Bindung formt dein Gehirn – ein Leben lang
- Benjamin Metzig
- vor 10 Stunden
- 10 Min. Lesezeit

Bindung formt Gehirn – warum Nähe stärker wirkt als Gene und warum es nie zu spät ist
Stell dir vor, dein Gehirn wäre nicht einfach ein fertiger Computer, der bei der Geburt eingeschaltet wird, sondern eher ein riesiger, noch ziemlich leerer Serverraum. Welche Kabel gelegt werden, welche Steckplätze offen bleiben und welche Bereiche überhitzen, hängt entscheidend davon ab, wie viel Nähe, Trost und Verlässlichkeit du in den ersten Lebensjahren erfährst. Kurz gesagt: Bindung formt dein Gehirn – und zwar buchstäblich.
Damit ist Bindung nicht nur ein warmes, flauschiges Wort aus Elternratgebern, sondern ein knallhartes biologisches Programm zur Stressregulation und zum Überleben. Wer als Baby verlässlich getröstet wird, lernt: Die Welt ist grundsätzlich sicher, Gefühle sind aushaltbar, andere Menschen können helfen. Wer diese Erfahrung nicht macht, baut andere Strategien – oft auf Kosten von Gesundheit, Beziehungen und Lebensqualität.
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Von „Küchenschrankliebe“ zu Kontaktkomfort: Wie Bindungstheorie alles umkrempelte
Als John Bowlby in der Mitte des 20. Jahrhunderts begann, mit Waisenkindern und hospitalisierten Kindern zu arbeiten, stellte er eine beunruhigende Beobachtung fest: Viele dieser Kinder waren körperlich gut versorgt – und trotzdem emotional völlig verstört, regressiv oder „gefühllos“. Nach damaligen Theorien hätte das nicht passieren dürfen. Man ging davon aus, dass Kinder ihre Bezugspersonen vor allem deshalb lieben, weil diese Futter liefern – die berüchtigte „Cupboard Love Theory“.
Bowlby traute dieser Erklärung nicht. Inspiriert von der Ethologie schaute er zu Konrad Lorenz’ Gänseküken, die jedem Objekt hinterherwatschelten, das sich in einer sensiblen Phase bewegte – egal, ob es Futter gab oder nicht. Und er verfolgte Harry Harlows verstörende Rhesusaffen-Experimente: Affenbabys klammerten sich an eine weiche Stoffmutter, obwohl nur die kalte Drahtmutter Milch spendete. Nähe, Körperkontakt, Sicherheit – all das war wichtiger als Nahrung.
Bowlbys Schluss war radikal: Bindung ist ein eigenständiges biologisches System, kein Nebenprodukt von Fütterung. In der evolutionären Umwelt unserer Vorfahren waren Babys, die sich an eine verlässliche Bezugsperson klammerten, schlicht häufiger am Leben. Bindung ist somit eine Art eingebautes Schutzprogramm.
Um dieses Programm zu beschreiben, griff Bowlby auf kybernetische Modelle zurück: Das Bindungssystem funktioniert wie ein Thermostat – nur dass es nicht Temperatur, sondern gefühlte Sicherheit reguliert. Fühlt sich ein Kind bedroht oder allein, springt das System an: Es schreit, sucht Nähe, klammert. Sobald es Schutz erlebt, fährt der „innere Regler“ wieder herunter und macht Platz für das zweite große System: Exploration. Erst wenn die innere Alarmanlage ruhig ist, kann das Gehirn Ressourcen ins Lernen und Entdecken stecken.
Über wiederholte Erfahrungen baut das Kind aus diesen Begegnungen sogenannte Innere Arbeitsmodelle: unbewusste Geschichten darüber, wie die Welt, andere Menschen – und es selbst – „funktionieren“. Bin ich liebenswert? Sind andere verfügbar, wenn ich sie brauche? Diese Modelle werden zu Filtern, durch die später Freundschaften, Liebesbeziehungen, Arbeitskonflikte – eigentlich alles – gedeutet werden.
Wie Bindung entsteht: Die ersten Lebensjahre entscheiden viel – aber nicht alles
Bindung ist kein On/Off-Schalter, der plötzlich umgelegt wird, sondern ein Entwicklungsprozess über mehrere Jahre. In den ersten Monaten senden Babys ihre Signale – Schreien, Lächeln, Blickkontakt – ziemlich wahllos an alle, die in der Nähe sind. Hauptsache, jemand reagiert.
Zwischen dem zweiten und siebten Monat beginnt das Kind, vertraute Menschen zu unterscheiden: Es lächelt häufiger die primäre Bezugsperson an, lässt sich von ihr schneller beruhigen. Richtig spannend wird es aber ab etwa sieben Monaten: Jetzt ist das Bindungssystem voll „online“. Mit der Entwicklung von Objektpermanenz und Mobilität entstehen Trennungs- und Fremdenangst – das berühmte „Fremdeln“. Das Kind krabbelt weg, schaut zurück, kehrt bei Unsicherheit zur „sicheren Basis“ zurück, um Energie zu tanken.
Ab etwa drei Jahren startet die Phase der zielkorrigierten Partnerschaft: Kinder verstehen immer besser, dass Mama oder Papa eigene Pläne, Gefühle und Perspektiven haben. Sie können verhandeln, warten, nachvollziehen, warum jemand geht – und wiederkommt. Physische Nähe wird nach und nach durch psychische Verfügbarkeit ersetzt.
Ob dieser Prozess stabil und sicher verläuft, hängt zentral von der Feinfühligkeit der Bezugsperson ab:
Nimmt sie die Signale des Kindes überhaupt wahr?
Interpretiert sie sie richtig – oder projiziert sie ihre eigenen Bedürfnisse hinein?
Reagiert sie prompt genug, dass das Kind die Verbindung zwischen Signal und Antwort erkennen kann?
Und vor allem: Reagiert sie angemessen – tröstend bei Angst, anregend im Spiel?
Feinfühligkeit ist keine perfekte Dauerbespaßung. Es geht eher um ein „genug gut“, bei dem Fehler erlaubt sind – solange Reparatur möglich ist. Interessant: Das Temperament des Kindes spielt eine Rolle, aber die Anpassungsleistung liegt überwiegend bei der erwachsenen Person.
Lange Zeit stand dabei ausschließlich die Mutter im Fokus. Neuere Forschung zeigt jedoch: Väter sind oft die Meister des Aktivierungs-Systems. Durch wilderes, herausforderndes Spiel („Sensitive Challenge“) helfen sie Kindern, mit Aufregung und Risiko umzugehen. Sie sind sozusagen Trainer für Mut und Selbstwirksamkeit, während Mütter (oder andere primäre Bezugspersonen) eher der sichere Hafen in der Not sind. Natürlich können Rollen variieren – entscheidend ist die Funktion, nicht das Geschlecht.
Sicher, unsicher, desorganisiert: Was Bindungsmuster über Stress und Gefühle verraten
Mary Ainsworth machte Bowlbys Theorie messbar. Mit der berühmten „Fremden Situation“ entwickelte sie ein standardisiertes Laborszenario, in dem Kinder zwischen 12 und 24 Monaten kurzen Trennungen und Wiedervereinigungen mit der Bezugsperson ausgesetzt werden. Das Ziel: beobachten, wie das Kind sein Bindungssystem organisiert, wenn es moderatem Stress ausgesetzt ist.
Das Ergebnis waren vier typische Muster:
Sicher (Typ B): Das Kind nutzt die Bezugsperson als sichere Basis, protestiert meist bei Trennung, sucht bei Wiederkehr Nähe, lässt sich trösten und spielt weiter. Die Botschaft lautet: „Ich darf Angst haben, und ich kann mich beruhigen – mit Hilfe anderer und irgendwann auch alleine.“
Unsicher-vermeidend (Typ A): Das Kind wirkt cool und autonom, weint kaum, meidet bei Wiedervereinigung Blickkontakt und Nähe. Physiologisch ist es aber hoch gestresst. Es hat gelernt: „Wenn ich meine Bedürfnisse zeige, werde ich abgelehnt. Also lieber abschalten.“
Unsicher-ambivalent (Typ C): Das Kind klammert schon vorher, ist bei Trennung verzweifelt und bei Wiederkehr gleichzeitig anhänglich und wütend. Es sucht Nähe, stößt sie aber auch weg. Die interne Logik: „Ich muss maximal laut sein, sonst werde ich übersehen – aber sicher bin ich mir trotzdem nie.“
Desorganisiert (Typ D): Hier bricht das System zusammen. Kinder zeigen bizarr widersprüchliches Verhalten: Erstarren, merkwürdige Körperhaltungen, Annäherung mit abgewendetem Blick. Häufig ist die Bezugsperson zugleich Quelle von Schutz und Angst – etwa bei Misshandlung oder massiver psychischer Instabilität.
Wichtig ist: Unsichere Bindung ist keine Diagnose, sondern ein Risikofaktor. Viele Menschen mit unsicherer Bindung sind äußerlich funktional, aber anfälliger für Stress, Depressionen oder Beziehungschaos. Desorganisierte Bindung hingegen ist ein besonders starker Prädiktor für spätere schwerwiegende Störungen wie Dissoziation oder Borderline-Symptomatik.
Und trotzdem: Bindung ist kein endgültiges Urteil, sondern eher ein Startsetup. Spätere Erfahrungen – gute Beziehungen, Therapie, stabile Partnerschaften – können das System umprogrammieren.
Was im Gehirn passiert: Stresshormone, Oxytocin und die Narben von Trauma
Wenn wir sagen, Bindung formt dein Gehirn, ist das keine Metapher. Frühe Beziehungsqualität greift tief in die Neurobiologie ein. Ein zentrales System ist die HPA-Achse, unser hormonelles Stresssystem. Babys können ihren Stress noch nicht selbst regulieren – ihnen fehlt schlicht die „Software“ dazu. Sie brauchen eine externe Regulierung durch Nähe, Körperkontakt, Stimme, Blick.
In sicherer Bindung sieht das so aus: Stress aktiviert Hypothalamus, Hypophyse und Nebennieren, Cortisol steigt – aber wenn die Bezugsperson tröstet, sinkt der Spiegel wieder. Das Kind erlebt: „Stress ist unangenehm, aber nicht gefährlich. Er hat ein Ende.“ Die HPA-Achse bleibt flexibel.
Bei chronischem Stress – etwa durch Vernachlässigung, dauerhafte Überforderung in der Kita ohne verlässliche Bezugserzieherin oder häusliche Gewalt – bleibt Cortisol dagegen häufig erhöht. Gerade in sensiblen Phasen kann das Gehirn das teuer bezahlen: Der Hippocampus, wichtig für Gedächtnis und Kontext von Angst, kann schrumpfen; die Amygdala wird überempfindlich; Verbindungen zum präfrontalen Kortex, der wie eine vernünftige „Bremse“ wirkt, bleiben unterentwickelt.
Parallel wirkt ein zweites System: die Chemie von Bindung und Belohnung. Oxytocin – oft etwas kitschig als „Kuschelhormon“ bezeichnet – senkt Angst, fördert Vertrauen und verstärkt die Wirkung des dopaminergen Belohnungssystems. Wenn eine feinfühlige Mutter ihr Baby ansieht und es anlächelt, feuern Oxytocin und Dopamin gemeinsam – Interaktion wird buchstäblich belohnend.
Spannend (und tragisch): Bei Eltern mit eigenem unsicher-vermeidendem Bindungsstil zeigen Studien oft geringere Oxytocin-Ausschüttung und weniger Aktivierung in Belohnungszentren, wenn sie mit ihrem Kind interagieren. Nähe fühlt sich dann nicht automatisch gut an, sondern anstrengend oder leer. So können sich Bindungsmuster unbewusst fortsetzen.
Hier kommt die Epigenetik ins Spiel. Erfahrungen können die Aktivität von Genen verändern, ohne deren Sequenz anzutasten – etwa durch Methylierung von DNA. Berühmte Rattenstudien zeigen: Mütter, die ihre Jungen intensiv lecken und pflegen, programmieren deren Stresssystem so, dass es später robuster reagiert. Vernachlässigte Jungen dagegen bleiben ihr Leben lang stressanfälliger. Analog wurde beim Menschen etwa eine veränderte Methylierung von Stress- und Oxytocinrezeptor-Genen nach früher Traumatisierung gefunden. Trauma hinterlässt also Spuren nicht nur im Erleben, sondern im molekularen Profil von Zellen – und kann über Generationen weitergegeben werden.
Das klingt düster, birgt aber auch Hoffnung: Epigenetische Muster sind veränderbar. Sichere Bindungserfahrungen im späteren Leben, Psychotherapie und stabile Beziehungen können diese „Schalter“ zum Teil wieder umlegen.
Bindung hört nicht mit der Kindheit auf: Liebe, Partnerschaft und Therapie
Unsere Inneren Arbeitsmodelle verschwinden nicht, wenn wir volljährig werden – sie ziehen mit in WG, Büro und Schlafzimmer. Um Bindungsmuster im Erwachsenenalter zu erfassen, wurde das Adult Attachment Interview (AAI) entwickelt. Interessant: Es fragt weniger nach „objektiven Fakten“ der Kindheit, sondern analysiert, wie jemand heute darüber spricht. Ist der Bericht kohärent, reflektiert, offen – oder abwehrend, verworren, emotional verstrickt?
Die Kategorien spiegeln grob die Muster der Kindheit: sicher-autonom, distanziert, verstrickt und ungelöst-desorganisiert. Parallel dazu gibt es Fragebögen für romantische Bindung, die vier Typen abbilden:
Sicher: Nähe ist okay, Autonomie auch.
Ängstlich: starke Angst, verlassen zu werden, viel Klammern, ständige Rückversicherung.
Vermeidend: Betonung von Autonomie, Abwertung von Nähe, emotionale Distanz.
Ängstlich-vermeidend: Sehnsucht nach Nähe plus Misstrauen – ein schmerzhaftes Hin-und-Her.
Zum Glück zeigen Längsschnittstudien: Bindung ist relativ stabil, aber nicht zementiert. Positive Life Events – eine verlässliche Partnerschaft, ein guter Therapeut, ein unterstützender Freundeskreis – können zu sogenannter „earned security“ führen: Man wird sicher, obwohl die Startbedingungen unsicher waren. Umgekehrt können schwere Verluste oder Missbrauch eine ursprünglich sichere Bindung destabilisieren.
Therapeutisch nutzt man diese Plastizität. Ansätze wie die Attachment-Based Family Therapy setzen direkt an der Bindungsbeziehung an – etwa bei suizidalen Jugendlichen. Zentral ist, dass Eltern lernen, den emotionalen Schmerz ihres Kindes nicht zu bagatellisieren oder abzuwehren, sondern feinfühlig zu halten. Parallel dazu zeigt die Neurobiologie, dass stabile therapeutische Beziehungen und Psychotherapie im Allgemeinen Hirnnetzwerke umstrukturieren: Verbindungen zwischen präfrontalem Kortex und limbischem System werden gestärkt, Stressreaktionen regulierbarer, neue epigenetische Muster können entstehen.
Wenn dir beim Lesen der Gedanke kommt: „Okay, das erklärt einiges in meinen eigenen Beziehungen…“, dann schreib mir gern in die Kommentare, welche Aspekte dich besonders beschäftigen – und like den Beitrag, wenn er dir hilft, deine Muster besser zu verstehen.
Bindung im digitalen Zeitalter: Smartphones, Influencer und der Hunger nach Nähe
Was passiert mit einem Bindungssystem, das evolutionär auf Körpernähe, Blickkontakt und geteilte Aufmerksamkeit getuned wurde, wenn plötzlich das Smartphone der wichtigste „soziale Partner“ ist?
Viele nutzen ihr Handy wie einen digitalen Schnuller: Es ist immer da, beruhigt in Wartezeiten, lenkt von unangenehmen Gefühlen ab, gibt schnellen Zugang zu „sozialen“ Signalen – Likes, Nachrichten, neue Videos. Studien deuten darauf hin, dass besonders Menschen mit unsicher-ängstlicher Bindung zu exzessiver Nutzung neigen: Sie checken ständig, ob jemand geantwortet hat, erleben starke Unruhe, wenn das Handy weg ist oder stumm bleibt. Das Bindungssystem sucht Verfügbarkeit – der Bildschirm simuliert sie.
Vermeidende Typen wiederum nutzen digitale Kommunikation oft, um Distanz zu kontrollieren: Nähe auf Knopfdruck, aber jederzeit abbrechbar. Kein Blickkontakt, kein Körper, keine unmittelbare Konfrontation mit Gefühlen – sehr kompatibel mit einem Bindungssystem, das gelernt hat, Emotionen eher zu unterdrücken.
Dazu kommen parasoziale Beziehungen: einseitige Bindungen an Influencer, Serienfiguren oder Streamer. Man kennt deren Stimme, Gestik, Biografie – sie aber kennen uns nicht. Für Menschen mit hohem Bindungsbedürfnis kann das ein scheinbar sicherer Weg sein, Nähe zu erleben, ohne das Risiko realer Zurückweisung. Kurzfristig kann das entlasten, langfristig verstärkt es jedoch oft die Einsamkeit, weil reale Beziehungen darunter leiden.
Die entscheidende Frage ist daher nicht: „Sind Smartphones schlecht?“, sondern: Wofür benutzen wir sie? Als Ergänzung zu echten Beziehungen – oder als Ersatz?
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Was wir daraus machen können: Praktische Impulse und ein bisschen Hoffnung
Was folgt aus all dem für Eltern, Fachkräfte und uns selbst – außer der Erkenntnis, dass Bindung dein Gehirn formt und wir alle irgendwie „Baustellen“ haben?
Erstens: Perfektion ist weder möglich noch nötig. Kinder brauchen keine 24/7-Supereltern, sondern „genug gute“ Bezugspersonen, die erreichbar sind, Fehler zugeben und reparieren können. Ein wütender Ausraster ist nicht das Problem – aber eine dauerhafte Atmosphäre aus Kälte, Unberechenbarkeit oder Angst.
Zweitens: Bindung ist politisch. Feministische Kritik weist zurecht darauf hin, dass man sich leicht auf „Mutter-Fehler“ fixiert und strukturelle Faktoren übersieht: Armut, fehlende Betreuungsqualität, Alleinerziehendensein ohne Netzwerk, psychische Belastungen. Feinfühligkeit fällt leichter, wenn man nicht selbst permanent im Überlebensmodus ist. Wenn wir Kinder schützen wollen, müssen wir auch die schützen, die für sie sorgen.
Drittens: Kultur zählt. Was im deutschen Mittelstand als „vermeidend“ eingestuft wird, kann in einer anderen Kultur eine erwünschte Form von Selbstkontrolle sein. Bindungstheorie bietet ein mächtiges Modell, aber kein universales Maßband, mit dem wir weltweit Eltern bewerten sollten.
Viertens – und vielleicht am wichtigsten: Es ist nie zu spät. Auch wenn frühe Erfahrungen tiefe Spuren hinterlassen, bleibt das Gehirn formbar. Eine stabile Freundschaft, eine liebevolle Partnerschaft, eine verlässliche Therapeutin, ein empathischer Lehrer – all das kann zu „earned security“ beitragen. Jedes Mal, wenn wir erleben: „Ich bin mit meinem Gefühl nicht allein. Jemand hält das mit mir aus“, werden im Hintergrund neue synaptische Verbindungen gestärkt und alte Skripte leise überschrieben.
Wenn dich dieser Gedanke berührt oder du eigene Erfahrungen mit Bindung, Therapie oder digitalen Beziehungen teilen möchtest, dann lass gern ein Like da und schreib in die Kommentare, was du aus diesem Artikel für dich mitnimmst. Deine Perspektive hilft anderen, sich weniger allein mit ihren Mustern zu fühlen.
Quellen:
Mary Ainsworth taught us how to understand our children and ourselves – https://www.zeit-fragen.ch/en/archives/2019/no-8-2-april-2019/mary-ainsworth-taught-us-how-to-understand-our-children-and-ourselves
Die Bindungstheorie – Überblick und neuere Forschungsansätze – https://www.sos-kinderdorf.at/getmedia/c23cbf7c-4f49-4e04-a6f1-cac063c305b2/Veith_Bindungstheorie
Theoretical Spotlight: Attachment Theory – https://www.statisticssolutions.com/theoretical-spotlight-attachment-theory/
Die Fremde Situation als standardisiertes Verfahren zur Klassifizierung von Bindungsverhaltensmustern – https://www2.klett.de/sixcms/media.php/229/on_006137_3_1_031_2.pdf
Entwicklung der kindlichen Bindung – https://www.kindergesundheit-info.de/themen/entwicklung/0-12-monate/bindung/
Bindung, Emotionale Entwicklung und Entwicklung des Selbst – https://www.psy.lmu.de/epp/studium_lehre/lehrmaterialien/lehrmaterial_ss10/sose_2010/einf_sodian2010/bsc_ss10_08.pdf
Einfluss erwachsener Bindungsrepräsentationen auf die psychophysiologische Stressregulation – https://www.db-thueringen.de/servlets/MCRFileNodeServlet/dbt_derivate_00044348/disskietzer.pdf
Attachment and relationship functioning – https://adultattachment.faculty.ucdavis.edu/wp-content/uploads/sites/66/2015/09/Shaver_2006_Attachment-theory-individual-psychodynamics-and-relationship-functioning.pdf
Fremde-Situations-Test – https://de.wikipedia.org/wiki/Fremde-Situations-Test
Desorganisierte Bindung – https://pflegefamilien-akademie.de/enzyklopaedie/desorganisierte-bindung/
Bindungsentwicklung und Desorganisation von Bindung in der frühen Kindheit – https://www.kreis-freising.de/fileadmin/user_upload/Aemter/Amt_fuer_Jugend_und_Familie/Besondere_Fachdienste/Koordinierende_Kinderschutzstelle/Koki_Vortrag_BeckerStoll_Bindungsentwicklung_Desorganistation.pdf
Starke Bindungsmuster stärken Stressbewältigungsvermögen im Erwachsenenalter – https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/neurologie/news-archiv/artikel/starke-bindungsmuster-staerken-stressbewaeltigungsvermoegen-im-erwachsenenalter/
Neurobiologie von Schmerz und Stress – https://www.researchgate.net/publication/303684273_Neurobiologie_von_Schmerz_und_Stress_Die_Bedeutung_emotionaler_Vernachlassigung_und_psychischer_Traumatisierung_in_der_Kindheit
Cortisol-Studien und Neurobiologie – https://gute-erste-kinderjahre.de/stresshormon-cortisol/
Maternal Neglect: Oxytocin, Dopamine and the Neurobiology of Attachment – https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3319675/
The Neurobiology of Human Attachments – https://ruthfeldmanlab.com/wp-content/uploads/2019/05/TiCS.Neurobiology-of-attachment.2017.pdf
Early Attachment Relationships and Their Impact on the Brain's Wiring – https://evergreenpsychotherapycenter.com/early-attachment-relationships-and-their-impact-on-the-brains-wiring/
Towards the Epigenetics of Human Attachment – https://pvrticka.com/2018/03/16/the-epigenetics-of-human-attachment/
Attachment and Epigenetics: A Scoping Review of Recent Research and Current Knowledge – https://www.researchgate.net/publication/339070006_Attachment_and_Epigenetics_A_Scoping_Review_of_Recent_Research_and_Current_Knowledge
Disorganized Attachment and Trauma in Children – https://www.complextrauma.uk/uploads/2/3/9/4/23949705/disorganized_attachment_and_trauma_in_children.pdf
The Adult Attachment Interview and Self-Reports of Attachment Style – https://www.ovid.com/journals/jpspy/pdf/10.1037/0022-3514.92.4.678~the-adult-attachment-interview-and-self-reports-of
Attachment Styles In Adult Relationships – https://www.simplypsychology.org/attachment-styles.html
Do life events lead to enduring changes in adult attachment styles? – https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32790474/
Attachment-Based Family Therapy: Theory, Clinical Model, Outcomes, and Process Research – https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8489519/
Attachment Theory and Smartphone Addiction Among University Students – https://www.researchgate.net/publication/394816351_Attachment_Theory_and_Smartphone_Addiction_Among_University_Students_Investigating_Psychological_Dependence_Behavioral_Patterns_and_Well-Being











































































































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