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Zufallsfund in der Tiefsee: 16.-Jahrhundert-Schiff verändert das Bild der Mittelmeergeschichte
28.12.25, 20:07
Archäologie, Geschichte

Entdeckung in extremer Tiefe
Mehr als 2.500 Meter unter der Wasseroberfläche des Mittelmeer haben Forschende ein außergewöhnlich gut erhaltenes Schiffswrack aus dem 16. Jahrhundert entdeckt. Der Fund gelang nicht im Rahmen einer gezielten archäologischen Expedition, sondern zufällig bei einer technisch-wissenschaftlichen Mission in der Tiefsee. Aufgrund der enormen Tiefe war das Wrack bislang vollständig vor menschlichen Eingriffen geschützt – ein seltener Glücksfall für die Unterwasserarchäologie.
Erhaltungszustand als wissenschaftliche Ausnahme
In Tiefen von mehreren Kilometern herrschen konstante Temperaturen, völlige Dunkelheit und ein Mangel an Sauerstoff. Diese Bedingungen verlangsamen biologische Zersetzungsprozesse erheblich. Entsprechend zeigt das Wrack laut ersten Berichten eine ungewöhnlich gute Erhaltung: Rumpfstrukturen, Ladungsteile und Anordnung der Fracht sind klar erkennbar. Sichtbar sind unter anderem Transportgefäße, die auf Handelsware wie Öl, Wein oder andere Güter hindeuten, die im 16. Jahrhundert quer durch das Mittelmeer verschifft wurden.
Neue Perspektiven auf Handel und Seefahrt
Der Fund könnte etablierte Annahmen über Handelsrouten und maritime Technologien der frühen Neuzeit verändern. Bislang konzentrierte sich die Forschung vor allem auf Küstennähe oder relativ flache Seegebiete, da diese archäologisch zugänglicher sind. Ein Wrack in dieser Tiefe zeigt jedoch, dass auch Hochseepassagen eine größere Rolle gespielt haben könnten als bisher angenommen – möglicherweise in Verbindung mit Stürmen, Navigationsfehlern oder bewussten Routen fernab bekannter Küsten.
Technik macht Tiefsee-Archäologie möglich
Ermöglicht wurde die Entdeckung durch moderne Unterwasserfahrzeuge, sogenannte Remotely Operated Vehicles (ROVs), die mit hochauflösenden Kameras und Sensoren ausgestattet sind. Sie erlauben detaillierte Dokumentationen, ohne das Wrack physisch zu berühren. Genau dieser schonende Ansatz ist entscheidend, da Bergungen in solchen Tiefen technisch riskant und ethisch umstritten sind. Aktuell liegt der Fokus daher auf digitaler Vermessung, Bildanalyse und Kontextualisierung.
Vorsichtige Einordnung statt Sensation
Noch sind viele Fragen offen: Weder die genaue Herkunft des Schiffs noch seine Nationalität oder der exakte Zweck der Reise sind abschließend geklärt. Auch eine präzise Datierung innerhalb des 16. Jahrhunderts steht aus. Fachleute betonen deshalb, dass erst weiterführende Analysen – etwa zur Bauweise, Keramik oder Metallzusammensetzung – belastbare historische Schlüsse zulassen. Der Fund gilt dennoch schon jetzt als einer der tiefsten bekannten Wracknachweise aus dieser Epoche.
Bedeutung für die Geschichtsforschung
Langfristig könnte das Wrack helfen, Handelsnetze, wirtschaftliche Beziehungen und technische Fähigkeiten der frühen Neuzeit neu zu bewerten. Gleichzeitig unterstreicht die Entdeckung das enorme, bislang kaum erforschte archäologische Potenzial der Tiefsee. Weite Teile des Mittelmeers gelten archäologisch noch immer als „weiße Flecken“ auf der wissenschaftlichen Landkarte.
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