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Von Scheiterhaufen zum Vatikan-Tribunal – die lange Geschichte der Inquisition

Das Bild zeigt einen älteren Mann in dunkler Mönchskutte, der ernst und nachdenklich ein großes Buch im Arm hält. Die Szene ist in der Mitte geteilt: Links lodern hohe Flammen vor dunklen Gestalten und erinnern an mittelalterliche Scheiterhaufen, rechts sieht man einen modernen Konferenzraum mit Blick auf die Kuppel des Petersdoms in Rom. Groß darüber steht der Titel: „Inquisition: Von Scheiterhaufen zum Vatikan-Tribunal“.

Vom Scherbengericht zur „Untersuchung“ – ein juristischer Paradigmenwechsel


Stell dir ein Gerichtsverfahren im Hochmittelalter vor: Kein Staatsanwalt, keine Polizei, kein „Im Namen des Volkes“. Wenn niemand klagt, passiert – nichts. Selbst bei schweren Verbrechen. Wer aber klagt und den Prozess verliert, riskiert, selbst hart bestraft zu werden. Würdest du da freiwillig Anzeige erstatten?


Genau in diesem Spannungsfeld begann die Geschichte der Inquisition – und zwar zunächst als juristische Innovation. „Inquisitio“ heißt schlicht „Untersuchung“. Ab dem 12. Jahrhundert setzte sich im Kirchenrecht ein neues Verfahren durch: Statt auf eine mutige Privatperson zu warten, die mit hohem Risiko Anklage erhebt (Akkusationsprozess), konnte nun die Obrigkeit von Amts wegen ermitteln. Ein öffentliches Gerücht, eine anonyme Anzeige, ein „da stimmt was nicht“ in der Gemeinde – und die Maschinerie des Inquisitionsverfahrens sprang an.


Papst Innozenz III. war dabei eine Schlüsselfigur. Unter ihm wurde die Häresie – also der bewusste Bruch mit der kirchlichen Lehre – nicht länger als bloßer Denkfehler gesehen, sondern als Angriff auf den „mystischen Leib Christi“. Mit der Dekretale Vergentis in senium setzte er Häresie juristisch dem „Verbrechen der Majestätsbeleidigung“ gleich. Wer den Glauben verriet, so die Logik, verriet den höchsten aller Herrscher: Gott selbst. Das öffnete den Weg für drastische Strafen: Konfiskation des Vermögens, gesellschaftliche Ächtung der Familie, im Extremfall die Todesstrafe.


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Die Inquisition war also von Anfang an mehr als ein finsteres Tribunal. Sie war ein Baustein auf dem Weg vom Gottesurteil zum systematischen Untersuchungsverfahren – und gleichzeitig das Werkzeug, mit dem die Kirche ihre Deutungshoheit über „wahre“ und „falsche“ Gläubige sichern wollte. Diese Spannung zieht sich durch die gesamte Geschichte der Inquisition bis in die moderne Institution im Vatikan.


Ketzer, Kreuzzug, Kontrollapparat – die mittelalterliche Inquisition


Im 12. und 13. Jahrhundert explodierte die religiöse Landschaft Europas. Neue Laienbewegungen predigten Armut, Kritik am Klerus und alternative Formen von Frömmigkeit. Für viele Menschen waren diese Bewegungen attraktiv, weil sie idealistische Antworten auf offensichtliche Missstände lieferten. Für die kirchliche Hierarchie waren sie eine existenzielle Bedrohung.


Katharer: Dualismus und Gegenkirche


Die Katharer im Süden Frankreichs waren die wohl radikalste Herausforderung. Sie dachten die Welt dualistisch: ein guter, geistiger Gott und ein böser Schöpfer der materiellen Welt. Wenn Materie böse ist, dann sind Sakramente, Reliquien und Hostien schlicht wirkungslos. Jesus konnte in dieser Sicht keinen „echten“ Körper gehabt haben, also auch kein „echtes“ Blut und keinen „echten“ Leib in der Eucharistie hinterlassen.


Die Katharer bauten eine regelrechte Gegenkirche auf – mit eigenen Diözesen, Hierarchien und einer Elite von „Vollkommenen“, die asketisch lebten und nur ein einziges Sakrament kannten: das Consolamentum, eine Geisttaufe durch Handauflegung. Bemerkenswert aus heutiger Perspektive: Ihre strenge Ernährungspraxis war quasi mittelalterlicher Veganismus mit Fisch-Sonderregel, weil man glaubte, Fische entstünden ohne sexuelle Fortpflanzung.


Predigtkampagnen – unter anderem von Dominikus, dem späteren Ordensgründer – scheiterten. Also rief Innozenz III. 1209 zum Albigenserkreuzzug auf. Zum ersten Mal richtete sich ein Kreuzzug nicht gegen „Heiden“ im Heiligen Land, sondern gegen Christen im Herzen Europas. Das Massaker von Béziers, bei dem der legendäre Satz „Tötet sie alle! Gott wird die Seinen schon erkennen“ gefallen sein soll, markiert die Brutalität dieses Krieges.


Militärisch wurden die Katharer besiegt, aber der Glaube verschwand nicht einfach. Deshalb setzte nach dem Kreuzzug die eigentliche Inquisitionsarbeit ein: systematische Ermittlungen, Verhöre, Netzwerkanalysen. Das dramatische Finale war die Belagerung der Festung Montségur. 1244 entschieden sich über 200 Katharer, ihren Glauben nicht zu widerrufen – sie endeten gemeinsam auf einem riesigen Scheiterhaufen.


Waldenser: Bibel auf der Straße


Ganz anders, aber genauso unbequem waren die Waldenser, die „Armen von Lyon“. Ihr Gründer Petrus Valdes verschenkte sein Vermögen, ließ die Bibel in die Volkssprache übersetzen und begann ohne theologische Lizenz zu predigen. Theologisch waren die Waldenser erstaunlich orthodox – keine Dualismen, keine Gegenkirche. Ihr Problem war, dass sie Predigt und Bibellektüre aus der klerikalen Kontrolle lösten.


Als sie trotz Verbots weitermachten, wurden sie exkommuniziert – und verbreiteten sich erst recht: über Südfrankreich und Norditalien bis tief in den deutschsprachigen Raum. In Österreich etwa tauchen sie in Inquisitionsakten gleich mehrfach auf. Ganze Pfarreien galten als „infiziert“, und spezialisierte Inquisitoren versuchten, in akribischen Verhören die geheime Infrastruktur der Wanderprediger aufzudecken.


Ein interessanter Unterschied zur katharischen Bewegung: Die dezentralen Strukturen der Waldenser ermöglichten eine erstaunliche Überlebensfähigkeit. Während die katharische Gegenkirche nach dem Verlust ihrer Führungselite zusammenbrach, existieren Waldensergemeinden bis heute.


Institutionalisierung: Bischöfe, Bettelorden, Papst


Rechtlich wurde die mittelalterliche Inquisition mit der Bulle Ad abolendam von Papst Lucius III. (1184) vorbereitet. Bischöfe sollten ihre Diözesen regelmäßig „durchkämmen“ und nach Ketzern forschen. Doch viele Bischöfe waren überlastet oder politisch verstrickt. Gregor IX. löste das Problem, indem er den neuen Bettelorden – vor allem Dominikanern und Franziskanern – inquisitorische Vollmachten gab. Ein Inquisitor war nun direkter Delegierter des Papstes und konnte lokale Machtstrukturen umgehen.


Damit war ein Modell geschaffen, das sich später in nationalstaatliche Varianten übersetzen ließ – allen voran in Spanien.


Die Geschichte der Inquisition in Spanien: Staatsräson, Blut und Bürokratie


Mit der Spanischen Inquisition ab 1478 betritt ein neuer Akteur die Bühne: der frühmoderne Staat. Ferdinand und Isabella nutzten die Inquisition nicht nur als Glaubenswächterin, sondern als Instrument der politischen Vereinheitlichung. Religiöse Homogenität sollte Loyalität garantieren.


Conversos, Moriscos und „reines Blut“


Der erste Fokus lag nicht auf Protestanten oder „Hexen“, sondern auf getauften Juden, den Conversos. Viele hatten sich nach Pogromen taufen lassen, stiegen sozial auf und sorgten für Spannungen mit den „Altchristen“. Die Inquisition sollte prüfen, ob der Glaube „echt“ war – oder ob im Verborgenen jüdische Praktiken weiterlebten.


Daraus entstand das Konzept der Limpieza de sangre, der „Reinheit des Blutes“. Glaube wurde zunehmend biologisiert: Wer jüdische oder muslimische Vorfahren hatte, galt als dauerhaft verdächtig – selbst bei tadelloser Frömmigkeit. Das ist eine Vorform rassistischen Denkens, lange bevor moderne Rassentheorien entstanden.


Im 17. Jahrhundert traf diese Logik die Moriscos, also getaufte Muslime. Zwischen 1609 und 1614 wurden etwa 300.000 von ihnen aus Spanien vertrieben. Die Inquisition spielte eine Schlüsselrolle, indem sie sie zuvor jahrzehntelang kontrollierte, disziplinierte und kriminalisierte.


Bürokratie des Schreckens – und nüchterne Zahlen


Die Spanische Inquisition war hochgradig organisiert: An der Spitze stand der Großinquisitor mit seinem Rat (Suprema), darunter ein Netz regionaler Tribunale – auch in den Kolonien. Typisch war das „Gnadenedikt“: Bei Ankunft eines Tribunals wurden alle aufgefordert, sich selbst oder andere anzuzeigen. Wer „freiwillig“ gestand, konnte mit milderen Strafen rechnen. Eine Art umgekehrte Amnestie, die das soziale Klima vergiftete.


Folter war Teil des Verfahrens, sollte aber formal nur der Wahrheitsfindung dienen. Methoden wie La Garrucha (Hochziehen an rücklings gefesselten Armen), La Toca (Wassertortur) oder die Streckbank erzeugten Schmerzen an der Grenze des Erträglichen. Offiziell durfte kein Blut fließen und keine dauerhafte Verstümmelung eintreten – eine juristische Feinheit, die das reale Ausmaß des Leidens nur notdürftig kaschierte.


Wie tödlich war dieses System? Lange kursierten Fantasiezahlen von Hunderttausenden oder gar Millionen Opfern – befeuert von der „Schwarzen Legende“ protestantischer Propaganda. Moderne Auswertungen der Inquisitionsakten zeichnen ein anderes Bild: Für den Zeitraum 1540–1700 lassen sich rund 44.700 Verfahren nachweisen, von denen etwa 826 mit einer Hinrichtung „in persona“ endeten – also knapp unter 2 %. Insgesamt liegt die Zahl der Todesopfer über die gesamte Existenz der Spanischen Inquisition vermutlich im niedrigen vierstelligen Bereich.


Das relativiert die Dimension, nicht die Qualität des Unrechts. Entscheidend ist: Wir können die Mechanik dieses Terror-Bürokratismus heute viel genauer analysieren – gerade weil so viel akribisch dokumentiert wurde.


Autodafé: Theater der Angst


Der sichtbarste Ausdruck dieser Mechanik war das Autodafé, der „Akt des Glaubens“. Es war weniger die Hinrichtung selbst als eine große pädagogische Inszenierung: Prozessionen in Schandkleidung (Sanbenitos), Predigten, Urteilsverkündung, öffentliche Abschwörungen. Erst am Ende wurden Unbußfertige der weltlichen Justiz übergeben, die die Verbrennung vollstreckte.


Die Botschaft war doppelt: Reue führt zur (wenn auch gedemütigten) Reintegration, hartnäckige Abweichung zur Vernichtung. Glauben und Gehorsam wurden zum öffentlichen Spektakel.


Rom, Wissenschaft und der Kampf um den Geist


Während Spanien die Inquisition verstaatlichte, baute der Papst in Rom ab 1542 eine zentrale Glaubenskongregation auf. Die Römische Inquisition sollte vor allem der Abwehr des Protestantismus dienen – faktisch wurde sie aber zur Instanz, die später berühmte Konflikte zwischen Wissenschaft und Dogma austrug.


Giordano Bruno steht bis heute für die tödliche Grenze freien Denkens: Nach jahrelangen Verhören, in denen es weniger um seine kosmologischen Ideen als um theologische „Sprengsätze“ (Leugnung der Trinität, Pantheismus) ging, wurde er 1600 in Rom verbrannt. Galileo Galilei hingegen wurde „nur“ zum Hausarrest verurteilt – sein Fall zeigt, wie stark schon damals politische Rücksichten und symbolische Machtdemonstrationen ineinandergriffen. Das heliozentrische Weltbild war nicht deshalb gefährlich, weil es astronomisch abwegig gewesen wäre, sondern weil es biblische Auslegungen in Frage stellte.


Auch hier lohnt ein Blick auf die Statistik: Für die Römische Inquisition werden für die Zeit von 1542 bis ins späte 18. Jahrhundert rund 51.000–75.000 Verfahren und etwa 1.250 Hinrichtungen geschätzt. Die Quote liegt damit bei etwa 2 %. Auffällig ist zudem, dass römische Inquisitoren gegenüber groß angelegten Hexenjagden eher skeptisch waren. In mehreren Fällen bremsten sie lokale Eiferer aus, die jede Form von Volksfrömmigkeit in Teufelspakte umdeuten wollten.


Exportiertes System – Inquisition in Portugal und der Neuen Welt


Mit den Kolonialreichen Spaniens und Portugals wurde die Inquisition global.

Die portugiesische Variante, 1536 eingerichtet, verfolgte besonders Cristãos-Novos, also neubekehrte Juden, und betrieb in Goa ein Tribunal, das indische Christen wegen angeblicher „Rückfälle“ in hinduistische Praktiken drakonisch bestrafte.


In der spanischen Neuen Welt wurden Tribunale in Mexiko, Lima und Cartagena eingerichtet. Eine interessante Nuance: Indigene Bevölkerungen waren formal von der Inquisition ausgenommen – sie galten als „Neubekehrte“ unter bischöflicher Aufsicht. Im Fokus standen Europäer, Kreolen, Mestizen und versklavte Afrikaner. Die Hauptvorwürfe reichten von Gotteslästerung und Bigamie über „abergläubische Praktiken“ bis zu Kryptojudentum. In Lima etwa wurden bis 1820 knapp 1.500 Prozesse geführt, von denen nur einige Dutzend mit der Todesstrafe endeten.


Die Abschaffung der Inquisition in Lateinamerika fiel zeitlich mit den Unabhängigkeitsbewegungen zusammen: Für viele Revolutionäre symbolisierte sie die Verknüpfung von kolonialer Herrschaft und geistiger Unterdrückung.


Hexen, aber (fast) ohne Inquisition – der deutsche Sonderweg


Wenn wir heute an Scheiterhaufen denken, sehen viele automatisch „die Inquisition“ vor sich. Historisch ist das verkürzt. Die großen Hexenverfolgungen des 16. und 17. Jahrhunderts fanden vor allem dort statt, wo es keine starke zentrale Inquisition gab – etwa im Heiligen Römischen Reich.


In Deutschland wurden Hexenprozesse überwiegend von städtischen oder landesherrlichen Gerichten geführt. Sie nutzten zwar das inquisitorische Verfahren (Ermittlungen von Amts wegen, Folter, Geständniszwang), waren aber keine kirchlichen Inquisitionsgerichte. Lehrbücher wie der Hexenhammer lieferten die ideologische Munition, während lokale Konflikte, Neid und Krisen (Missernten, Seuchen) den Funken lieferten.


Die Stadt Soest in Westfalen ist ein Beispiel, wie solche Dynamiken eskalieren konnten: Eine hohe Dichte an Verfahren, fast ausweglose Folterregime und dokumentierte Selbstmorde von Gefangenen zeigen, wie sehr hier eine städtische Obrigkeit – ohne römische oder spanische Inquisitoren – den Terror steuerte. Parallel existierten in Westfalen die sogenannten Feme- oder Vehmgerichte, geheime Laiengerichte mit Blutgerichtsbarkeit. Auch sie arbeiteten mit Geheimhaltung und schneller Vollstreckung, sind aber rechtlich klar von der kirchlichen Inquisition zu unterscheiden.


Vom Heiligen Offizium zum Dikasterium – die erstaunliche Karriere einer Behörde


Im 19. Jahrhundert verschwanden die klassischen Inquisitionsgerichte nach und nach von der politischen Bühne. Spanien schaffte seine Inquisition 1834 ab, Portugal 1821. Doch in Rom überlebte der Kern als Behörde.


1908 benannte Papst Pius X. die „Römische und universale Inquisition“ in „Heiliges Offizium“ um – immer noch zuständig für Lehrkontrolle und die berühmte Liste verbotener Bücher. 1965, im reformfreudigen Klima des Zweiten Vatikanischen Konzils, wurde daraus die „Kongregation für die Glaubenslehre“. Die Sprache wurde milder, die Instrumente auch – physische Strafen waren längst passé –, aber Verfahren gegen unbequeme Theologen blieben möglich.


2022 schließlich wandelte Papst Franziskus im Rahmen der Kurienreform die Kongregation in das „Dikasterium für die Glaubenslehre“ um. Der Name klingt technokratischer, die Leitidee ist missionarischer: nicht mehr primär Kontrolle, sondern „Dienst an der Evangelisierung“. Ob dieser Anspruch in der Praxis eingelöst wird, ist eine andere Frage.


Bemerkenswert ist, was heute im Zentrum der Arbeit steht: Seit einem Dokument von 2001 ist das Dikasterium die Schaltstelle für kirchenrechtliche Verfahren im Zusammenhang mit sexuellen Missbrauchstaten durch Kleriker. Bischöfe weltweit müssen Verdachtsfälle nach Rom melden. Die älteste noch existierende Gerichtsbehörde der Welt, geboren aus der Angst vor Häresie, soll heute die Gläubigen vor Tätern aus den eigenen Reihen schützen. Die Ironie der Geschichte könnte harscher kaum sein.


Was uns die Geschichte der Inquisition heute noch lehrt


Die Geschichte der Inquisition ist keine ferne, abgeschlossene Horrorerzählung. Sie erzählt von der Versuchung, Wahrheit und Ordnung mit juristischen und administrativen Mitteln erzwingen zu wollen. Sie zeigt, wie schnell ein formal „rationales“ Verfahren – schriftliche Akten, Beweisaufnahme, standardisierte Abläufe – in ein Werkzeug systematischer Menschenrechtsverletzungen kippen kann, wenn Macht unkontrolliert bleibt.


Gleichzeitig ist die Bilanz ambivalent: Im Vergleich zu spontanen Pogromen und lokalen Hexenjagden konnten Inquisitionsgerichte mitunter sogar exzessive Gewalt eindämmen, weil sie bestimmte Rechtsstandards durchsetzten. Dasselbe System, das Willkür bremste, erzeugte jedoch eine Kultur des Misstrauens, der Denunziation und Gesinnungskontrolle.


Die Geschichte der Inquisition mahnt uns also in zwei Richtungen: Sie erinnert daran, wie wichtig rechtsstaatliche Verfahren sind – und wie gefährlich, wenn dieselben Verfahren unter ideologischer Kontrolle stehen. Und sie zeigt, dass Institutionen sich radikal wandeln können, ohne ihr historisches Erbe einfach abzustreifen.


Wenn dir dieser Blick auf die lange Geschichte der Inquisition gefallen hat, lass dem Beitrag gern ein Like da und schreib deine Gedanken in die Kommentare: Was hat dich am meisten überrascht – die relativ „niedrigen“ Opferzahlen, die globale Ausdehnung oder die heutige Rolle des Dikasteriums im Vatikan?


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Quellen:


  1. Waldenserthum und Inquisition im südöstlichen Deutschland bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts - https://de.wikisource.org/wiki/Waldenserthum_und_Inquisition_im_s%C3%BCd%C3%B6stlichen_Deutschland_bis_zur_Mitte_des_14._Jahrhunderts

  2. Von der Inquisition zur Lehrbeanstandung: ein historischer Rückblick - https://www.db-thueringen.de/servlets/MCRFileNodeServlet/dbt_derivate_00009803/Steinhauer%20FS-Rivinius.pdf

  3. „Hexen, Unholde und Juristen“. Ausgewählte Hexenprozesse in Vorarlberg im 17. Jahrhundert und deren Rechtsgutachten - https://phaidra.univie.ac.at/open/o:1260626

  4. Vergentis in senium - https://de.wikipedia.org/wiki/Vergentis_in_senium

  5. Inquisizione spagnola: numero di vittime - https://www.ereticopedia.org/number-of-victims-spanish-inquisition

  6. Roman Inquisition - https://en.wikipedia.org/wiki/Roman_Inquisition

  7. Soest Namensliste Opfer der Hexenprozesse 2 - http://www.anton-praetorius.de/downloads/namenslisten/Soest%20Namensliste%20Opfer%20der%20Hexenprozesse%202.pdf

  8. Vehmic court - https://en.wikipedia.org/wiki/Vehmic_court

  9. Katharer - https://de.wikipedia.org/wiki/Katharer

  10. Die Inquisition und die Katharer. Ketzerverfolgung im hohen Mittelalter - https://books.google.com/books/about/Die_Inquisition_und_die_Katharer_Ketzerv.html?id=BE3XEAAAQBAJ

  11. 1244: Two hundred-plus Cathars at Montsegur - https://www.executedtoday.com/2011/03/16/1244-two-hundred-cathars-montsegur/

  12. Die Waldenser im Mittelalter (Armutsbewegung, Inquisition, Ketzer, Häresie) - https://www.youtube.com/watch?v=9TWDAF-qvF8

  13. Spanische Inquisition - https://de.wikipedia.org/wiki/Spanische_Inquisition

  14. Spanish Inquisition | Definition, History, & Facts - https://www.britannica.com/topic/Spanish-Inquisition

  15. The tortures of the Spanish Inquisition hold dark lessons for our time | Letters & Science - https://ls.berkeley.edu/news/tortures-spanish-inquisition-hold-dark-lessons-our-time

  16. ad capiendas vulpes - https://perspectivia.net/servlets/MCRFileNodeServlet/ploneimport_derivate_00011238/kolmer_vulpes.pdf

  17. Autodafé - https://de.wikipedia.org/wiki/Autodaf%C3%A9

  18. Black Legend - https://en.wikipedia.org/wiki/Black_Legend

  19. Leyenda negra española - https://es.wikipedia.org/wiki/Leyenda_negra_espa%C3%B1ola

  20. Juli: Papst gründet Inquisition - https://www.erzdioezese-wien.at/site/home/nachrichten/article/113511.html

  21. Portuguese Inquisition - https://en.wikipedia.org/wiki/Portuguese_Inquisition

  22. 1570: The Spanish Inquisition in America - https://www.freespeechhistory.com/timeline/1570-the-spanish-inquisition-is-imported-to-america/

  23. Peruvian Inquisition - https://en.wikipedia.org/wiki/Peruvian_Inquisition

  24. Internet-Portal "Westfälische Geschichte" / Marchlewski, Ann-Kathrin ... - https://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/ku.php?tab=lit&ID=3118

  25. Hexenverfolgung im Herzogtum Westfalen – https://de.wikipedia.org/wiki/Hexenverfolgung_im_Herzogtum_Westfalen

  26. Hexenverfolgung in Soest: ZK Geschichte auf Spurensuche im Stadtarchiv - https://www.gesamtschule-soest.de/index.php/2024/11/12/hexenverfolgung-in-soest-zk-geschichte-auf-spurensuche-im-stadtarchiv/

  27. Dikasterium für die Glaubenslehre - Index - https://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/index_ge.htm

  28. Dikasterium für die Glaubenslehre - https://de.wikipedia.org/wiki/Dikasterium_f%C3%BCr_die_Glaubenslehre

  29. Apostolische Konstitution “Praedicate Evangelium” - https://www.vatican.va/content/francesco/de/apost_constitutions/documents/20220319-costituzione-ap-praedicate-evangelium.html

  30. Reform der Glaubenskongregation: Mehr Dialog, klarer gegen Missbrauch - https://www.katholisch.de/artikel/33144-reform-der-glaubenskongregation-mehr-dialog-klarer-gegen-missbrauch

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