Wissenschaftliche Meldungen
Wenn Ozeane zum Motor werden: Warum die Brutstätten für Super-Hurrikans wachsen
7.1.26, 12:51
Klima & Umwelt

Ozeane speichern immer mehr Energie
Tropische Wirbelstürme zählen zu den energiereichsten Wetterphänomenen der Erde. Neue Auswertungen zeigen nun, dass sich ihre wichtigsten Entstehungsgebiete grundlegend verändern. Entscheidend ist dabei nicht nur die Erwärmung der Meeresoberfläche, sondern vor allem die zunehmende Wärmespeicherung in größeren Tiefen. In bestimmten Regionen haben sich sogenannte Warmwasser-Hotspots gebildet, die sich bis mehrere Hundert Meter unter die Oberfläche erstrecken.
Diese tiefreichenden Warmwasserschichten wirken wie gewaltige Energiespeicher. Zieht ein Sturm über solche Gebiete, kann er kontinuierlich Wärme aufnehmen, ohne sich durch das Aufwirbeln kälterer Wasserschichten rasch abzuschwächen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich Wirbelstürme besonders schnell intensivieren und ihre maximale Stärke länger halten.
Super-Hurrikans jenseits der bisherigen Skalen
Die stärksten bekannten Hurrikane erreichen heute zunehmend Windgeschwindigkeiten, die deutlich über dem liegen, was lange Zeit als oberste Grenze galt. In den vergangenen Jahrzehnten hat die Zahl dieser extremen Stürme merklich zugenommen. Während in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts nur wenige derartige Ereignisse dokumentiert wurden, traten sie im 21. Jahrhundert deutlich häufiger auf.
Diese Entwicklung hat eine wissenschaftliche Debatte ausgelöst, ob die bestehende Einteilung tropischer Wirbelstürme noch ausreicht. Einige Forscher schlagen vor, eine zusätzliche Kategorie oberhalb der bisherigen höchsten Stufe einzuführen. Sie soll jene Stürme erfassen, deren anhaltende Windgeschwindigkeiten weit über den klassischen Grenzwerten liegen und die mit außergewöhnlichen Zerstörungspotenzialen einhergehen.
Klimawandel als zentraler Treiber
Nach Einschätzung der beteiligten Klimaforscher lässt sich ein Großteil der beobachteten Ausdehnung dieser Warmwasser-Hotspots auf die menschengemachte Erwärmung der Ozeane zurückführen. Je größer diese energiereichen Zonen werden, desto mehr Stürme können auf ihrem Weg durch die Tropen davon profitieren.
Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung im westlichen Pazifik sowie im Nordatlantik. Dort haben sich Regionen herausgebildet, in denen das Meer nicht nur an der Oberfläche, sondern auch in größeren Tiefen ungewöhnlich hohe Temperaturen erreicht. Küstennahe Gebiete in diesen Zonen sind dadurch einem wachsenden Risiko extremer Wirbelstürme ausgesetzt.
Energie allein macht noch keinen Extremsturm
Trotz der zunehmenden ozeanischen Wärme betonen die Forscher, dass warme Hotspots allein nicht ausreichen, um automatisch Super-Hurrikans zu erzeugen. Auch die Bedingungen in der Atmosphäre spielen eine entscheidende Rolle. Starke Windscherung, trockene Luft oder ungünstige Druckverhältnisse können selbst sehr energiereiche Stürme abbremsen oder ihre Entwicklung verhindern.
Die Warmwasser-Hotspots gelten daher als notwendige, aber nicht alleinige Voraussetzung für die Entstehung besonders extremer Wirbelstürme. Erst wenn ozeanische und atmosphärische Faktoren zusammenkommen, kann sich ein Sturm zu einem Super-Hurrikan entwickeln.
Wachsende Risiken für Küstenregionen
Die Ausbreitung dieser energetischen Brutstätten ist ein deutliches Warnsignal. Je größer und tiefer die warmen Meeresregionen werden, desto wahrscheinlicher werden extrem starke Wirbelstürme, die auch beim Erreichen von Küsten kaum an Kraft verlieren. Für betroffene Regionen bedeutet das steigende Risiken für Infrastruktur, Ökosysteme und menschliche Sicherheit.
Langfristig könnte eine präzisere Klassifikation besonders starker Stürme dazu beitragen, Gefahren klarer zu kommunizieren und Schutzmaßnahmen besser zu planen. Unabhängig von der Frage neuer Kategorien zeigt die aktuelle Forschung jedoch bereits deutlich: Die physikalischen Voraussetzungen für Super-Hurrikans nehmen zu – und damit auch ihre potenziellen Folgen.
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