Wissenschaftliche Meldungen
Riesiges rotierendes Galaxien-Filament entdeckt – Neues Puzzlestück im kosmischen Netz
26.12.25, 15:01
Astronomie, Kosmologie

Eine rotierende Struktur von außergewöhnlichem Ausmaß
Astronomen haben eine der bislang größten bekannten rotierenden Strukturen im Universum identifiziert: ein mehrere hundert Millionen Lichtjahre langes kosmisches Filament, in dem zahlreiche Galaxien nicht zufällig angeordnet sind, sondern eine gemeinsame Rotationsbewegung zeigen. Die Galaxien innerhalb dieses Filaments scheinen ihre Drehimpulse aufeinander abgestimmt zu haben – ein Phänomen, das Forschende als „spin-synchronisiert“ beschreiben.
Solche Filamente sind zentrale Bestandteile des sogenannten kosmischen Netzes, jener großräumigen Struktur, in der sich Galaxien und Galaxienhaufen entlang von fadenartigen Materieströmen anordnen. Dass ein einzelnes Filament als Ganzes rotiert, galt lange als theoretisch möglich, war bislang jedoch nur auf deutlich kleineren Skalen beobachtet worden.
Präzise Vermessung durch moderne Himmelsdurchmusterungen
Die Entdeckung basiert auf der Auswertung umfangreicher astronomischer Datensätze, in denen Positionen, Bewegungen und Rotationsrichtungen tausender Galaxien analysiert wurden. Mithilfe statistischer Verfahren konnten die Forschenden zeigen, dass die Drehachsen der Galaxien innerhalb des Filaments nicht zufällig verteilt sind, sondern eine gemeinsame Orientierung aufweisen. Diese Ausrichtung erstreckt sich über Entfernungen, die die Dimensionen einzelner Galaxienhaufen bei Weitem übersteigen.
Damit liefert die Beobachtung einen direkten Hinweis darauf, dass Prozesse im frühen Universum nicht nur die Verteilung der Materie, sondern auch deren Rotationsverhalten auf extrem großen Skalen beeinflusst haben.
Herausforderung für gängige Modelle der Kosmologie
Nach gängigen kosmologischen Modellen entstehen Galaxien und ihre Drehimpulse hauptsächlich durch lokale Wechselwirkungen, etwa durch gravitative Einflüsse benachbarter Strukturen. Die nun beobachtete großskalige Synchronisation deutet jedoch darauf hin, dass auch das kosmische Umfeld – insbesondere die Strömung von Materie entlang der Filamente – eine entscheidende Rolle spielt.
Das rotierende Filament könnte demnach wie eine Art kosmisches Förderband wirken, das Galaxien nicht nur formt und mit Materie versorgt, sondern ihnen auch eine bevorzugte Drehrichtung mitgibt. Dies hat direkte Konsequenzen für Simulationen der Galaxienentstehung, die bislang oft von statistisch zufälligen Rotationsrichtungen auf großen Skalen ausgehen.
Einblicke in die Rolle der Dunklen Materie
Besonders interessant ist die Entdeckung auch im Zusammenhang mit der Dunklen Materie. Kosmische Filamente bestehen zu einem großen Teil aus dieser unsichtbaren Substanz, deren Gravitation die sichtbare Materie lenkt. Die gemeinsame Rotation könnte darauf hindeuten, dass Dunkle Materie-Strukturen selbst einen globalen Drehimpuls besitzen, der sich auf die eingebetteten Galaxien überträgt.
Damit eröffnet sich eine neue Möglichkeit, indirekt Eigenschaften der Dunklen Materie zu untersuchen – über die Dynamik der größten Strukturen im Universum.
Bedeutung für das Verständnis des Universums
Die Beobachtung eines rotierenden Galaxien-Filaments markiert einen wichtigen Schritt hin zu einem umfassenderen Verständnis der kosmischen Großstrukturen. Sie zeigt, dass Ordnung und Dynamik im Universum auf deutlich größeren Skalen existieren als bisher angenommen. Künftige Himmelsdurchmusterungen und präzisere Simulationen sollen nun klären, wie häufig solche rotierenden Filamente sind und welche Rolle sie bei der Entstehung von Galaxien und Galaxienhaufen spielen.
Fest steht: Das kosmische Netz ist nicht nur ein statisches Gerüst aus Materie – es ist ein dynamisches System, dessen Bewegungen bis heute die Entwicklung des Universums prägen.
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