Wissenschaftliche Meldungen
Welche sozialen, familiären und gesundheitlichen Faktoren mit Mobbing bei Jugendlichen zusammenhängen
13.1.26, 13:40
Soziologie, Psychologie

Ein komplexes Problem mit weitreichenden Folgen
Mobbing unter Jugendlichen ist mehr als nur „gemeine Sprüche auf dem Pausenhof“. Eine neue, breit angelegte Analyse zeigt: Viele der Faktoren, die Mobbing begünstigen, liegen nicht nur in der Schule selbst, sondern in sozialen Lebensumständen, familiären Kontexten und gesundheitlichen Herausforderungen. Die Studie beleuchtet Ursachen und Zusammenhänge, die sowohl Betroffene als auch Täter:innen betreffen, und macht deutlich, wie eng soziale Risiken im Jugendalter miteinander verflochten sind. Damit liefert sie eine differenzierte Grundlage für Prävention und Unterstützung.
Welche Merkmale stehen im Zusammenhang mit Mobbing?
Die Forschenden nutzten Daten aus einer umfangreichen, landesweiten Gesundheitsbefragung von Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren in den USA. Insgesamt flossen Angaben von mehr als 37 000 Jugendlichen ein, unter anderem zu ihren sozialen Beziehungen, familiären Hintergründen sowie körperlichen und psychischen Gesundheitsmerkmalen. Ein zentrales Ergebnis: Mehrere dieser Faktoren sind sowohl für Jugendliche relevant, die gemobbt werden, als auch für jene, die selbst andere mobben.
Zu den auffälligen Merkmalen gehören Übergewicht und soziale Isolation. Jugendliche, die hiervon betroffen sind, haben ein erhöhtes Risiko, in Mobbingprozesse verwickelt zu sein. Auch psychische Belastungen wie Angststörungen, depressive Symptome, Aufmerksamkeitsdefizite sowie Lernschwierigkeiten stehen in engem Zusammenhang mit Mobbingerfahrungen. Besonders bemerkenswert ist, dass Übergewicht nicht nur mit einem erhöhten Risiko verbunden ist, Opfer von Mobbing zu werden, sondern auch häufiger bei Jugendlichen auftritt, die selbst als Täter:innen agieren.
Ein weiterer Befund betrifft Jugendliche, die außerhalb der USA geboren wurden. Diese Gruppe berichtete häufiger von Mobbingerfahrungen als Gleichaltrige, die im Land geboren sind. Die Autor:innen interpretieren dies als Hinweis darauf, dass zusätzliche soziale und kulturelle Belastungen das Risiko erhöhen können, ausgegrenzt oder angegriffen zu werden.
Die Dynamik zwischen Betroffenen und Täter:innen
Die Analyse zeigt zudem, dass sich die Rollen von Opfer und Täter:in nicht strikt trennen lassen. Viele Jugendliche, die Mobbing erleben, zeigen gleichzeitig selbst aggressives oder ausgrenzendes Verhalten gegenüber anderen. Umgekehrt berichten Jugendliche, die andere mobben, häufig auch von eigenen Mobbingerfahrungen. Diese Überschneidungen verdeutlichen, dass Mobbing eher ein dynamisches soziales Geflecht ist als ein einfaches Gegeneinander klar definierter Gruppen.
Damit widersprechen die Ergebnisse vereinfachenden Vorstellungen, nach denen es eindeutig identifizierbare Opfer auf der einen und Täter:innen auf der anderen Seite gibt. Stattdessen weisen sie auf komplexe Wechselwirkungen hin, die sich über soziale Beziehungen, psychische Belastungen und familiäre Rahmenbedingungen hinweg verstärken können.
Konsequenzen für Prävention und Unterstützung
Aus Sicht der Forschenden folgt daraus, dass Maßnahmen gegen Mobbing nicht an einzelnen Symptomen ansetzen sollten. Erfolgreiche Prävention müsse ganzheitlich sein und Schule, Familie sowie das Gesundheitssystem einbeziehen. Besonders wichtig sei es, Eltern, Lehrkräfte und Betreuungspersonen gemeinsam zu sensibilisieren und zu schulen, um Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren.
Programme, die Eltern aktiv einbeziehen und kulturell zugänglich gestaltet sind, gelten dabei als besonders wirksam. Zugleich verweisen die Autor:innen auf strukturelle Lücken in der Bildungspolitik. Zwar existieren in vielen US-Bundesstaaten Anti-Mobbing-Regelungen, doch mangelt es häufig an einheitlichen, klar definierten Vorgaben und an praktikablen Leitlinien für den Schulalltag.
Fazit: Mobbing als gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Die Studie macht deutlich, dass Mobbing im Jugendalter kein isoliertes schulisches Phänomen ist. Es entsteht im Zusammenspiel von individuellen Eigenschaften, sozialem Umfeld, familiären Bedingungen und gesundheitlichen Faktoren. Eine wirksame Prävention muss daher über den Klassenraum hinausdenken und soziale sowie gesundheitliche Unterstützung zusammenführen.
Einordnung: Die Untersuchung basiert auf einer repräsentativen US-Haushaltsbefragung und wurde im Fachjournal Child Psychiatry & Human Development veröffentlicht. Sie zeigt belastbare Zusammenhänge, erlaubt jedoch keine Aussagen über direkte Ursachen oder individuelle Entwicklungsverläufe.
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