Wissenschaftliche Meldungen
T. rex wurde offenbar langsamer erwachsen als bisher gedacht
21.1.26, 14:51
Paläontologie

Kurzüberblick
Eine neue paläontologische Studie stellt das klassische Bild vom rasend schnell wachsenden Tyrannosaurus rex infrage. Statt eines explosionsartigen Wachstums bis ins junge Erwachsenenalter deuten Knochenanalysen darauf hin, dass der berühmte Raubsaurier deutlich länger lebte und über viele Jahre hinweg kontinuierlich weiterwuchs – möglicherweise bis zu einem Alter von rund 40 Jahren. Das verändert nicht nur unser Verständnis von der Biologie des T. rex, sondern auch von seiner Rolle im Ökosystem der späten Kreidezeit.
Was genau untersucht wurde
Im Mittelpunkt der neuen Untersuchung stehen mikroskopische Analysen fossiler Knochen, insbesondere sogenannter Wachstumsringe. Ähnlich wie bei Bäumen lagern sich auch in Dinosaurierknochen periodisch Gewebeschichten ab, die Hinweise auf das Alter und das Wachstumstempo eines Tieres liefern. Diese Methode ist seit Jahren etabliert, wurde nun aber auf zusätzliche, bislang selten untersuchte T.-rex-Fossilien angewandt.
Die Forschenden verglichen mehrere Individuen unterschiedlichen Alters und kombinierten die Daten mit neuen statistischen Modellen zur Wachstumsentwicklung. Entscheidend ist dabei nicht nur, wie schnell Masse aufgebaut wurde, sondern auch, wie lange dieser Prozess andauerte.
Langsames Wachstum statt Turbo-Teenager
Bisher galt Tyrannosaurus rex als Paradebeispiel für extremes Jugendwachstum: Innerhalb weniger Jahre sollte er von einem vergleichsweise schlanken Jungtier zu einem mehrere Tonnen schweren Spitzenprädator herangewachsen sein. Die neue Analyse zeichnet nun ein differenzierteres Bild. Zwar gab es offenbar auch beim T. rex eine Phase beschleunigten Wachstums, diese war jedoch eingebettet in eine insgesamt längere Lebensspanne.
Demnach könnte der „König der Dinosaurier“ noch Jahrzehnte nach dem Erreichen der Geschlechtsreife weiter an Masse und Größe zugelegt haben. Einzelne Individuen zeigen Hinweise auf anhaltendes Knochenwachstum bis etwa zum 40. Lebensjahr – ein Alter, das für große Theropoden bislang als eher unwahrscheinlich galt.
Was das für das Ökosystem bedeutet
Ein längeres Leben und ein langsameres Wachstum hätten direkte ökologische Konsequenzen. T. rex wäre nicht nur länger Teil der Nahrungsketten gewesen, sondern hätte über viele Jahre hinweg unterschiedliche ökologische Rollen eingenommen – vom jugendlichen Jäger kleinerer Beute bis hin zum dominanten Spitzenprädator ausgewachsener Pflanzenfresser.
Das könnte erklären, warum Fossilien jugendlicher T.-rex-Exemplare vergleichsweise selten sind: Sie waren möglicherweise über einen langen Zeitraum weniger auffällig, leichter gebaut und ökologisch weniger dominant als ihre erwachsenen Artgenossen.
Einordnung und Unsicherheiten
Die Autoren betonen, dass die Ergebnisse auf einer begrenzten Anzahl gut erhaltener Fossilien beruhen. Gerade bei Dinosauriern ist die Stichprobe zwangsläufig klein, und einzelne Individuen können das Gesamtbild verzerren. Zudem bleibt offen, wie stark Umweltfaktoren wie Nahrungsangebot oder Klima das Wachstum beeinflussten.
Trotzdem fügt sich die Studie in einen größeren Trend der Paläontologie ein: Dinosaurier werden zunehmend nicht mehr als exotische Sonderfälle betrachtet, sondern als biologisch vielfältige Tiere mit komplexen Lebensgeschichten – teils näher an heutigen Reptilien und Vögeln, als lange angenommen.
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