensiver Überwachung blieb jedoch lange unklar, welcher biologische Mechanismus hinter dieser Nebenwirkung steckt. Eine neue Studie von Forschenden der Stanford University liefert nun erstmals eine plausible, experimentell gestützte Erklärung.
Überreaktion des Immunsystems als zentraler Faktor
Die in ScienceDaily vorgestellten Ergebnisse deuten darauf hin, dass nicht der mRNA-Impfstoff selbst direkt den Herzmuskel schädigt, sondern eine fehlgeleitete Immunreaktion. Demnach kommt es bei einem kleinen Teil der Geimpften zu einer ungewöhnlich starken Aktivierung bestimmter Immunzellen, insbesondere zytotoxischer T-Zellen. Diese Zellen sollen eigentlich virusinfizierte Körperzellen erkennen und zerstören, reagieren in diesen Fällen jedoch auch auf Herzmuskelzellen, die kurzzeitig virale Spike-Proteine präsentieren.
Die Spike-Proteine entstehen, weil Herzmuskelzellen – wie viele andere Zelltypen – die injizierte mRNA aufnehmen und für kurze Zeit das entsprechende Protein herstellen. Bei den allermeisten Menschen bleibt dieser Prozess folgenlos. Bei genetisch oder immunologisch prädisponierten Personen kann dies jedoch ausreichen, um eine überschießende Entzündungsreaktion auszulösen.
Warum vor allem junge Männer betroffen sind
Die Studie liefert auch Hinweise darauf, weshalb Myokarditis nach mRNA-Impfungen überwiegend bei jungen Männern auftritt. Eine Rolle spielen offenbar hormonelle Einflüsse, insbesondere Testosteron, das bestimmte Immunreaktionen verstärken kann. Zudem reagiert das Immunsystem junger Menschen insgesamt schneller und intensiver als das älterer Personen. Beides zusammen könnte erklären, warum gerade diese Gruppe ein leicht erhöhtes Risiko trägt, während die absolute Häufigkeit weiterhin sehr niedrig bleibt.
Ansatzpunkte zur Risikoreduktion
Neben der Ursachenklärung benennt die Stanford-Arbeitsgruppe auch mögliche Strategien zur weiteren Minimierung des Risikos. Dazu zählen angepasste Dosierungen, größere Abstände zwischen den Impfdosen oder modifizierte mRNA-Sequenzen, die eine geringere Expression des Spike-Proteins im Herzgewebe bewirken. Diese Ansätze befinden sich jedoch noch im Forschungsstadium und sind nicht Bestandteil aktueller Impfempfehlungen.
Die Autorinnen und Autoren betonen ausdrücklich, dass der Nutzen der mRNA-Impfstoffe das Risiko dieser seltenen Nebenwirkung weiterhin deutlich überwiegt. Eine COVID-19-Infektion selbst ist mit einem erheblich höheren Myokarditis-Risiko verbunden als die Impfung.
Einordnung und offene Fragen
Die Studie liefert einen wichtigen Baustein zum Verständnis impfassoziierter Myokarditis, beantwortet jedoch nicht alle Fragen. Unklar bleibt etwa, welche genetischen oder immunologischen Marker eine individuelle Anfälligkeit vorhersagen könnten. Auch ist noch offen, inwieweit die beschriebenen Mechanismen auf zukünftige mRNA-Impfstoffe gegen andere Krankheiten übertragbar sind.
Fest steht jedoch: Die neuen Daten verbessern die wissenschaftliche Grundlage für die Weiterentwicklung sicherer Impfstoffe und tragen dazu bei, bekannte Risiken transparenter und präziser einzuordnen.
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