Wissenschaftliche Meldungen
Kleine Auszeiten, kleine Effekte – aber mit überraschender Botschaft
21.1.26, 19:53

Digitale Pausen
In der täglichen Flut von Nachrichten, Chats und sozialen Medien mag die Vorstellung, das Smartphone einfach mal zur Seite zu legen, verlockend wirken. Eine aktuelle sozialwissenschaftliche Studie untersucht nun genau diesen Effekt und zeigt: Kurzfristige Pausen von digitalen Medien gehen mit einem leicht verbesserten Wohlbefinden einher, doch der Effekt ist zeitlich begrenzt und hängt von einem entscheidenden Faktor ab – der Freiwilligkeit des Abbruchs.
Beobachtender Ansatz statt strenger Vorgaben: So wurde geforscht
Anders als viele frühere Studien, die Teilnehmenden strikt vorschreiben, wie lange und in welchem Umfang sie digitale Medien meiden sollen, gingen die Forscherinnen und Forscher einen anderen Weg. Sie beobachteten über einen Zeitraum von zwei Wochen, wie oft und in welchen Situationen junge Erwachsene ganz freiwillig digitale Medien bewusst reduzieren oder für kurze Zeit nicht nutzen. Mehrmals täglich gaben insgesamt 237 Personen Auskunft darüber, ob sie digital „disconnected“ waren und wie sie sich fühlten. Dabei wurden nicht nur vollständige Abstinenzphasen erfasst, sondern auch subtilere Formen des Verzichts, etwa das Ausschalten von Benachrichtigungen oder das Weglegen des Smartphones beim Essen oder in Gesprächen.
Positive Stimmung, aber nur vorübergehend
Die Auswertung ergab, dass sich die Stimmung der Teilnehmenden leicht verbesserte, wenn sie für eine Zeit unverbunden waren. Sie berichteten, sich etwas energiegeladener und stärker mit ihrer Umgebung verbunden zu fühlen. Diese Effekte waren allerdings klein und hielten meist nur zwei bis drei Stunden an. Ein Einfluss auf das allgemeine Stressempfinden konnte im Rahmen der Studie nicht festgestellt werden.
Ein überraschender Befund war, dass der Kontext entscheidend ist: Wenn die Teilnehmenden selbst entschieden, ihre digitalen Medien für eine Weile beiseitezulegen, war der positive Effekt stärker. Wurde die Pause dagegen von außen erwartet oder sogar als Pflicht empfunden, konnte dies die Stimmung sogar negativ beeinflussen. Das legt nahe, dass psychologische Faktoren wie Autonomie und Selbstbestimmung eine große Rolle für den Nutzen digitaler Pausen spielen.
Warum diese Ergebnisse relevant sind
Die Studie liefert wichtige Einsichten in eine Debatte, die seit Jahren in Forschung und Öffentlichkeit geführt wird: Wie beeinflusst unsere konstante digitale Vernetzung das Wohlbefinden? Viele frühere Arbeiten zeigen, dass exzessive Nutzung sozialer Medien, permanente Erreichbarkeit und ständige Ablenkung mit negativen Gefühlen einhergehen können. Doch die aktuelle Untersuchung differenziert nuancierter: Nicht jeder digitale Verzicht wirkt gleich, und selbst kleine, selbstgewählte Pausen können kurzfristig positive Effekte haben. Gleichzeitig warnt sie davor, solche Pausen mittels strenger Vorgaben durchzusetzen, da dies kontraproduktiv sein kann.
Einordnung im Forschungskontext
Die Ergebnisse fügen sich in ein breiteres wissenschaftliches Bild ein. Andere Studien zeigen etwa, dass bewusst reduzierte Nutzung sozialer Plattformen über Tage hinweg die emotionale Gesundheit verbessern kann, insbesondere bei stärker frequentierten Diensten. Zugleich betonen Forschende, dass es bei Digital-Detox-Ansätzen nicht allein um das „Abschalten“ geht, sondern um reflektierten, selbstbestimmten Umgang mit Technologie. Die neuen Befunde unterstützen diese Sichtweise und unterstreichen, dass Freiwilligkeit und Kontext entscheidend sind für Wohlbefindenseffekte bei Medienpausen.
Fazit
Die Botschaft der aktuellen Studie ist pragmatisch: Kurze, selbstgewählte Pausen von digitalen Medien können das momentane Wohlbefinden leicht verbessern, sind aber kein Allheilmittel. Der positive Effekt ist flüchtig und hängt stark davon ab, dass Nutzerinnen und Nutzer die Pause aus eigenem Antrieb wählen. Für alle, die sich in digitalen Umgebungen häufig „überflutet“ fühlen, kann es trotzdem lohnend sein, bewusst kleine Offline-Momente in den Tag einzubauen – nicht als Pflicht, sondern als wohltuende Option zur Selbstfürsorge.
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