Wissenschaftliche Meldungen
MINT-Wissen für den ländlichen Raum: Neue Förderlinie soll Distanzen überbrücken
14.1.26, 12:20
Bildung

Wissenschaft erreicht nicht alle Regionen gleichermaßen
Wissenschaftliche Bildung und Information konzentrieren sich in Deutschland stark auf urbane Räume. Große Museen, Science Center und interaktive Ausstellungen zu Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik sind überwiegend in Städten angesiedelt. Ländliche Regionen verfügen zwar über zahlreiche kleinere Kultureinrichtungen, doch MINT-Themen spielen dort bislang meist eine untergeordnete Rolle. Genau hier setzt eine neue Förderlinie der Klaus Tschira Stiftung an, die nun gezielt Brücken zwischen Stadt und Land schlagen will.
Museumspartnerschaften als Schlüsselidee
Unter dem Titel „Komm MINT aufs Land! – Museumspartnerschaften“ sollen Kooperationen zwischen großen, erfahrenen MINT-Museen und kleineren Einrichtungen im ländlichen Raum entstehen. Ziel ist es nicht, bestehende Ausstellungen einfach zu kopieren, sondern gemeinsam neue Formate zu entwickeln, die wissenschaftliche Themen an regionale Kontexte anpassen. Wissenschaft soll dort erfahrbar werden, wo sie bislang kaum präsent ist – niedrigschwellig, lokal verankert und langfristig wirksam.
Vertrauen nutzen, Reichweite erhöhen
Ein zentrales Argument hinter der Förderlinie: Museen genießen in der Bevölkerung ein hohes Vertrauen, selbst bei Menschen, die sie nur selten besuchen. Dieses Vertrauen will die Stiftung nutzen, um wissenschaftliche Inhalte auch jenseits klassischer Bildungsorte sichtbar zu machen. Gerade in ländlichen Regionen, in denen persönliche Zugänge und lokale Identität eine große Rolle spielen, könnten solche Partnerschaften neue Zielgruppen erreichen.
Strukturierte Förderung mit Lernanspruch
Die Stiftung begleitet die Projekte nicht nur finanziell, sondern auch organisatorisch. Geplant ist eine zentrale Koordinationsstelle, die den Austausch zwischen den Partnern unterstützt und gemeinsame Treffen organisiert. Kick-off-Veranstaltungen, Zwischenbesprechungen und Abschlussformate sollen sicherstellen, dass Erfahrungen systematisch ausgewertet werden. Erfolgreiche Konzepte und typische Herausforderungen sollen dokumentiert und später öffentlich zugänglich gemacht werden, damit andere Einrichtungen davon profitieren können.
Zeitplan und Rahmenbedingungen
Die Ausschreibung der Förderlinie beginnt Ende 2025. Projektanträge können im Frühjahr 2026 eingereicht werden, die Begutachtung soll etwa ein halbes Jahr dauern. Erste Bewilligungen sind für den Spätsommer vorgesehen, der Projektstart für den Herbst. Insgesamt ist die Förderlinie auf drei Jahre angelegt. Ein wichtiges Kriterium ist die regionale Nähe der Partner: Die kooperierenden Einrichtungen sollen im selben oder in benachbarten Bundesländern liegen, um eine realistische und nachhaltige Zusammenarbeit zu ermöglichen.
Mehr als Einzelprojekte
Langfristig geht es der Stiftung nicht nur um einzelne Ausstellungen, sondern um belastbare Modelle für Wissenschaftskommunikation zwischen Stadt und Land. Wenn das Programm aufgeht, könnten daraus übertragbare Strukturen entstehen, die den Zugang zu MINT-Themen breiter und gerechter machen. Gleichzeitig sollen auch die beteiligten Museumsteams professionalisiert werden – durch Erfahrungsaustausch, gemeinsame Entwicklung und Reflexion.
Einordnung
Die Förderlinie reagiert auf eine bekannte, aber oft unterschätzte Schieflage: Wissenschaftskommunikation erreicht nicht automatisch alle Teile der Gesellschaft. Ob Museumspartnerschaften diese Lücke schließen können, wird sich erst in der Praxis zeigen. Klar ist jedoch, dass der Ansatz weniger auf kurzfristige Aufmerksamkeit setzt als auf nachhaltige Strukturen – ein vorsichtiger, aber strategisch durchdachter Schritt.
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