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Wissenschaftliche Meldungen

Neuer Ansatz zur Behandlung von Demenz: Lipid-Therapie zeigt vielversprechende Ergebnisse

26.12.25, 16:47

Medizin

Illustration eines menschlichen Kopfes im Profil mit leuchtend rot dargestelltem Gehirn und hervorgehobenen Blutgefäßen. Eine Lupe zeigt ein verengtes Blutgefäß mit Blutkörperchen. Auf dem Bild steht der Text: „Neue Studie zeigt: Schlechte Hirndurchblutung = höheres Demenz-Risiko! Warum sind unsere Gefäße so entscheidend?“

Warum die Hirndurchblutung eine Schlüsselrolle spielt


Demenz ist keine einzelne Krankheit, sondern ein Sammelbegriff für neurodegenerative Störungen mit fortschreitendem Verlust von Gedächtnis, Denk- und Alltagsfunktionen. Neben bekannten Faktoren wie Proteinablagerungen rückt seit einigen Jahren zunehmend die Durchblutung des Gehirns in den Fokus der Forschung.


Das Gehirn ist auf eine präzise regulierte Blutversorgung angewiesen: Aktive Nervenzellen benötigen kurzfristig mehr Sauerstoff und Nährstoffe, worauf sich die umliegenden Blutgefäße anpassen müssen. Ist diese Feinsteuerung gestört, werden Hirnareale chronisch unterversorgt – ein Mechanismus, der insbesondere bei vaskulärer Demenz, aber auch bei Alzheimer-Erkrankungen eine Rolle spielt.


Die neue Studie: Ein Lipidmangel bringt Gefäßsteuerung aus dem Gleichgewicht


Ein Forschungsteam um den Neurobiologen Osama Harraz untersuchte die molekularen Ursachen dieser Fehlregulation. Im Zentrum steht das Protein Piezo1, ein mechanosensitiver Ionenkanal in den Zellen der Hirngefäße. Piezo1 reagiert auf Blutfluss und Druck und steuert dadurch, wie stark sich Gefäße verengen oder erweitern.


Die zentrale Entdeckung der Studie:
Piezo1 funktioniert nur dann stabil, wenn in der Zellmembran ausreichend von einem bestimmten Lipid vorhanden ist – Phosphatidylinositol-4,5-bisphosphat (PIP₂).


  • PIP₂ wirkt im gesunden Zustand als eine Art Regulator, der Piezo1 in einem ausgewogenen Aktivitätsbereich hält.

  • Sinkt der PIP₂-Spiegel, wird Piezo1 überaktiv.

  • Die Folge ist eine gestörte Gefäßreaktion, die den Blutfluss im Gehirn ungleichmäßig und ineffizient macht.


Diese Fehlsteuerung kann dazu führen, dass Nervenzellen trotz grundsätzlich vorhandener Blutversorgung nicht mehr ausreichend versorgt werden.


Experimentelle Ergebnisse: Normalisierung des Blutflusses


In präklinischen Modellen zeigte sich, dass eine gezielte Wiederherstellung der PIP₂-Konzentration in den Gefäßzellen:


  • die Überaktivität von Piezo1 zurücksetzt,

  • die Reaktionsfähigkeit der Blutgefäße normalisiert,

  • und damit den physiologischen Blutfluss im Gehirn wiederherstellt.


Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass nicht primär die Nervenzellen selbst, sondern die gestörte Kommunikation zwischen Gefäßen und Gehirn ein entscheidender Krankheitsfaktor sein könnte.


Einordnung: Chancen und Grenzen


Die Studie eröffnet eine neue therapeutische Perspektive, da sie Demenz stärker als neurovaskuläre Erkrankung begreift. Ein Lipid-basierter Ansatz unterscheidet sich grundlegend von bisherigen Therapien, die vor allem auf Amyloid- oder Tau-Proteine abzielen.


Gleichzeitig ist Zurückhaltung geboten:


  • Die Ergebnisse stammen bislang nicht aus klinischen Studien am Menschen.

  • Ob sich PIP₂-Spiegel gezielt und sicher beeinflussen lassen, ist offen.

  • Langfristige Effekte auf Kognition und Krankheitsverlauf sind noch nicht untersucht.


Fazit


Die Arbeit liefert überzeugende Hinweise darauf, dass ein bislang wenig beachtetes Membranlipid eine zentrale Rolle bei der Durchblutungsregulation des Gehirns spielt. Sollte sich der Ansatz in weiteren Studien bestätigen, könnte er den Weg für neue Therapien gegen vaskuläre und gemischte Demenzformen ebnen – mit einem Fokus auf die Gefäße statt ausschließlich auf Nervenzellen.

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