Wissenschaftliche Meldungen
SpaceX knackt den nächsten Rekord: 165 Orbitalstarts 2025 – wie Wiederverwendung die Raumfahrt beschleunigt
31.12.25, 23:34
Raumfahrt

SpaceX erreicht 165 Orbitalstarts und baut die Dominanz weiter aus
SpaceX hat 2025 erneut einen Meilenstein in der Startstatistik gesetzt: 165 Orbitalmissionen in nur einem Kalenderjahr. Damit steigert das Unternehmen seine eigene Rekordmarke zum sechsten Mal in Folge. Die Entwicklung ist bemerkenswert steil: Von 25 Orbitalstarts im Jahr 2020 kletterte die Zahl über 31 (2021), 61 (2022), 96 (2023) und 134 (2024) nun auf 165 (2025). In der Praxis bedeutet das eine Kadenz von nahezu einem Start alle zwei Tage – eine Frequenz, die derzeit kein anderer Akteur in dieser Regelmäßigkeit erreicht.
Die Dimension zeigt sich auch im nationalen Vergleich: Rund 85 Prozent aller US-Orbitalstarts des Jahres 2025 sollen auf SpaceX entfallen. International ordnet der Bericht die Leistung ebenfalls ein: SpaceX habe nahezu doppelt so viele Orbitalmissionen durchgeführt wie China im selben Zeitraum. Solche Vergleiche hängen zwar davon ab, wie Starttypen und Zählweisen jeweils abgegrenzt werden, sie verdeutlichen aber die zentrale Aussage: Die Startkapazität von SpaceX prägt inzwischen die Gesamtstatistik ganzer Raumfahrtnationen.
Falcon 9 als Arbeitspferd: Wiederverwendung wird zum Standard
Auffällig ist, dass SpaceX diese Rekordzahl ausschließlich mit einem Raketentyp erreicht hat. Sämtliche 165 Orbitalstarts wurden demnach mit Falcon 9 durchgeführt, deren erste Stufe wiederverwendbar ist. Die schwerere Falcon Heavy blieb 2025 offenbar komplett am Boden und war zuletzt im Oktober 2024 im Einsatz. Damit wird klar, worauf das Geschäftsmodell im Orbit derzeit vor allem beruht: auf hoher Taktung, Routineprozessen und der systematischen Wiederverwendung einheitlicher Hardware.
Besonders aussagekräftig ist die Landebilanz. Von 165 Starts kehrten die Erststufen in allen bis auf drei Fällen sicher zurück. Zwei der Ausnahmen waren demnach besonders schwere Missionen zu einem geostationären Transferorbit, bei denen nach dem Aufstieg nicht genug Treibstoff für die Rückkehr blieb. Der dritte Fall war kein „geplantes Wegwerfen“, sondern ein technischer Zwischenfall: Bei einem Starlink-Start im März setzte der Booster zwar auf einem Drohnenschiff auf, kippte aber anschließend nach einem Brand um – offenbar, weil eine Landestütze beschädigt wurde. Für die Zuverlässigkeitsbewertung ist diese Differenz wichtig: Nicht jede verlorene Stufe ist ein Fehlstart, aber jede nicht wiederverwendete Stufe schmälert den Effizienzgewinn des Systems.
Starlink treibt die Startzahlen – und füllt den Orbit weiter
Der stärkste Treiber hinter dem Starttempo bleibt Starlink. Laut dem Bericht entfielen 123 der 165 Falcon-9-Starts auf Missionen für das eigene Satelliteninternet. Zusammengenommen hätten diese Flüge mehr als 3.000 Starlink-Satelliten in den Orbit gebracht. Die aktive Flotte beziffert Space.com dabei auf mehr als 9.300 einsatzfähige Raumfahrzeuge.
Das ist technisch und gesellschaftlich relevant zugleich. Technisch, weil die Massenfertigung, das schnelle Turnaround-Management der Booster und die standardisierten Startabläufe hier in einer Größenordnung greifen, die früher unvorstellbar war. Gesellschaftlich und politisch, weil eine so große kommerzielle Konstellation Fragen zu Funkkoordination, Kollisionsvermeidung und langfristiger Nachhaltigkeit im erdnahen Orbit verschärft. Der Rekord ist also nicht nur ein sportlicher Wert, sondern ein Indikator dafür, wie schnell sich die Infrastruktur im All verdichtet.
Weitere Meilensteine: 500 Landungen, 500 Wiederverwendungsstarts und ein Booster mit 32 Flügen
Neben der Jahresrekordzahl nennt der Bericht mehrere runde Marken, die die Industrialisierung der Startsysteme unterstreichen. SpaceX habe 2025 die 500. Raketenlandung erreicht und zudem den 500. Start einer bereits geflogenen Rakete. Ebenfalls hervorgehoben wird ein neuer Bestwert bei der Wiederverwendung einzelner Erststufen: Der Rekord für die meisten Missionen eines einzelnen Falcon-9-Boosters liege nun bei 32 Flügen.
Solche Kennzahlen sind für Außenstehende manchmal abstrakt, aber sie beschreiben einen Kernumbruch der Raumfahrtökonomie. Wo früher ein Orbitalstart meist mit maßgeschneiderter Hardware und langen Vorlaufzeiten verbunden war, nähert sich der Betrieb bei SpaceX in Teilen einem Airline-Prinzip an: hohe Nutzung, standardisierte Wartung und möglichst kurze Standzeiten zwischen Einsätzen. Dass dieser Ansatz funktioniert, lässt sich an der Kombination aus Startmenge und Rückkehrquote ablesen – auch wenn einzelne Zwischenfälle zeigen, dass hohe Kadenz neue Belastungsprofile mit sich bringt.
Starship bleibt der „nächste Schritt“ – mit offenem Zeitplan
Parallel zur Falcon-9-Flotte liefen 2025 laut Space.com fünf suborbitale Testflüge von Starship, dem vollständig wiederverwendbaren System, das SpaceX langfristig als Arbeitspferd für schwere Lasten und interplanetare Missionen positioniert. Der Bericht beschreibt die Testserie als gemischt: Bei den ersten drei Flügen des Jahres ging demnach mindestens eine der beiden Stufen verloren, während die beiden jüngsten Flüge im August und Oktober als vollständige Erfolge gewertet werden.
Für 2026 stellt SpaceX deutlich mehr Starship-Aktivität in Aussicht, inklusive des ersten Orbitalflugs. Sogar ein unbemannter Marsflug wird als Möglichkeit genannt – allerdings ausdrücklich nur für den Fall, dass außergewöhnlich vieles außergewöhnlich gut läuft. Genau hier liegt die journalistisch entscheidende Einordnung: Starship ist technologisch ambitionierter als Falcon 9, und der Übergang von Testkampagne zu verlässlichem Betrieb ist erfahrungsgemäß der schwierigste Abschnitt. Die Richtung ist klar, der Terminplan bleibt dagegen ein bewegliches Ziel.
Weitere aktuelle Meldungen findest du hier:
- 2Seite 2










