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Schimmel in der Wohnung: 7 Fragen, die sofort klären, wie ernst es ist

Eine cartoonhafte Schimmel-Figur mit großen runden Augen sitzt in einer rissigen, feuchten Wandecke; daneben zeigt ein Hygrometer „65%“. Oben steht groß „Schimmel-Alarm?“, darunter „Risikocheck in 7 Fragen“ und „DIY oder Profi?“, rechts weisen Schilder auf „DIY“ und „Profi“. Unten steht „Wissenschaftswelle.de“ auf einem dunklen Balken vor einem neonfarbenen, sci-fiartigen Hintergrund mit Tropfen und Warnsymbolen.

Warum ein Entscheidungsbaum besser ist als „Schwarze Flecken = Gift“


Du ziehst den Schrank von der Außenwand weg – und da ist es: ein dunkler Saum, leicht pelzig, dazu dieser muffige Geruch, als hätte die Wand „zu lange im Regen gestanden“. In vielen Köpfen springt sofort ein inneres Warnschild an: hochtoxisch, sofort ausziehen.


Das Problem ist: Schimmel ist kein einzelner Gegner, sondern ein ganzer Zoo. Und das Risiko hängt nicht nur von der Farbe ab, sondern von Feuchte, Ort, Ausmaß und Menschen im Haushalt. Genau dafür lohnt sich ein Entscheidungsbaum: Er ersetzt Bauchgefühl durch klare Abzweigungen – ohne zu verharmlosen.


Schimmel in der Wohnung: Der Entscheidungsbaum


Stell dir die nächsten Punkte wie eine Reihe von Türen vor. Hinter jeder Tür wird es entweder „entspannter“ oder „professioneller“.


  1. Akut-Alarm? (Sofort „Profi/Behörde/Versicherung“)

    Wenn Wasser eingedrungen ist (Rohrbruch, Starkregen, Rückstau, Abwasser), oder Bauteile sichtbar durchnässt sind, zählt Zeit: Durchfeuchtung + Wärme ist das perfekte Brutlabor. Hier geht’s nicht um „Wegwischen“, sondern um Trocknung, Ursachenklärung und oft bauliche Maßnahmen.


  2. Gibt es sichtbaren Schimmel ODER muffigen/modrigen Geruch?

    Nein: Dann ist Prävention dein Hebel (siehe unten: Luftfeuchte, Lüften, Wärmebrücken).

    Ja: Weiter zu 3. Ein muffiger Geruch ohne sichtbare Flecken kann auf verdeckten Befall hindeuten (z. B. hinter Tapete, in Hohlräumen).


  3. Wer ist im Haushalt besonders verletzlich?

    Wenn eine dieser Gruppen dabei ist, wird aus „kann ich selber machen“ schnell „lieber nicht“:


    Asthma / starke Allergien (insbesondere Schimmelallergie)

    chronische Atemwegserkrankungen

    geschwächtes Immunsystem (z. B. bestimmte Therapien/Erkrankungen)


    Dann: Exposition senken, professionelle Einschätzung und bei Beschwerden ärztlich abklären.


  4. Wie groß ist die Fläche – und ist es wirklich nur oberflächlich?

    Hier hilft eine praktische Daumenregel aus Deutschland: Kleinere, oberflächliche Befälle bis etwa 0,5 m² können (unter Bedingungen) selbst entfernt werden – aber nur, wenn du nicht zur Risikogruppe gehörst und die Feuchteursache gefunden wird. International findest du ähnliche Grenzen, z. B. bei der US-EPA: Unter 10 square feet (≈ 0,93 m²) ist DIY häufig möglich – darüber eher Fachleute.


Wichtig: „Oberflächlich“ heißt nicht „sieht oberflächlich aus“. Wenn Tapete hohl klingt, Putz bröselt, Gipskarton weich wird oder die Flecken schnell wiederkommen, sitzt die Ursache meist tiefer.


  1. Wo sitzt der Schimmel – und was sagt dir der Ort über die Ursache?


    Fensterlaibung/Bad/Küche: 

    Oft Kondensationsfeuchte + zu wenig Abtransport (Duschen, Kochen, Wäschetrocknen).

    Außenwand hinter Möbeln: 

    Klassiker für kalte Wand + wenig Luftzirkulation (Wärmebrücke trifft „stehende Luft“).

    Keller / Sockel / nach Starkregen: 

    Eher bauliche Feuchte, Abdichtung, Leitungen, Außenwasser.Feuchte ist der Haupttreiber – ob sie von innen (Nutzung) oder außen (Schaden am Gebäude) kommt, entscheidet über die Lösung.


  2. Entscheidung: Selbst entfernen oder Profi?


    Selbst entfernen ist nur dann eine Option, wenn alles hier stimmt:


    Fläche klein (Richtwert: < 0,5 m²) und nur oberflächlich

    keine Risikopersonen im Haushalt

    du kannst lüften, dich schützen, sorgfältig arbeiten

    du hast einen Plan, die Ursache zu beseitigen (sonst ist es ein Déjà-vu in zwei Wochen)


Profi holen (oder Vermieter/Wohnungsunternehmen einschalten), wenn:


  • Fläche größer / wiederkehrend / verdeckt vermutet

  • Material ist porös und durchfeuchtet (Gipskarton, Dämmung, Holzfasern etc.)

  • muffiger Geruch bleibt trotz oberflächlicher Entfernung

  • du unsicher bist, ob es „nur“ Kondenswasser ist oder ein BauschadenDiese Einordnung findet sich so auch in Bundes- und Umweltbehörden-Empfehlungen.


  1. Nach der Maßnahme: Welche Stellschrauben verhindern das Comeback?


Wenn du nur den Fleck bekämpfst, nicht die Feuchte, gewinnt der Schimmel langfristig. Zwei Ziele sind erstaunlich wirksam:


  • Relative Luftfeuchte meist zwischen 40–60 % halten (ein einfaches Hygrometer reicht oft, um Muster zu sehen).

  • Feuchtequellen „kurz halten“: nach dem Duschen/Kochen lüften, Wäsche nicht dauerhaft in kalten Räumen trocknen, Möbel ein Stück von Außenwänden abrücken.


Schreib gern in die Kommentare, welche Abzweigung bei dir zutrifft, und like den Beitrag, wenn dir solche „Panik-Filter“ helfen.


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Gesundheit: Was ist gut belegt – und was ist Spekulation?


Die robuste Kernbotschaft aus großen Übersichten lautet: Feuchte und Schimmel in Innenräumen hängen konsistent mit mehr Atemwegssymptomen, Allergien und Asthma zusammen. Das heißt nicht, dass jeder Fleck jeden krank macht. Es heißt: Als Vorsorgeproblem ist es real – vor allem, wenn Feuchte dauerhaft ist.


Was Menschen häufig spüren (aber sehr unterschiedlich): verstopfte Nase, Husten, pfeifende Atmung, brennende Augen, Hautreizungen – besonders bei Allergie/Asthma. Bei immungeschwächten Personen können Schimmelpilze auch Infektionen begünstigen.


Und jetzt die unbequeme Wahrheit für alle, die gern einen „sicheren Grenzwert“ hätten: Für Innenräume gibt es keine allgemein gültigen gesundheitlich unbedenklichen Konzentrations-Grenzwerte, weil klare Dosis-Wirkungs-Beziehungen in realen Wohnungen schwer festzunageln sind. Das ist kein Freifahrtschein („dann ist’s ja egal“), sondern ein Hinweis: Die praktikabelste Risikoreduktion ist Feuchte stoppen, nicht Zahlen jagen.


Wenn du messen willst: Was Messungen können – und was nicht


Viele hoffen auf den magischen Test, der sagt: „Gefährlich: ja/nein“. Genau das leisten viele Messungen nicht.


Beispiel: Messungen von bestimmten Schimmel-Geruchsstoffen (MVOC) können Hinweise geben, sind aber umstritten – und sagen für sich genommen wenig über das Gesundheitsrisiko oder die Sanierungsnotwendigkeit aus. Auch aus arbeits- und umweltmedizinischer Sicht gilt: Schimmelpilzmessungen im Innenraum sind selten medizinisch sinnvoll – oft ist die sichtbare Feuchte-/Schimmelsituation der entscheidende Befund.


Wann Messungen trotzdem Sinn haben können: wenn du muffigen Geruch ohne sichtbaren Befall hast, wenn nach einer Sanierung Unsicherheit bleibt, oder wenn ein verdeckter Schaden vermutet wird – dann aber am besten als Teil einer fachlichen Ursachenklärung, nicht als „Internet-Schnelltest“.


Wenn dir dieser Beitrag geholfen hat: Folge Wissenschaftswelle auch hier – dort kommen solche Alltags-Checks als Kurzformat:



Schnelle Checkliste zum Mitnehmen


  • Schimmel = Symptom. Feuchte = Ursache. Erst Ursache finden, dann reinigen/sanieren.

  • Risikoperson im Haushalt? Dann eher Profi/ärztliche Abklärung statt DIY.

  • Klein & oberflächlich (< 0,5 m²)? Kann unter Bedingungen DIY sein – aber nur mit Ursachenlösung.

  • Wiederkehrend, groß, verdeckt, durchnässt? Profi und/oder Vermieter/Wohnungsunternehmen.

  • Luftfeuchte im Blick: Ziel meist 40–60 %.



Quellenliste:


  1. WHO – Guidelines for Indoor Air Quality: Dampness and Mould – https://www.who.int/europe/publications/i/item/9789289041683

  2. Umweltbundesamt – Häufige Fragen bei Schimmelbefall – https://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/umwelteinfluesse-auf-den-menschen/schimmel/haeufige-fragen-bei-schimmelbefall

  3. Umweltbundesamt – Wie lüfte ich richtig? (40–60 % Luftfeuchte) – https://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/umwelteinfluesse-auf-den-menschen/schimmel/wie-luefte-ich-richtig-tipps-tricks-zur

  4. Umweltbundesamt – „Türen und Fenster auf gegen Schimmel“ – https://www.umweltbundesamt.de/themen/tueren-fenster-auf-gegen-schimmel

  5. BMUV – Schimmel (Handlungsempfehlungen, 0,5 m²) – https://www.bundesumweltministerium.de/themen/gesundheit/innenraumluft/schimmel

  6. CDC – Mold: Health effects & vulnerable groups – https://www.cdc.gov/mold-health/about/index.html

  7. US-EPA – Mold Cleanup in Your Home (10 sq ft-Orientierung) – https://www.epa.gov/mold/mold-cleanup-your-home

  8. UBA – Ratgeber „Schimmel im Haus“ (Messungen/MVOC, Ursachen, Wirkung) – https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/378/publikationen/ratgeber_schimmel_im_haus_0.pdf

  9. RKI – Schimmelpilzbelastung in Innenräumen (Befunderhebung, Bewertung, Maßnahmen) – https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/285/28g88vgPdL11wE.pdf?sequence=1

  10. AWMF – Leitlinie „Medizinisch-klinische Diagnostik bei Schimmelpilzexposition in Innenräumen“ (2024) – https://register.awmf.org/assets/guidelines/161-001k_S2k_Medizinisch-klinische-Diagnostik-bei-Schimmelpilzexposition-in-Innenraeumen_2024-03.pdf

  11. DGUV/IPA – Schimmel in Innenräumen (Messungen selten medizinisch sinnvoll) – https://www.ipa-dguv.de/ipa/publik/ipa-journale/ipa-journale-2025/ipa-journal2501/ipa-journal-2501_schimmel.jsp

  12. UBA – Aktueller UBA-Schimmelleitfaden (Kontext/Updates) – https://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/umwelteinfluesse-auf-den-menschen/schimmel/aktueller-uba-schimmelleitfaden

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