Wissenschaftliche Meldungen
Zweifel an Studien zu Mikroplastik im menschlichen Körper
13.1.26, 20:52
Klima & Umwelt, Medizin

Methodische Schwächen werfen Ergebnisse über Bord
Die Frage, ob Mikroplastik überall im menschlichen Körper vorkommt und möglicherweise Schaden anrichtet, steht derzeit auf dem Prüfstand. In den vergangenen Jahren sorgten zahlreiche Studien für Aufmerksamkeit, weil sie Mikro- und Nanoplastik in Organen wie Gehirn, Blut, Arterien, Hoden oder sogar in der Plazenta nachgewiesen haben wollten. Nun äußern führende Wissenschaftler erhebliche Zweifel an vielen dieser Befunde. Sie warnen, dass methodische Schwächen dazu geführt haben könnten, dass ein Teil der Ergebnisse nicht belastbar ist.
Kritik an früheren Befunden: Kontamination und Fehlinterpretationen
Im Zentrum der Kritik stehen die eingesetzten Messmethoden. Mehrere der untersuchten Studien hätten grundlegende Qualitätsstandards nicht konsequent eingehalten. Dazu zählen unter anderem fehlende Blankokontrollen, mit denen sich überprüfen lässt, ob Proben während der Analyse durch Plastikpartikel aus der Umgebung verunreinigt wurden. Auch unzureichend abgeschirmte Laborbedingungen erhöhen das Risiko, dass externe Kunststoffpartikel in die Proben gelangen.
Besonders problematisch ist, dass bestimmte Bestandteile menschlichen Gewebes – vor allem Fette – in chemischen Analysen Signale erzeugen können, die denen von Kunststoffen ähneln. Ohne sorgfältige Kontrolle besteht die Gefahr, dass solche Signale fälschlich als Mikroplastik interpretiert werden. Einige Fachleute halten die gemeldeten Mengen daher für biologisch kaum plausibel.
Warum die Unsicherheit so groß ist
Mikro- und Nanoplastikpartikel bewegen sich oft an der Nachweisgrenze heutiger Analysetechniken. Verfahren wie die Pyrolyse-Gaschromatographie-Massenspektrometrie sind zwar leistungsfähig, reagieren aber empfindlich auf Störstoffe aus dem Probenmaterial selbst. Wenn Validierungsschritte fehlen, lassen sich Kunststoffpartikel nicht eindeutig von natürlichen organischen Verbindungen unterscheiden.
Eine kritische Durchsicht der Fachliteratur zeigt, dass nicht nur einzelne Arbeiten betroffen sind. Mehrere Dutzend Studien gelten inzwischen als potenziell fehleranfällig. In einigen Fällen wurden die Ergebnisse öffentlich hinterfragt oder formell von anderen Forschenden kritisiert. Das hat zu einer intensiven Debatte innerhalb der Umwelt- und Gesundheitsforschung geführt.
Was gilt als gesichert – und was nicht?
Unstrittig ist, dass Plastik in der Umwelt allgegenwärtig ist und Menschen über Luft, Wasser und Nahrung damit in Kontakt kommen. Auch dass winzige Partikel grundsätzlich in den Körper gelangen können, halten viele Forschende für plausibel. Unklar bleibt jedoch, in welchen Mengen Mikroplastik tatsächlich in menschlichen Organen vorkommt und ob diese Mengen gesundheitlich relevant sind.
Der derzeitige Forschungsstand erlaubt keine verlässlichen Aussagen über konkrete Risiken. Es fehlen standardisierte, international anerkannte Messverfahren, mit denen sich Ergebnisse zwischen Studien vergleichen lassen. Entsprechend vorsichtig fallen Einschätzungen zu möglichen gesundheitlichen Folgen aus.
Bedeutung für Wissenschaft und öffentliche Debatte
Die aktuelle Kritik verdeutlicht ein zentrales Problem moderner Umweltforschung: Früh publizierte, spektakuläre Ergebnisse können die öffentliche Wahrnehmung stark prägen, auch wenn sie sich später als unsicher erweisen. Das birgt die Gefahr, politische Entscheidungen oder gesellschaftliche Debatten auf eine wackelige Datenbasis zu stellen.
Gleichzeitig betonen Fachleute, dass die methodische Kritik nicht bedeutet, Mikroplastik im menschlichen Körper sei ein Mythos. Vielmehr zeigt sie, wie dringend das Forschungsfeld robustere Methoden, strengere Kontrollen und transparente Standards benötigt. Erst dann lassen sich fundierte Aussagen über mögliche Gesundheitsrisiken treffen.
Umgang mit Unsicherheit
Bis bessere Daten vorliegen, raten einige Wissenschaftler zu einem pragmatischen Umgang mit dem Thema. Dazu zählen einfache Maßnahmen wie der Verzicht auf das Erhitzen von Lebensmitteln in Plastikbehältern, die Nutzung von Alternativen zu Plastikflaschen oder eine gute Belüftung von Innenräumen. Diese Schritte können die allgemeine Belastung reduzieren, auch wenn ihr konkreter gesundheitlicher Nutzen bislang nicht eindeutig belegt ist.
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