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Wackelnde Jets: Interstellarer Komet 3I/ATLAS gibt Einblick in fremde Planetensysteme
27.12.25, 12:38
Astronomie

Ein seltener Blick auf die Aktivität eines fremden Kometen
Astronominnen und Astronomen haben beim interstellaren Kometen 3I/ATLAS ein ungewöhnliches Phänomen beobachtet: Die Staub- und Gasstrahlen, sogenannte Jets, die vom Kometenkern ausgehen, zeigen ein deutlich wechselndes, „wackelndes“ Verhalten. Die Beobachtungen wurden von internationalen Forschungsteams ausgewertet und unter anderem von der The Times of India aufgegriffen. Sie liefern neue Hinweise darauf, wie sich ein Komet verhält, der nicht aus unserem Sonnensystem stammt.
Jets entstehen, wenn ein Komet sich der Sonne nähert und gefrorene Gase im Inneren sublimieren – also direkt vom festen in den gasförmigen Zustand übergehen. Das ausströmende Gas reißt Staubpartikel mit sich und bildet schmale, oft gut sichtbare Strahlen. Beim Kometen 3I/ATLAS jedoch verändern diese Jets ihre Richtung und Intensität ungewöhnlich stark über kurze Zeiträume hinweg.
Hinweise auf einen komplexen inneren Aufbau
Nach Einschätzung der Forschenden deutet dieses instabile Verhalten darauf hin, dass der Kometenkern eine unregelmäßige Struktur besitzt. Anders als viele bekannte Kometen aus dem Kuipergürtel oder der Oortschen Wolke könnte 3I/ATLAS aus Schichten mit sehr unterschiedlicher Zusammensetzung bestehen. Wenn verschiedene Regionen des Kerns zeitlich versetzt aktiv werden, entstehen Jets, die scheinbar „taumeln“ oder ihre Ausrichtung wechseln.
Ein weiterer Erklärungsansatz ist eine schnelle oder ungleichmäßige Rotation des Kometen. Dreht sich der Kern unregelmäßig, können aktive Stellen immer wieder in Sonnenlicht geraten und anschließend wieder im Schatten liegen. Das würde erklären, warum die Gas- und Staubstrahlen nicht stabil in eine Richtung zeigen, sondern sich sichtbar verschieben.
Warum interstellare Kometen so wertvoll sind
Interstellare Objekte wie 3I/ATLAS sind extrem seltene Forschungsgelegenheiten. Sie stammen aus anderen Planetensystemen und tragen Informationen über physikalische und chemische Prozesse, die außerhalb unseres Sonnensystems abgelaufen sind. Während Kometen aus der eigenen kosmischen Nachbarschaft Milliarden Jahre alte Relikte sind, liefern interstellare Besucher einen direkten Vergleich: Sind ihre Zusammensetzung und ihr Verhalten ähnlich – oder fundamental anders?
Die beobachteten wackelnden Jets sprechen eher für Unterschiede. Sie könnten darauf hindeuten, dass der Komet unter anderen Bedingungen entstanden ist als typische Sonnen-system-Kometen, etwa bei höheren Temperaturen oder mit einer anderen Mischung flüchtiger Stoffe wie Kohlenmonoxid, Kohlendioxid oder Methan.
Vorsichtige Interpretation der Ergebnisse
Die bisherigen Daten erlauben noch keine endgültigen Schlüsse. Die Beobachtungen basieren auf Teleskopmessungen über einen begrenzten Zeitraum, und interstellare Kometen sind schwer vorherzusagen, da sie oft erst spät entdeckt werden. Weitere Messungen – insbesondere spektroskopische Analysen der ausgestoßenen Gase – sind nötig, um die Zusammensetzung des Kerns genauer zu bestimmen.
Trotz dieser Unsicherheiten gilt die Entdeckung als wichtiger Schritt. Sie zeigt, dass interstellare Kometen nicht nur exotische Randerscheinungen sind, sondern aktive, dynamische Körper, die unser Verständnis von Kometen und Planetensystemen insgesamt erweitern können.
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