Wenn Häuser schwitzen lernen: Die geniale Farbe gegen städtische Hitze.
- Benjamin Metzig
- 8. Juli 2025
- 6 Min. Lesezeit

Wir tauchen heute tief ein in eine Technologie, die das Potenzial hat, unsere überhitzten Städte buchstäblich abzukühlen und dabei auch noch Energie zu sparen. Es geht um eine revolutionäre Farbe, die nicht nur Sonnenlicht reflektiert, sondern aktiv Wasser verdunstet – eine Art Hightech-Transpiration für Gebäude. Ich bin schon jetzt total elektrisiert von den Möglichkeiten, die sich hier auftun, und ich kann es kaum erwarten, diese Entdeckungsreise mit euch zu teilen!
Stellt euch vor, ihr schlendert im Hochsommer durch eine Stadt. Die Luft flimmert über dem Asphalt, die Hauswände strahlen eine unerbittliche Hitze ab. Dieser "städtische Wärmeinseleffekt" ist kein Hirngespinst, sondern eine knallharte Realität, die unsere Gesundheit und unsere Stromrechnungen belastet. Klimaanlagen laufen auf Hochtouren, verschlingen Unmengen an Energie und heizen die Umwelt ironischerweise noch weiter auf. Ein Teufelskreis! Doch was, wenn es eine elegantere, naturinspirierte Lösung gäbe? Genau hier kommt unsere "schwitzende Farbe" ins Spiel, eine hydrokeramische Beschichtung, die es in sich hat.
Die Genialität dieser Farbe liegt in einem doppelten Kühlmechanismus. Zuerst einmal ist sie, wie viele moderne Kühlfarben, ein Meister der passiven Strahlungskühlung. Das bedeutet, sie hat eine extrem hohe Fähigkeit, Sonnenlicht zu reflektieren (eine hohe Albedo) und gleichzeitig die absorbierte Wärme als Infrarotstrahlung wieder in den kühlen Weltraum abzugeben (hohe thermische Emissivität). Die besten Farben schaffen es sogar, Oberflächen kühler als die Umgebungsluft zu halten – allein durch diese clevere Physik! Aber jetzt kommt der Clou, der diese Farbe so besonders macht: Sie ahmt durch Biomimikry die menschliche Transpiration nach. Ja, ihr habt richtig gehört! Diese Farbe kann "schwitzen".
Möglich macht das eine spezielle Materialzusammensetzung, eine Art Hydrogel-basierte Formel in einer zementbasierten Matrix. Klingt kompliziert, bedeutet aber im Grunde: Die Farbe hat eine poröse Struktur, die Wasser aufnehmen kann – bis zu 30 % ihres Eigengewichts! Dieses gespeicherte Wasser, sei es aus Regen oder hoher Luftfeuchtigkeit, wird dann langsam und kontrolliert wieder abgegeben. Bei diesem Verdunstungsprozess wird der Oberfläche Wärme entzogen – genau wie beim Schwitzen unserer Haut. Dieser zusätzliche Kühleffekt ist besonders in feuchtwarmen Klimazonen ein echter Gamechanger. Dort, wo reine Strahlungskühlung an ihre Grenzen stößt, weil die Luftfeuchtigkeit die Wärmeabstrahlung behindert, spielt die Verdunstungskühlung ihre Stärken voll aus. Forscher berichten, dass diese Farbe in feuchten Klimazonen wie Singapur eine bis zu zehnmal höhere Kühlleistung erzielen kann als herkömmliche Kühlfarben! Ist das nicht der Wahnsinn?
Die Zahlen aus ersten Studien sind wirklich beeindruckend. In Singapur, einem echten Härtetest aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit, konnte ein mit dieser Farbe gestrichenes Testhaus seine Innentemperatur um mehr als 4,5 °C senken im Vergleich zu Häusern mit anderen Anstrichen. Das führte zu Energieeinsparungen für die Klimatisierung von 30 % bis 40 %! Und das, wohlgemerkt, zusätzlich zu den Effekten anderer bereits guter Kühlfarben. Wenn ihr mehr über solche bahnbrechenden Entwicklungen und faszinierende wissenschaftliche Hintergründe erfahren wollt, dann meldet euch doch für unseren monatlichen Newsletter über das Formular oben auf der Seite an – es gibt noch so viel Spannendes zu entdecken!
Natürlich stellt sich die Frage: Wie schlägt sich diese Wunderfarbe im Vergleich zu anderen Kühlstrategien, insbesondere zu naturbasierten Lösungen wie Gründächern oder Fassadenbegrünungen, die ja auch stark im Kommen sind? Hier ist eine kleine Übersicht:
Merkmal | Sweating Paint | Ultra-weiße Strahlungsfarbe | Gründach (Extensiv) | Grüne Fassade (Living Wall) |
Primärer Kühlmechanismus | Strahlung + Verdunstung | Strahlung | Beschattung + Verdunstung | Beschattung + Verdunstung |
Typ. Innentemp.-Reduktion (°C) | > 4,5 °C | 2 - 5 °C | Variabel, signifikant | Signifikant |
Typ. Kühlenergie-Einsparung (%) | > 34 % (zusätzlich zu PRC) | bis zu 30 % | 30 - 50 % | bis zu 50 % |
Geschätzte Inst.-Kosten (€/m²) | Unbekannt, pot. > 25 € | ca. 10 - 25 € | > 50 € | > 400 € |
Wichtige Zusatznutzen | Keine | Keine | Regenwassermanagement, Biodiversität | Luftqualität, Biodiversität |
Kritische Einschränkungen | Wasserabhängigkeit, Frostbeständigkeit | Winter-Penalty | Strukturelle Last, Kosten | Sehr hohe Kosten, Wasserbedarf |
Man sieht: Jede Lösung hat ihre Berechtigung. Grüne Infrastruktur bietet fantastische Zusatznutzen wie Biodiversitätsförderung oder Regenwassermanagement, ist aber oft teurer und wartungsintensiver. Die "Sweating Paint" punktet mit potenziell hoher Kühlleistung bei vermutlich geringeren Kosten und einfacherer Anwendung als komplexe Begrünungssysteme.
Doch wie sieht es mit der Anwendbarkeit in unseren gemäßigten Breiten aus, beispielsweise in Deutschland? Hier kommen ein paar Herausforderungen ins Spiel. Die sogenannte "Winter-Penalty" – also der Umstand, dass eine hochreflektive Farbe im Winter auch die erwünschte solare Wärmegewinnung reduziert – wird zwar oft diskutiert, scheint aber angesichts steigender Sommertemperaturen und kürzerer, mildernder Winter (Stichwort Schneebedeckung) an Bedeutung zu verlieren. Das viel größere Problem ist die Frostbeständigkeit. Eine Farbe, die darauf ausgelegt ist, Wasser aufzunehmen, ist in einem Klima mit Frost-Tau-Zyklen extrem gefährdet. Gefrierendes Wasser dehnt sich aus und kann die Farbstruktur und sogar den Untergrund schädigen. Das ist ein fundamentaler materialwissenschaftlicher Konflikt, der für Regionen wie Deutschland noch gelöst werden muss. Auch die Wasserverfügbarkeit ist ein Punkt: Lange, trockene Hitzewellen könnten den "Schwitz"-Effekt lahmlegen, wenn kein Wasser zum Verdunsten da ist.
Trotz dieser Herausforderungen für bestimmte Klimazonen ist das globale Potenzial immens, besonders für die sogenannten "Städte ohne Klimareserven" – also Städte in heißen, oft feuchten Regionen mit begrenzten Mitteln. Hier könnte die Farbe, wenn sie kostengünstig und einfach anwendbar ist, eine echte Lebensader sein. Man stelle sich vor: In informellen Siedlungen, wo Klimaanlagen Luxus sind, könnte ein einfacher Anstrich die Lebensbedingungen dramatisch verbessern! Der Knackpunkt wird sein, die Produktionskosten niedrig zu halten und die Langlebigkeit unter realen Bedingungen nachzuweisen.
Was denkt ihr darüber? Könnte diese "schwitzende Farbe" wirklich eine Revolution für unsere Städte sein? Welche Bedenken oder Hoffnungen habt ihr? Lasst es mich in den Kommentaren wissen und liked den Beitrag, wenn er euch zum Nachdenken angeregt hat!
Die Reise dieser Technologie hat gerade erst begonnen. Von der Optimierung für verschiedene Klimazonen über die Überwindung von Markteintrittsbarrieren bis hin zur Anwendung auf öffentlicher Infrastruktur oder sogar in Rechenzentren – die Zukunft bleibt spannend! Es ist ein faszinierendes Beispiel dafür, wie wir von der Natur lernen können, um innovative Lösungen für die drängenden Probleme unserer Zeit zu finden. Die "Sweating Paint" ist vielleicht noch keine universelle Wunderwaffe, aber sie ist definitiv ein Hoffnungsschimmer und ein unglaublich cleveres Werkzeug im Kampf gegen die Überhitzung unserer urbanen Lebensräume.
Wenn ihr noch mehr solcher spannenden Einblicke und Diskussionen nicht verpassen wollt, folgt uns doch auch auf unseren Social-Media-Kanälen! Dort gibt es regelmäßig Updates, weitere faszinierende Fakten und eine tolle Community zum Austauschen.
#UrbaneKühlung #SweatingPaint #Klimaanpassung #NachhaltigesBauen #Innovation #Biomimikry #Energieeffizienz #Stadtplanung #GrüneTechnologie #ZukunftDerStadt
Verwendete Quellen:
Hitze in Städten - Bundesamt für Raumentwicklung ARE - https://www.are.admin.ch/dam/are/de/dokumente/agglomerationspolitik/publikationen/hitze-in-staedten-de.pdf.download.pdf/Hitze_in_Staedten_de.pdf
KLIMARESILIENZ - Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit - https://shop.freiheit.org/download/P2@1532/766829/2023_Klimaresiliente-Sta%CC%88dte_final_WEB.pdf
This paint sweats to cool off buildings. No energy required. - Anthropocene Magazine - https://www.anthropocenemagazine.org/2025/06/new-paint-sweats-to-cool-off-buildings/
Die neue Generation Klimadecke - Messe Frankfurt - https://exhibitorsearch.messefrankfurt.com/images/original/userdata/bata/203025/5e7b2e78a9f37.pdf
Bautechnologie-Report - Klimaneutrale Stadt - https://klimaneutralestadt.at/resources/pdf/Bautechnologie-Report-2024.pdf
Does Roof Paint Keep a House Cool? Benefits & Best Options - HeatCure - https://heatcure.com/does-roof-paint-keep-a-house-cool/
How Painting with Heat-Reflective Paints Can Reduce Energy Costs and Improve Sustainability - Bottom Line Property Management - https://www.rentbottomline.com/blog/how-painting-with-heat-reflective-paints-can-reduce-energy-costs-and-improve-sustainability
Cooling, Ultra-white Paint - The Green Business Lab - https://www.gblsim.com/cooling-ultra-white-paint/
Materials Science: The Thermodynamics of 'Sweating' Paint for Passive Cooling - YouTube - https://www.youtube.com/watch?v=G7xEFXJx7cg
This paint 'sweats' to keep your house cool | Scientists have developed a paint that reflects sunlight and cools surfaces by slowly evaporating water. : r/science - Reddit - https://www.reddit.com/r/science/comments/1lcsac7/this_paint_sweats_to_keep_your_house_cool/
Behrooz Parhami's Blog & Books Page - ece.ucsb.edu - UC Santa Barbara - https://web.ece.ucsb.edu/~parhami/pers_blog.htm
Energy Saving Paint: Cut Costs with Heat-Reflective Coatings - Resident.com - https://resident.com/resource-guide/2025/05/07/painting-with-heat-reflective-paints-smart-way-to-cut-energy-costs
What is Passive Cooling Coating Price? - i2Cool - https://www.i2cool.com/tideflow/6TETXrDX.html
Klimawandelanpassungskonzept für die Stadt Singen (Hohentwiel) | Maßnahmenkatalog - Stadt Singen - https://www.singen.de/site/Singen/get/documents_E731627916/singen/Singen_Dateien/Erleben/Klima_Umwelt/Klimaanpassung/klimawandelanpassungskonzept/2024-Ma%C3%9Fnahmenkatalog-Klimawandelanpassungskonzept-Singen.pdf
Stadtgrün wirkt! - Grün in der Stadt - https://gruen-in-der-stadt.de/uploads/files/28092023_Stadtgru%CC%88nWirkt_getaggt_NEU_final-1.pdf
Passive daytime radiative cooling - Wikipedia - https://en.wikipedia.org/wiki/Passive_daytime_radiative_cooling
Cost-benefit analysis for green faCades and living wall systems - SCBRIMS WordPress - https://scbrims.wordpress.com/wp-content/uploads/2013/10/111013-cost-benefit-analysis-for-green-facades-and-lws.pdf
Green and Cool Roofs - Project Drawdown - https://drawdown.org/solutions/green-and-cool-roofs
Cool Roofs for a Warming World | IIBEC - https://iibec.org/cool-roofs-for-a-warming-world/
Would climate change reduce the negative impact of cool roof on the winter energy balance? Optimization study starting from monitored data on different roof types and weather zones - ResearchGate - https://www.researchgate.net/publication/391923785_Would_climate_change_reduce_the_negative_impact_of_cool_roof_on_the_winter_energy_balance_Optimization_study_starting_from_monitored_data_on_different_roof_types_and_weather_zones
Enhancing the Salt Frost Durability of Concrete with Modified Epoxy Composite Coating - PMC NCBI - https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11857195/
Porous building materials - ICCROM - https://www.iccrom.org/sites/default/files/2018-02/2005_torraca_porous_building_eng_106444_light.pdf
Durability of Hydrophobic/Icephobic Coatings in Protection of Lightweight Concrete with Waste Aggregate - MDPI - https://www.mdpi.com/1996-1944/14/1/101
Effect of Hydrophobic Treatments on Improving the Salt Frost Resistance of Concrete - PMC NCBI - https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7730883/
Norddeutschland im Klimawandel - Helmholtz-Zentrum Hereon - https://www.hereon.de/imperia/md/content/klimabuero/klimaberichte/hzg_norddeutschland-im-klimawandel_e-book.pdf
Klimaschutzteilkonzept zur Anpassung an den Klimawandel in Heilbronn - Stadt Heilbronn - https://www.heilbronn.de/fileadmin/daten/stadtheilbronn/formulare/umwelt_mobilitaet/klimaschutz/Klimaschutzteilkonzept_Anpassung_an_den_Klimawandel.pdf
How Much Water Do “Swamp Coolers” Use? - New Mexico Office of the State Engineer - https://www.ose.nm.gov/WUC/Brochures/evap_coolers_brochure.pdf
How Much Water Do Swamp Coolers Use in Australian Homes? - Climate Plus - https://climateplus.com.au/how-much-water-do-swamp-coolers-use-a-practical-guide-to-consumption-rates/
Addressing Water Consumption of Evaporative Coolers with Greywater - American Council for an Energy-Efficient Economy - https://www.aceee.org/files/proceedings/2012/data/papers/0193-000025.pdf
Really cool roofs: How breakthrough materials can save lives, carbon, and money in a warming world - Third Derivative - https://www.third-derivative.org/blog/really-cool-roofs-how-breakthrough-materials-can-save
Passives Kühl-Upgrade: Revolutionär Energie im Rechenzentrum sparen - TZG - https://www.techzeitgeist.de/passives-kuehl-upgrade-revolutionaer-energie-im-rechenzentrum-sparen/











































































































Kommentare