Wissenschaftliche Meldungen
Webb entdeckt Exoplanet mit Rußwolken und extrem kohlenstoffreicher Atmosphäre
29.12.25, 11:40
Astronomie, Kosmologie

Ein Planet, der eigentlich nicht existieren „dürfte“
Ein neu analysierter Exoplanet stellt derzeit einige Grundannahmen der Planetenforschung auf die Probe: PSR J2322–2650b ist etwa jupitermassig, umkreist aber keinen normalen Stern, sondern einen Pulsar – den ultraschnell rotierenden Überrest einer explodierten Sonne. Der Abstand ist extrem klein: rund 1,6 Millionen Kilometer, also etwa hundertmal näher als die Erde an der Sonne. Entsprechend rast der Planet in nur etwa 7,8 Stunden einmal um sein Zentralobjekt. In Berichten wird er deshalb als „lemonenförmig“ beschrieben, weil starke Gezeitenkräfte ihn verformen.
Ausgelöst wurde die Aufmerksamkeit durch Daten des James-Webb-Weltraumteleskops (JWST). Webb kann die Wärmestrahlung und Spektren des Planeten über die Umlaufbahn hinweg messen und so Rückschlüsse auf die chemische Zusammensetzung seiner Atmosphäre ziehen. Genau diese Zusammensetzung wirkt nach Angaben der beteiligten Forschenden „völlig anders als erwartet“.
Was Webb im Spektrum sieht – und warum das so seltsam ist
Das Team berichtet von einer Atmosphäre, die von Helium und Kohlenstoff dominiert wird. Auffällig sind Spektralsignaturen von molekularem Kohlenstoff wie C₂ und C₃, während typische Moleküle, die bei vielen Exoplaneten nachgewiesen werden, fehlen oder zumindest nicht dominieren: etwa Wasser, Methan oder Kohlendioxid. Besonders irritierend ist zudem, dass offenbar kaum Sauerstoff oder Stickstoff nachweisbar ist – Elemente, die in gängigen Szenarien der Planetenentstehung und -chemie fast immer eine Rolle spielen.
In der oberen Atmosphäre sollen zudem rußartige Partikel (“soot clouds”) eine Art Dunstschicht bilden. Die Idee von „Diamantwolken“ bzw. Diamanten, die sich tiefer in der Atmosphäre bilden könnten, ergibt sich aus den physikalischen Bedingungen: Bei hohem Druck kann Kohlenstoff kristallisieren. Entscheidend ist aber: Webb sieht keine „Diamanten“ als Körnchen im Bild, sondern liefert Spektren. Die Diamant-Interpretation ist ein plausibles, aber indirektes Szenario, das aus Chemie und Druckverhältnissen abgeleitet wird.
Warum der Pulsar die Deutung kompliziert macht
Pulsare senden extreme Strahlung und Teilchenwinde aus. Dass ausgerechnet in so einer Umgebung ein jupiterähnliches Objekt existiert, ist an sich schon selten. Die Forschenden diskutieren, ob PSR J2322–2650b in einem sogenannten „Black-Widow“-ähnlichen System entstanden sein könnte, bei dem ein Pulsar seinen Begleiter über lange Zeit „abträgt“. Doch selbst solche Modelle erklären die extreme Kohlenstoffdominanz bislang nicht überzeugend. Genau hier liegt der Kern der Geschichte: Nicht nur die Atmosphäre ist ungewöhnlich, auch die Entstehungsgeschichte passt in kein Standardmuster.
Einordnung: Sensation – aber mit klaren Grenzen
Die Messungen gelten als bemerkenswert, weil sie ein neues „Chemie-Regime“ im Exoplanetenvergleich eröffnen: ein Planet, dessen Atmosphäre offenbar extrem kohlenstoffreich ist und der zudem in einem exotischen Systemtyp steckt. Gleichzeitig ist die Lage datengetrieben, aber interpretativ: Spektren zeigen Moleküle und Partikel-Effekte, doch aus ihnen müssen Modelle die vertikale Atmosphärenstruktur, Temperaturverteilung und mögliche Kondensationsprozesse erschließen. Ob „Diamanten“ tatsächlich in relevanten Mengen entstehen, ist daher eine Hypothese mit physikalischer Grundlage – nicht ein direktes Beobachtungsfoto.
Als Quelle für die Meldung dient ein Artikel der Times of India (Datumsangabe dort: 28. Dezember 2025). Inhaltlich stützt sich die Berichterstattung auf eine wissenschaftliche Veröffentlichung in The Astrophysical Journal Letters sowie auf eine begleitende Darstellung von NASA zum Webb-Ergebnis.
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