Wissenschaftliche Meldungen
Studie testet Attraktivität im Labor: Wie Penisgröße, Körpergröße und V-Form Urteile beeinflussen
25.1.26, 14:13
Sexualwissenschaft, Psychologie, Gesellschaft

Worum es in der Studie geht
Penisgröße ist ein Thema, über das viel geredet wird – oft lauter als es Daten hergeben. Ein Team um Upama Aich hat jetzt in PLOS Biology (Ausgabe 22. Januar 2026) ein Experiment vorgelegt, das genau diese Lücke adressiert: Nicht „Wer hat wie viel?“, sondern wie stark bestimmte Körpermerkmale tatsächlich die Wahrnehmung von Attraktivität und Kampffähigkeit beeinflussen – und zwar unter kontrollierten Bedingungen.
Die Forschenden variieren drei Merkmale systematisch: Penisgröße, Körpergröße und Körperform (konkret das Verhältnis Schulter- zu Hüftbreite, also wie „V-förmig“ ein Oberkörper wirkt). Damit wird aus einem gesellschaftlich aufgeladenen Thema eine empirisch testbare Frage: Welche Kombinationen dieser Merkmale bringen in Bewertungen einen Vorteil – und wo flacht der Effekt ab?
So wurde getestet
Statt Fotos realer Personen nutzte die Studie 343 computergenerierte männliche Figuren, die sich nur in den drei genannten Merkmalen unterschieden. Mehr als 800 Teilnehmende bewerteten diese Figuren in zwei Varianten: einmal in einer Präsenz-Situation mit lebensgroßen/realitätsnah wirkenden Darstellungen und einmal online mit skalierten Animationen. Frauen bewerteten die sexuelle Attraktivität; Männer bewerteten sowohl, wie attraktiv ein anderer Mann auf Frauen wirken könnte (hier als eine Art „Rivalen-Attraktivität“) als auch, wie bedrohlich beziehungsweise kampffähig er erscheint.
Wichtig ist die Logik dahinter: Weil die Figuren künstlich erzeugt und kontrolliert variiert werden, lässt sich viel besser trennen, was in der Wahrnehmung tatsächlich auf ein Merkmal zurückgeht – und was sonst bei realen Fotos (Mimik, Styling, Ausstrahlung, Kontext) alles durcheinanderfunkt.
Die wichtigsten Ergebnisse: Richtung klar, aber nicht grenzenlos
Über beide Erhebungswege hinweg zeigte sich ein sehr konsistentes Muster: Größer, V-förmiger und mit größerem Penis wurde im Mittel als attraktiver bewertet – und bei den Männerurteilen auch häufiger als kampfstärker/bedrohlicher eingeschätzt. Dabei war der stärkste Treiber in den Attraktivitätsurteilen typischerweise die Körperform (V-Form), während Körpergröße und Penisgröße ebenfalls positiv wirkten, aber meist schwächer.
Gleichzeitig ist das Ergebnis nicht „mehr ist immer besser“. Bei den Frauenurteilen zur Attraktivität fand die Studie Hinweise auf abnehmende Zusatzgewinne: Zuwächse bei Penisgröße, Körpergröße oder V-Form steigern die Attraktivität nicht unbegrenzt gleich stark, sondern der Effekt flacht ab. Das ist ein wichtiger Punkt, weil er gut zu dem passt, was man aus Wahrnehmungspsychologie und Evolutionsmodellen kennt: Ab einem gewissen Bereich bringen zusätzliche Zentimeter oder ein noch extremeres Verhältnis oft weniger „Bonus“ als am Anfang.
Der Knackpunkt: Merkmale wirken zusammen, nicht isoliert
Besonders spannend sind die Interaktionen: Die Wirkung eines Merkmals hängt davon ab, wie die anderen beiden ausgeprägt sind. In den Präsenzdaten zeigte sich zum Beispiel, dass – bei gleicher Körperform – eine größere Penisgröße den Attraktivitätsvorteil stärker erhöhte, wenn die Figur gleichzeitig größer war. Und unabhängig davon galt: Bei stärker V-förmigen Figuren war der Zuwachs durch Penisgröße in den Attraktivitätsbewertungen deutlicher. Übersetzt heißt das: Viele Alltagsdebatten tun so, als gäbe es eine einzelne „Skala“ für Attraktivität. Die Daten sprechen eher dafür, dass Menschen visuelle Signale als Paket verarbeiten.
Bei der Einschätzung von Kampffähigkeit war das Muster ebenfalls: größer und V-förmiger wirkt bedrohlicher. Die Interaktionen waren dort aber insgesamt schwächer, und insbesondere spielte Penisgröße in diesen Wechselwirkungen eine geringere Rolle als bei Attraktivität. Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie dieselben Körpermerkmale je nach sozialer Frage unterschiedlich „gewichtet“ werden können: „Wen finde ich attraktiv?“ ist nicht dasselbe wie „Wen halte ich für gefährlich?“.
Was man daraus lernen kann – und was nicht
Die Studie zeigt vor allem eines sehr sauber: Menschen reagieren in Urteilen systematisch auf bestimmte visuelle Körpermerkmale. Das ist sozialwissenschaftlich relevant, weil solche Urteile reale Konsequenzen haben können – etwa in Dating-Kontexten, in Konkurrenzsituationen unter Männern oder in Fragen sozialer Dominanz.
Aber es gibt klare Grenzen:
Erstens misst die Studie Wahrnehmung und Bewertung, nicht tatsächlichen „Erfolg“ im Dating oder reale Kampffähigkeit.
Zweitens sind die Figuren computergeneriert; das ist methodisch ein Vorteil für Kontrolle, aber es bleibt künstlich – echte Anziehung entsteht auch durch Stimme, Geruch, Bewegung, Humor, Statussignale und Beziehungskontext.
Drittens sagt ein statistischer Effekt über Gruppenmittel nicht, wie wichtig das Merkmal für einzelne Personen ist.
Die Studie hat zwar auch geprüft, ob Eigenschaften der Bewertenden (z. B. Alter oder Körpermaße) die Gewichtung verändern – teils gab es Zusammenhänge, oft aber nicht oder nur in einem Erhebungsmodus.
Unterm Strich: Kein Freibrief für Stammtisch-Biologismus, aber ein klarer Datenpunkt dafür, dass bestimmte körperliche Signale in schnellen sozialen Urteilen tatsächlich eine Rolle spielen – und dass diese Rolle komplexer ist als „ein Merkmal entscheidet alles“.
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