Wissenschaftliche Meldungen
Wenn Geld verbindet – neue Forschung zeigt, wie finanzielle Werte in Paarbeziehungen das berufliche Glück von Männern prägen
10.1.26, 17:37
Psychologie, Soziologie, Gesellschaft

Geld und Erfüllung in Partnerschaften: Eine neue Perspektive der Sozialwissenschaft
Eine aktuelle sozialwissenschaftliche Studie aus den USA untersucht, wie finanzielle Wertvorstellungen innerhalb von Paarbeziehungen mit zwei Erwerbstätigen das Erleben beruflicher Erfüllung beeinflussen. Im Fokus stehen dabei insbesondere Männer in sogenannten Dualverdiener-Haushalten. Die Forschung wurde an einer US-amerikanischen Wirtschaftsfakultät durchgeführt und in einer begutachteten Fachzeitschrift der Arbeits- und Organisationspsychologie veröffentlicht.
Gemeinsame Geldwerte als Bindeglied zwischen Partnerschaft und Arbeitsleben
Im Zentrum der Untersuchung stand die Frage, welche Rolle Geld als psychologisches und soziales Symbol in Paarbeziehungen spielt. Geld ist dabei nicht nur Mittel zum Zweck, sondern steht häufig für Anerkennung, Sicherheit, Status oder persönliche Leistung. Die Forschenden analysierten Daten von knapp 200 heterosexuellen Paaren, in denen beide Partner erwerbstätig waren. Erfasst wurden unter anderem Einstellungen zu Einkommen, finanzieller Verantwortung und Erfolg sowie das subjektive Erleben von Arbeitszufriedenheit.
Ein zentrales Ergebnis: Männer berichteten über eine deutlich höhere berufliche Zufriedenheit, wenn ihre Partnerin ähnliche Wertvorstellungen in Bezug auf Geld teilte. Die Übereinstimmung finanzieller Werte wirkte dabei wie ein emotionaler Verstärker für das Gefühl, beruflich erfolgreich und anerkannt zu sein. Bei Frauen zeigte sich dieser Zusammenhang hingegen kaum. Ihre Arbeitszufriedenheit war weit weniger davon abhängig, ob der Partner ähnliche finanzielle Prioritäten hatte.
Traditionelle Rollenbilder wirken weiter
Die Autorinnen und Autoren interpretieren diesen Geschlechterunterschied vor dem Hintergrund kulturell tief verankerter Rollenbilder. Trotz gesellschaftlicher Veränderungen und der zunehmenden Verbreitung von Doppelverdiener-Modellen ist die Erwartung, finanziell erfolgreich zu sein, bei Männern weiterhin stark mit dem eigenen Selbstwert verknüpft. Wird dieses Erfolgsverständnis innerhalb der Partnerschaft bestätigt, wirkt sich das positiv auf das berufliche Wohlbefinden aus. Fehlt diese Rückendeckung, kann dies als stiller Konflikt erlebt werden.
Warum Unklarheit besonders belastend sein kann
Besonders auffällig war ein Befund, den die Forschenden als „unsichere Mitte“ beschreiben. Männer, deren Partnerinnen weder klar ähnliche noch klar abweichende finanzielle Werte vertraten, berichteten über die geringste Arbeitszufriedenheit. Diese moderate, schwer greifbare Differenz scheint belastender zu sein als eine eindeutige Meinungsverschiedenheit. Die Studie deutet darauf hin, dass nicht der Konflikt selbst, sondern die fehlende Orientierung und gegenseitige Rückmeldung problematisch sein kann.
Ein Blick über das Einkommen hinaus
Die Ergebnisse unterstreichen, dass berufliche Zufriedenheit nicht allein durch Gehalt, Position oder Arbeitsbedingungen erklärbar ist. Vielmehr wirken partnerschaftliche Kontexte, geteilte Werte und soziale Erwartungen tief in das Erleben von Arbeit hinein. Die Forschenden betonen, dass ihre Ergebnisse keinen normativen Anspruch haben, sondern bestehende soziale Dynamiken sichtbar machen. Gleichzeitig verweisen sie auf Grenzen der Studie, etwa die Fokussierung auf heterosexuelle Paare und einen spezifischen kulturellen Kontext.
Insgesamt zeigt die Untersuchung, wie eng Arbeit, Identität und Partnerschaft miteinander verflochten sind – und dass Geld dabei weniger als Zahl, sondern vielmehr als Bedeutungsträger wirkt.
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