Wissenschaftliche Meldungen
224 Milliarden Dollar Schäden 2025: Munich Re warnt trotz Rückgang vor Klimarisiken
13.1.26, 14:42
Klima & Umwelt, Politik, Geowissenschaften

Ein Jahr mit weniger Gesamtschaden – aber nicht mit Entwarnung
Auf dem Papier sieht 2025 zunächst nach einer Verschnaufpause aus: Weltweit summierten sich die Schäden durch Naturkatastrophen laut der Rückversicherung Munich Re auf rund 224 Milliarden US-Dollar. Das ist ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Vorjahr, fast 40 Prozent weniger. Doch genau diese Zahl ist der Kern der Warnung: Sie kann leicht darüber hinwegtäuschen, dass das Risiko nicht kleiner geworden ist. Munich Re beschreibt das Gesamtbild ausdrücklich als „alarmierend“, weil 2025 weiterhin von vielen schweren Extremereignissen geprägt war – besonders bei Überschwemmungen, heftigen Gewittern und Waldbränden.
Warum der Rückgang auch schlicht „Glück“ gewesen sein kann
Ein wesentlicher Grund für den niedrigeren Gesamtschaden ist laut Bericht, dass 2025 erstmals seit mehreren Jahren kein Hurrikan das Festland der USA traf. In einer Welt, in der einzelne sehr große Ereignisse die Jahresbilanz massiv verzerren können, ist so ein „Nicht-Einschlag“ statistisch gesehen ein großer Hebel. Munich Re betont deshalb: Dass die Rechnung am Ende kleiner ausfällt, heißt nicht, dass die zugrunde liegenden Gefahren nachlassen. Im Gegenteil, es sei auffällig, wie viele Extremereignisse 2025 wahrscheinlich durch den menschengemachten Klimawandel beeinflusst waren – und dass höhere Schäden in diesem Jahr eher durch Zufall ausblieben.
Der teuerste Brand: Los Angeles als Milliarden-Einschlag
Das kostspieligste Einzelereignis waren demnach die Waldbrände im Raum Los Angeles im Januar. Munich Re beziffert die Gesamtschäden auf etwa 53 Milliarden US-Dollar, davon sollen rund 40 Milliarden versichert gewesen sein. Das ist bemerkenswert, weil Brände in den Schadensstatistiken inzwischen regelmäßig in Größenordnungen auftauchen, die früher vor allem klassischen Sturmkatastrophen vorbehalten waren.
Myanmar-Beben und Hurrikan „Melissa“: Wenn Versicherungsschutz fehlt
An zweiter Stelle der kostspieligsten Ereignisse nennt Munich Re ein starkes Erdbeben in Myanmar im März mit geschätzten 12 Milliarden US-Dollar Schaden – allerdings sei nur ein kleiner Teil davon versichert gewesen. Genau hier zeigt sich ein strukturelles Problem solcher Bilanzen: Die physische Zerstörung und das menschliche Leid können enorm sein, aber je nach Region bleibt ein Großteil der finanziellen Folgen an Betroffenen und Staaten hängen, weil Versicherungsdichte und -zugang fehlen.
Bei tropischen Wirbelstürmen verzeichnet Munich Re insgesamt rund 37 Milliarden US-Dollar Schaden. Besonders herausgestellt wird Hurrikan „Melissa“, der Jamaika traf und zu den stärksten Hurrikans gehört haben soll, die dort je an Land gingen. Die Schäden werden auf etwa 9,8 Milliarden US-Dollar beziffert.
„Viele kleine“ Katastrophen werden zum Haupttreiber
Ein zentraler Befund des Berichts ist, dass nicht nur die ganz großen Schlagzeilen-Ereignisse zählen. Munich Re betont, dass zunehmend die Summe vieler kleinerer bis mittlerer Katastrophen – etwa lokale Überschwemmungen oder Wald- und Flächenbrände – den größten Einfluss auf die Gesamtrechnung hat. Für solche Ereignisse nennt der Bericht 166 Milliarden US-Dollar Schaden im Jahr 2025. Das markiert einen wichtigen Perspektivwechsel: Risiko entsteht nicht nur dort, wo ein Jahrhundertsturm eine Metropole trifft, sondern auch dort, wo sich Extremwetter immer wieder regional wiederholt.
Versicherte vs. unversicherte Schäden: Der Blick auf die Lücken
Versicherte Schäden beziffert Munich Re für 2025 auf 108 Milliarden US-Dollar – ebenfalls deutlich weniger als im Vorjahr. Regional zeigen sich große Unterschiede: Für die USA nennt der Bericht 118 Milliarden US-Dollar Gesamtschaden, davon 88 Milliarden versichert. Für die Asien-Pazifik-Region werden rund 73 Milliarden Gesamtschaden angegeben, aber nur etwa 9 Milliarden versichert. Europa liegt laut Bericht bei etwa 11 Milliarden, Afrika bei rund 3 Milliarden, wobei dort weniger als ein Fünftel versichert gewesen sei. Diese Zahlen markieren, wo Gesellschaften finanzielle Resilienz aufgebaut haben – und wo Katastrophen besonders schnell zu langfristigen sozialen Krisen werden können.
Mehr Tote trotz weniger Schaden: Was die Bilanz nicht zeigt
Auffällig ist außerdem die menschliche Dimension: Munich Re nennt rund 17.200 Todesopfer durch Naturkatastrophen im Jahr 2025. Das ist deutlich mehr als 2024 mit etwa 11.000 Toten, liegt aber knapp unter dem Zehnjahresdurchschnitt von rund 17.800. Solche Zahlen hängen stark davon ab, welche Ereignisse auftreten und wo sie auftreten: Ein einzelnes Ereignis in einer sehr verletzlichen Region kann die Opferbilanz nach oben treiben, auch wenn die versicherten Schäden vergleichsweise niedrig bleiben.
Die Klimaperspektive: „Der Planet hat Fieber“
Munich Re ordnet die Daten ausdrücklich im Kontext der Erderwärmung ein. Tobias Grimm, Chef-Klimawissenschaftler des Unternehmens, beschreibt die Lage mit einem drastischen Bild: Der Planet habe „Fieber“, und deshalb sehe man eine Häufung intensiver Wetterereignisse. Die zugrunde liegende physikalische Logik ist bekannt: Wärmere Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen, was Starkregen wahrscheinlicher und heftiger macht; zusätzliche Wärmeenergie kann zudem bestimmte Sturmprozesse begünstigen. Wichtig ist die Einordnung: Nicht jedes einzelne Ereignis lässt sich direkt dem Klimawandel zuschreiben, aber das Grundrisiko verschiebt sich.
Politischer Gegenwind – und warum die Daten trotzdem bleiben
Der Bericht verweist auch auf wachsende Skepsis gegenüber Klimapolitik, besonders seit der Rückkehr von US-Präsident Donald Trump ins Amt, der Klimawissenschaft wiederholt infrage gestellt hat. Munich Re hält dem eine nüchterne Botschaft entgegen: Die Erde erwärmt sich weiter, und das spiegelt sich in Risikoprofilen wider – unabhängig von politischen Debatten. Für Versicherer ist das weniger eine Frage der Weltanschauung als der Schadenswahrscheinlichkeit und der Versicherbarkeit ganzer Regionen.
Was man aus so einem Bericht mitnehmen sollte – und was nicht
Munich Re ist keine Klimaforschungsinstitution, sondern ein Rückversicherer. Das ist Stärke und Grenze zugleich. Stärke, weil Versicherer sehr detaillierte Schadendaten sammeln und über Jahrzehnte vergleichen. Grenze, weil Schadenssummen nicht nur Naturgefahren widerspiegeln, sondern auch wirtschaftliche Entwicklung: Wo mehr Werte in gefährdeten Regionen stehen, steigen Schäden auch ohne stärkere Naturereignisse. Genau deshalb sollten solche Zahlen nicht als einfacher Beweis für eine einzelne Ursache gelesen werden, sondern als Teil eines größeren, gut belegten Risikotrends.
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