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WTF-Fragen
 

Essen wir uns trotz vollem Teller ins Nichts?

 

Kategorie:

Ernährung

Der kurze TEASER:

Moderne Lebensmittel sind oft auf Haltbarkeit und Ertrag optimiert, nicht immer auf ihren Nährstoffgehalt. Während wir scheinbar genug essen, können uns essenzielle Mikronährstoffe fehlen – ein Phänomen, das als "versteckter Hunger" bekannt ist. Es ist eine paradoxe Situation in einer Welt des Überflusses.

Die ausführliche Antwort:

Wir leben in einer Welt, die scheinbar aus den Nähten platzt vor Essen. Supermärkte quellen über, Kühlschränke sind voll, und doch hören wir immer wieder von Mangelerscheinungen. Wie kann das sein? Wie können wir uns satt essen und trotzdem hungern – einen Hunger, der nicht im Magen, sondern auf zellulärer Ebene spürbar ist? Dieses Phänomen wird oft als 'versteckter Hunger' bezeichnet. Es geht nicht darum, dass du zu wenig Kalorien zu dir nimmst, sondern dass dein Körper nicht ausreichend mit essenziellen Mikronährstoffen wie Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen versorgt wird. Du bist satt, ja, aber deine Zellen schreien nach dem, was sie wirklich brauchen, um zu funktionieren. Der Grund dafür ist vielschichtig und beginnt oft schon auf dem Feld. Die intensive Landwirtschaft der letzten Jahrzehnte hat unsere Böden stark ausgelaugt. Was früher eine reiche Quelle an Mineralien war, ist heute oft ein erschöpftes Substrat. Pflanzen, die auf diesen Böden wachsen, können schlichtweg nicht die gleiche Menge an Nährstoffen aufnehmen und an uns weitergeben, wie es noch vor wenigen Jahrzehnten der Fall war. Tomaten sehen vielleicht gleich aus, aber ihr Nährstoffprofil hat sich drastisch verändert. Studien zeigen, dass der Gehalt an Vitaminen und Mineralien in vielen Obst- und Gemüsesorten in den letzten 50 Jahren deutlich gesunken ist. Dazu kommt die Züchtung. Wir züchten Pflanzen auf Ertrag, auf schnelles Wachstum, auf Schädlingsresistenz und auf ein ansprechendes Aussehen. Aber nur selten auf ihren Nährstoffgehalt. Eine größere Karotte ist nicht automatisch eine nährstoffreichere Karotte. Oft ist es genau umgekehrt: Das Wachstum ist so schnell, dass die Pflanze nicht genug Zeit hat, die benötigten Nährstoffe aus dem Boden aufzunehmen und einzulagern. Und dann ist da die Verarbeitung. Viele unserer Lebensmittel durchlaufen unzählige Schritte, bevor sie auf unserem Teller landen. Vom Schälen über das Raffinieren bis hin zum Erhitzen und Konservieren – all diese Prozesse können wertvolle Vitamine und Mineralien zerstören oder ihre Bioverfügbarkeit reduzieren. Ein hochverarbeitetes Gebäck mag lecker schmecken, ist aber oft kaum mehr als leere Kalorien, die deinem Körper keine echten Nährwerte bieten. Die Konsequenzen des versteckten Hungers sind tückisch, weil sie sich oft schleichend und unspezifisch äußern. Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, ein geschwächtes Immunsystem, Haarausfall, brüchige Nägel, Stimmungsschwankungen – all das können Anzeichen sein, die wir oft als 'Alltagsstress' abtun, die aber tatsächlich auf einen Mangel an essenziellen Nährstoffen hindeuten könnten. Dein Körper versucht dir zu sagen: 'Ich brauche mehr!', aber wir geben ihm nur 'mehr' von dem Falschen. Was kannst du also tun, um diesem Teufelskreis zu entkommen? Es geht darum, bewusster zu wählen. Setze auf unverarbeitete, ganze Lebensmittel. Kaufe saisonal und regional, wenn möglich, da diese Lebensmittel oft einen kürzeren Transportweg haben und frischer sind. Integriere eine breite Palette an Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen in deine Ernährung. Variiere deine Proteinquellen. Sei neugierig auf neue Sorten und alte, 'vergessene' Gemüsesorten, die oft einen höheren Nährwert haben. Es ist eine Einladung, die Art und Weise, wie wir über Essen denken, neu zu bewerten. Nicht nur die Menge zählt, sondern vor allem die Qualität. Denn nur wenn dein Körper alle Bausteine bekommt, die er braucht, kann er optimal funktionieren und du kannst dich wirklich energiegeladen und gesund fühlen. Lass dich nicht vom vollen Teller täuschen – wahre Sättigung kommt von innen, aus der Zelle.
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